Bartholomaios I. würdigt SOS-Kinderdörfer
Wien, 14.3.07 (KAP) Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., hat am Mittwoch die von Österreich ausgehenden SOS-Kinderdörfer in aller Welt gewürdigt. Diese seien "Zentren der Nächstenliebe", und der Segen, der von ihnen ausgehe, könne gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, sagte das Oberhaupt der Weltorthodoxie bei einem Besuch des "SOS-Kinderdorfes Wienerwald" in der Hinterbrühl im südlichen Niederösterreich. Der Patriarch erinnerte an "Kinderdorf-Vater" Hermann Gmeiner dem in hohem Maß zu verdanken sei, dass die Kinderdorf-Idee in aller Welt Wurzeln schlagen konnte - getragen von der Überzeugung, dass "alle Menschen, alle Kinder dieser Welt, demselben Vater im Himmel angehören - gleichgültig, aus welcher kulturellen und religiösen Prägung sie kommen".
Bartholomaios I. erinnerte in seiner Ansprache erneut an Kardinal Franz König, dessen dritter Todestag am Dienstag im Wiener Stephansdom begangen worden war. Kardinal König und Gmeiner seien "zwei große Männer" Österreichs gewesen, die große Hochachtung füreinander hatten. Sie seien mehrfach auf dem Boden des Kinderdorfes in der Hinterbrühl zusammen gekommen als zwei Menschen, deren Wirken "diese Welt zum Besseren verändert" habe, so Bartholomaios I.
Der Ökumenische Patriarch dankte den SOS-Kinderdörfern auch dafür, dass in vielen von ihnen in aller Welt orthodoxe Kinder und Jugendliche auch ihren orthodoxen Glauben leben und vertiefen können. Die Bitte, die tausende Kinder in aller Welt Tag für Tag im Kinderdorf-Gebet aussprechen, gelte für alle Glaubensgemeinschaften und Religionen: "Du hast uns zusammengeführt, lass uns Dir immerfort auch eines Herzens dienen. Gib, dass in unserer Gesellschaft immer Eintracht und Einigkeit herrscht." Zum Abschluss des Besuches erteilte der Ökumenische Patriarch allen Anwesenden seinen Segen.
In 132 Ländern weltweit vertreten
Der Vorsitzende des "SOS-Kinderdorfs Wienerwald", der katholische Publizist und frühere Bundespräsidentensprecher Prof. Heinz Nußbaumer, dankte Bartholomaios I. für seine Bereitschaft, "aus der Welt der Großen und Einflussreichen" (der Patriarch war davor bei einem Empfang mit hochrangigen Vertretern der Diplomatie, Politik und Kirche in der Wiener Apostolischen Nuntiatur) in das Kinderdorf und damit "in die Welt der Kleinen und Ohnmächtigen" zu kommen. Das "SOS-Kinderdorf Wienerwald" sei das größte von inzwischen 100 derartigen Einrichtungen in Europa und feiere heuer sein 50-jähriges Bestehen. In 132 Ländern habe die Idee Hermann Gmeiners inzwischen Fuß gefasst, in den weltweit 1.800 Kinderdörfern, Schulen, Kindergärten, Lehrwerkstätten, Sozial- und Gesundheitszentren hätten an die 50.00 Kinder und Jugendliche ein Zuhause und die ihnen gebührende Unterstützung gefunden, so Nußbaumer.
Dieses "weltweite Werk der Nächstenliebe" sei nur durch die Spenden von Millionen SOS-Kinderdorf-Freunden möglich. "Wir sollten - bei all unseren Sorgen vor gesellschaftlichen Entwicklungen, allen Ängsten, die viele Menschen vor der Zukunft haben - auch das nicht vergessen", sagte Nußbaumer "Es gibt auch einen enormen Vormarsch des Guten in unserer Zeit - still oft und im Schatten der öffentlichen Aufmerksamkeit. Aber unaufhaltsam." In den SOS-Kinderdörfern lebe auch das Wissen um den Wert der Religion im Leben des Menschen, fuhr Nußbaumer fort: "SOS-Kinderdörfer sind Orte des Religionsfriedens und des gelebten Miteinander - auch in den großen Konfliktzonen der Welt." Gerade Christen stünden nach einem Wort Jesu unter dem "strikten Auftrag, die Kinder in unsere Mitte zu nehmen, sie zu schützen, zu fördern, zu lieben."
Spende von 5.000 US-Dollar
Der Ökumenische Patriarch spendete dem SOS-Kinderdorf 5.000 US-Dollar, aus einem Preisgeld, das er vor längerem erhalten hat, wie er mitteilte. Zudem teilte an jedes Kind ein kleines Kreuz aus, und nach einem Rundgang durch das Kinderdorf nahm Bartholomaios auf eigenen Wunsch hin bei einer Kinderdorffamilie mit drei türkischen Kindern eine Jause ein.
