"Strukturelle Gewalt gegen Frauen bekämpfen"
Wien, 7.3.07 (KAP) Die Katholische Frauenbewegung Österreichs (kfbö) hat anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März zur "effizienten Bekämpfung von struktureller Gewalt gegen Frauen" aufgerufen. "Menschenunwürdige Gesetze, patriarchale Traditionen, ausbeuterische Arbeitsbedingungen zwingen nach wie vor weltweit Frauen in Armut, Abhängigkeit und Unterdrückung", heißt es in einer Erklärung der kfbö. Die Frauenbewegung appellierte an die Bundesregierung, auf internationaler Ebene verstärkt Gleichberechtigung und Eigenständigkeit der Frauen sowie die Durchsetzung von Frauenrechten einzufordern.
In Österreich selbst sind nach Ansicht der Katholischen Frauenbewegung vor allem Migrantinnen Opfer struktureller Gewalt. Die kfbö forderte deshalb ein vom Ehemann unabhängiges Aufenthaltsrecht für Migrantinnen, "um familiäre Gewaltsituationen leichter aufbrechen zu können". Derzeit müssten Migrantinnen befürchten, im Falle einer Trennung vom Ehemann ihre Niederlassungsbewilligung zu verlieren. Dies wiederum begünstige ein Verharren in häuslichen Gewaltsituationen.
Die auf Grund des österreichischen Fremdengesetzes durchgeführte zwangsweise Trennung von binationalen Ehepaaren wird von der kfbö ebenso als strukturelle Gewalt strikt abgelehnt. Auch ausländischen Ehepartnerinnen und -partnern müsse das Recht auf ein gemeinsames Familienleben zugestanden werden. "Die propagierte Familienförderung muss allen in Österreich lebenden Menschen zuteil werden, denn der Wert der Familie wird nicht durch die Staatszugehörigkeit bestimmt", so die kfbö.
Landau: Frauen sind "Heldinnen des Alltags"
Auch die Wiener Caritas nahm am Mittwoch zum Internationalen Frauentag Stellung. Frauen geraten oft nur in den Blick, wenn sie offensichtlich Außergewöhnliches leisten, sagte Caritasdirektor Michael Landau: "Dabei wird häufig übersehen, wie viel Mut und Kraft es tagtäglich braucht, eine Armutslage zu überwinden, Kinder alleine groß zu ziehen, widrigen Lebensumständen zu trotzen". Frauen sollten nicht Unmögliches für sich und ihre Familien leisten müssen, die Gesellschaft sollte sie dabei unterstützen.
Das Problem der Vereinbarkeit von Beruf und Familie werde gern den Frauen allein überlassen. "Den Familien ist nicht damit gedient, wenn die Frauen diffamiert werden, weil sie beides vereinen wollen oder müssen: Beruf und Kind", sagte Landau. Wahlfreiheit sei derzeit ein Privileg einiger weniger: "Es ist Zeit, dass die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sich der Realität anpassen, und dazu brauchen wir nicht zuletzt mehr qualitätvolle Kinderbetreuungseinrichtungen. Und die Öffnungszeiten müssen sich an der Lebenswirklichkeit der Menschen orientieren".
Was Frauen leisten, spiegelt sich auch in der Arbeit der Caritas, betonte der Wiener Caritasdirektor. Auf die Betreuung und Pflege alter, kranker und sterbender Menschen treffe das ganz besonders zu. Pflege sei psychische und körperliche Schwerstarbeit, das werde in der gegenwärtigen Pflegedebatte gern übersehen. Und sie sei Frauenarbeit, sowohl in der professionellen Betreuung als auch privat innerhalb der Familie: 80 Prozent der Pflege wird unbezahlt geleistet, meist von den Töchtern und Schwiegertöchtern. "Mein Dank gilt am Frauentag ganz besonders den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen der Caritas, die ihre ganze Kraft für die Unterstützung und Betreuung von Menschen in Not einsetzen", so Landau.
Der Wiener Caritasdirektor erinnerte aber auch daran, dass in der Sozialberatung und in der Familienhilfe die Hilfe Suchenden mit 71 Prozent überwiegend Frauen sind. Wenn das Geld knapp wird und die Familie nicht mehr weiß, wie sie über die Runden kommen soll, sind es die Frauen, die sich an die Caritas-Sozialberatung wenden. Weil sie - oftmals allein - die "Familienerhalterinnen" sind und in solchen Notlagen offenbar häufig die Verantwortung für die Familie übernehmen.
Diakonie: Auf Flüchtlingsfrauen nicht vergessen
Die Diakonie Österreich hat anlässlich des Internationalen Frauentags auf das Schicksal von Flüchtlingsfrauen aufmerksam gemacht. Man dürfe nicht auf jene Frauen vergessen, "die aus Angst, Not und Terror ihre Heimat verlassen mussten, um in einem fremden Land Schutz zu suchen. Sie sollten eine faire Chance erhalten", so Diakonie-Direktor Michael Chalupka. Der Diakonie-Flüchtlingsdienst unterstützt mit dem Projekt "Zukunftswerkstätte" die Integration tschetschenischer Flüchtlingsfrauen in Österreich.
Chalupka: "Häufig sind Flüchtlingsfrauen aus traditionell geprägten Kulturen an den Entscheidungen, die ihre eigene Zukunft betreffen, nicht maßgeblich beteiligt. Sie sind es nicht gewohnt, sich mit solchen Fragen auseinander zu setzen, sind nicht ausreichend darüber informiert, welche Möglichkeiten es in Österreich gibt, ihr Leben und ihre Zukunft selbst zu gestalten und geraten dadurch leicht in Abhängigkeiten". Die "Zukunftswerkstätte" zeige den Teilnehmerinnnen, dass sie durch Eigeninitiative, Weiterbildung sowie Wissen über Österreich, Entscheidendes für sich und ihre Familien leisten und in weiterer Folge neue Zukunftsperspektiven schaffen können.
Die Diakonie-Zukunftswerkstätte umfasst sechs Module zu jeweils vier Stunden. In diesem Rahmen werden die Frauen bei der Entwicklung und Umsetzung individueller Zukunftspläne unterstützt. Für eine begleitende Kinderbetreuung wird gesorgt. Durch die einzelnen Module wird der alltägliche Aktionsradius der Frauen in der österreichischen Gesellschaft erweitert, die Selbstbestimmtheit der Teilnehmerinnen gefördert und die Eigenverantwortung der Frauen gestärkt.