Kapellari: Christen müssen "Anwälte für das Leben" sein
Graz, 8.3.07 (KAP) Christen sollen "Anwälte für das Leben" sein und als solche Allianzen für das Leben suchen und mittragen - "besonders auch mit anders glaubenden und nicht religiös glaubenden Menschen": Das betont der Grazer Bischof Egon Kapellari in seinem diesjährigen Fastenhirtenbrief, der am kommenden dritten Fastensonntag in allen steirischen Kirchen verlesen wird. In diese Allianzen sollten Christen "die Kraft und die Argumente" des christlichen Glaubens in ein oft "notwendig leidenschaftliches, aber immer möglichst sachlich kompetentes und faires Gespräch und die daraus folgenden praktischen Konsequenzen" einbringen.
Ostern sei das Fest des Lebens, das Fest des Sieges Christi über Sünde und Tod, so Kapellari. Gerade als "österliche Menschen" seien die Christen Freunde des Lebens: Freunde des menschlichen Lebens von der Zeugung bis zum natürlichen Tod, Freunde der Natur als Schöpfung Gottes und als Auftrag zum "Hüten und Entfalten der Umwelt als Mitwelt". Das gelte auch für den Tierschutz und Klimaschutz.
Die katholische Kirche ist nach den Worten des Bischofs insgesamt "eine starke Bewegung für das menschliche Leben in allen seinen Dimensionen" - "als geborenes wie auch ungeborenes, entfaltetes oder irgendwie behindertes, zeitliches und ewiges Leben". Zwar werde diese Welt "nie ein Paradies werden" und für Christen sei sie auch keine "endgültige Heimat", so Kapellari: "Wir sind aber berufen, gelegen oder ungelegen für das Prinzip Leben, für ein Leben in größtmöglicher Fülle einzutreten". Heute gehe es dabei besonders um das Leben geborener oder ungeborener Kinder, um das Prinzip Ehe als Gemeinschaft von Mann und Frau und um das Prinzip Familie, die heute beide "auf vielfältige Weise in Frage gestellt und bedroht" seien. Das Wort Johannes Pauls II. "Die Zukunft der Kirche geht über die Familie" gelte auch für die Gesellschaft im Ganzen.
Christen hätten eine Botschaft, die vor allem ja und nicht nein sagt. "Wir sind für ein maximales Miteinander, auch mit Menschen außerhalb der Kirche", so der Grazer Bischof: "Wirmüssen aber manchmal auch entschieden nein sagen: z.B. nein zur Abtreibung, nein zu tötender Forschung an menschlichen Embryonen, nein zur Euthanasie". Dieses Nein sei von der Überzeugung getragen, der ganzen Gesellschaft und ihrer Zukunft einen Dienst zu erweisen.
"Raum für den Menschen, Raum für Gott"
In seinem Fastenhirtenbrief mit dem Titel "Raum für den Menschen, Raum für Gott" ging Kapellari auch auf den eigentlichen Sinn der fünfwöchigen vorösterlichen Bußzeit ein: Christlich zu fasten, sei "nicht nur eine Maßnahme, um gesund oder schön zu bleiben oder zu werden, sondern ein Sich-Zurücknehmen, damit andere Menschen und schließlich Gott bei uns mehr Raum haben". Fasten sei mehr als ein zeitweiliger Verzicht auf manche Nahrungsmittel, es sei auch ein "Teilen von Geld, Zeit und Aufmerksamkeit mit Menschen, die eine solche Hilfe brauchen". Und es gehe auch um ein "radikaleres Offenwerden auf Gott hin" durch Gebet, durch Buße bezogen auf eigene Schuld. Dies gelte besonders im Hinblick auf die weithin vergessene Beichte, das Bußsakrament, "das als eine Quelle der Freude gestiftet ist".
Die Fastenzeit ist nach den Worten Bischof Kapellaris auch Teil jenes "Kunstwerk des Glaubens", mit dem die Kirche im Lauf von Jahrhunderten das Kirchenjahr rhythmisch gegliedert hat. Kargere und festlichere Zeiten lösten einander ab: Advent und Weihnachten, Fastenzeit und Ostern. "Dieser Rhythmus ermöglicht ein intensiveres Erleben und verhindert eine Banalisierung des Lebens", betonte Kapellari.