Patriarch Bartholomaios in Wien eingetroffen
Wien, 12.3.07 (KAP) Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., ist am Montagmittag zu einem fünftägigen offiziellen Besuch in Österreich eingetroffen. Auf dem Flughafen Wien-Schwechat wurde das Oberhaupt der Weltorthodoxie u.a. vom Wiener griechisch-orthodoxen Metropoliten Michael Staikos, von Weihbischof Helmut Krätzl namens der Österreichischen Bischofskonferenz und dem griechischen Botschafter in Österreich, Theodoros Sotiropoulos, empfangen.
Am Montagnachmittag stehen Begegnungen mit Bundespräsident Heinz Fischer, Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und Vizekanzler Wilhelm Molterer auf dem Programm. Um 18.30 Uhr folgen dann Gottesdienst und Begegnung mit den orthodoxen Bischöfen, Priestern und Laien Wiens in der serbisch-orthodoxen Kirche St. Sava in Wien-Landstraße.
Am Dienstag, 13. März, stehen u.a. Begegnungen mit dem Apostolischen Nuntius, Erzbischof Edmond Farhat, und Außenministerin Ursula Plassnik auf dem Programm. Um 11.30 Uhr besucht der Patriarch die Handschriftensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek und die griechisch-orthodoxe Dreifaltigkeitskathedrale am Fleischmarkt. Um 18 Uhr nimmt Bartholomaios I. im Wiener Stephansdom am Gedenkgottesdienst zum dritten Todestag von Kardinal Franz König teil; Kardinal Christoph Schönborn feiert diesen Gottesdienst in Konzelebration mit den österreichischen Bischöfen. Anschließend wird der Ökumenische Patriarch den "Kardinal-König-Preis" der Stiftung "Communio et Progressio" entgegennehmen.
Am Mittwoch, 14. März, ist Bartholomaios I. Gast eines Mittagessens in der Apostolischen Nuntiatur, an dem auch Bundespräsident Fischer teilnimmt. Am Nachmittag besucht der Patriarch das SOS-Kinderdorf Hinterbrühl, das heuer sein 50-Jahr-Jubiläum begeht. Am Mittwochabend ist der Patriarch Gast des türkischen Botschafters Selim Yenel.
Am Donnerstag, 15. März, pilgert Bartholomaios I. nach Mariazell. Er wird dort einen Gebetsgottesdienst feiern und ein Grußwort an die Gläubigen richten. Am Freitagmorgen, 16. März, trifft er mit Kardinal Christoph Schönborn zusammen; anschließend ist eine Begegnung mit den Kuratoriumsmitgliedern von "Communio et Progressio" vorgesehen. Im Anschluss kehrt das Oberhaupt der Orthodoxie nach Istanbul zurück.
Wertschätzung für Kardinal König
Bei seiner Ankunft am Flughafen Wien-Schwechat sagte der Ökumenische Patriarch im Gespräch mit "Kathpress", dass ihn sein aktueller Österreich-Besuch mit besonderer Freude und mit Stolz erfülle, weil er mit dem "Kardinal-König-Preis" ausgezeichnet werde. Er verstehe diese Auszeichnung nicht nur als Anerkennung für seine Person, sondern für das Ökumenische Patriarchat als solches, betonte Bartholomaios I.. Denn das Patriarchat bemühe sich in besonderer Weise um den Dialog zwischen Menschen unterschiedlicher Konfession und Religion. Aus diesem Grunde habe das Patriarchat Kardinal König auch immer hoch geschätzt und mit Respekt, Wertschätzung und Dankbarkeit zur Kenntnis genommen, "was Kardinal König für die Kirche Christi geleistet hat". Er sei entschlossen, so Patriarch Bartholomaios I., den Weg Kardinal Königs in dessen Sinn und Geist weiterzugehen".
Verantwortung für Europa
Im ORF-Mittagsjournal am Montag betonte Patriarch Bartholomaios I. den wesentlichen Beitrag der Orthodoxie zur Einigung Europas: "Die Orthodoxie ist nicht die arme Verwandte Europas, sondern aus historischen Gründen heraus hat sie Europa gegenüber viele Rechte und Pflichten". Europa brauche für seine Einheit neben politischen und wirtschaftlichen Faktoren vor allem auch geistliche Werte, sagte das Oberhaupt der Orthodoxie. Es gelte, diese Werte den zunehmenden Säkularisierungstendenzen entgegenzuhalten. Innerhalb der EU gibt es derzeit vier orthodox geprägte Staaten: Griechenland, Zypern, Bulgarien und Rumänien, aber auch in manchen Teilen Polens, Lettlands und Estlands ist die Orthodoxie stark präsent, ebenso in den großen Metropolen des Westens.
In den Fußstapfen des Kardinals
Weihbischof Helmut Krätzl, der Patriarch Bartholomaios I. in Schwechat begrüßte, betonte im Gespräch mit "Kathpress" seine Freude über die Verleihung des "Kardinal-König-Preises" an das Oberhaupt der Orthodoxie. Damit werde zum dritten Todestag von Kardinal König dessen Erbe besonders hervorgehoben. Die Verdienste des verstorbenen Kardinals für die Ökumene und die Beziehungen zur Orthodoxie im Besonderen könnten nicht hoch genug eingeschätzt werden. Das "ökumenische Klima" - gerade auch im Bezug zur orthodoxen Kirche - sei in Österreich auch wesentlich besser als im großen weltkirchlichen Rahmen.
Der Vizepräsident der Stiftung "Communio et progressio", der katholische Publizist Heinz Nussbaumer, betonte, Patriarch Bartholomaios I. sei wie kein zweiter in die Fußstapfen Kardinal Königs getreten - sowohl was Ökumene als auch was Dialog oder Versöhnung betreffe. Nussbaumer wörtlich: "Ich halte den Patriarchen für einen idealen Preisträger". Auch auf diese Weise könne das Bild Johannes Pauls II. von den beiden Lungenflügeln Europas realisiert werden. Die Kirche in Österreich habe sich in den vergangenen Jahren massiv für die Anliegen der Christen und des Ökumenischen Patriarchats in der Türkei eingesetzt, erinnerte der Vizepräsident von "Communio et progressio". Es gehe um Mindeststandards der Religionsfreiheit. Dies müsse man in Solidarität mit der Ortskirche bei aller Freundschaft mit der Türkei immer wieder vorbringen.
Politische Gespräche
Metropolit Michael Staikos betonte im Gespräch mit "Kathpress", dass Religionsfreiheit und Menschenrechte auch bei den Gesprächen des Patriarchen mit den politischen Vertretern Österreichs ein Thema sein werden. Die Position des Ökumenischen Patriarchen habe hier sicherlich sehr viel Gewicht. Staikos hob weiters auch die Verdienste des Oberhaupts der Orthodoxie für Versöhnung und Dialog sowie für die Bewahrung der Schöpfung hervor.
Das Ökumenische Patriarchat sei mit Kardinal König seit jeher freundschaftlich verbunden gewesen, so Staikos. Der Wiener Erzbischof sei immer ein willkommener und gern gesehener Gast gewesen.