Patriarch Bartholomaios besucht Mariazell
Mariazell, 15.3.07 (KAP) Die Bedeutung der Gottesmutter Maria für das Verhältnis zwischen orthodoxer und katholischer Kirche hat der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., am Donnerstag bei seiner Pilgerfahrt nach Mariazell unterstrichen. Maria bilde als "Vorbild des Glaubens für uns alle" auch eine "feste Brücke zwischen unseren beiden Schwesterkirchen", so der Patriarch bei seiner Ansprache in der Mariazeller Basilika. Bei dem Gebetsgottesdienst im obersteirischen Marienheiligtum waren neben Superior P. Karl Schauer OSB auch der Abt des Benediktinerstiftes St. Lambrecht, Otto Strohmaier (Mariazell ist ein Superiorat der Abtei), sowie zahlreiche weitere Äbte österreichischer Klöster anwesend.
Auch in der orthodoxen Kirche werde Maria ganz besonders verehrt, so Bartholomaios, der - wie er erinnerte - vor 35 Jahren "als junger Archimandrit" (vergleichbar einem Abt in katholischen Klöstern) anlässlich der Gründung der "Gesellschaft für das Recht der Ostkirchen" an der Universität Wien erstmals in Mariazell weilte. Maria sei Patronin des orthodoxen Mönchtums und Schutzherrin des ihr geweihten Mönchsberges Athos. Seit 850 Jahren sei Mariazell "Wohnstätte ihrer wundertätigen Gnadenstatue" und ständige Quelle von leiblichen und geistigen Kräften und spiritueller Erneuerung, nahm der Patriarch Bezug auf das diesjährige Jubiläumsjahr des Marienwallfahrtsortes.
Millionen von Pilgern kämen alljährlich hierher, "wie auch der große und unvergessliche Kardinal Franz König, der hier in aller Stille und im Gebet immer wieder neue Kräfte, Hoffnung, Gnade und Segen erbeten und auch erfahren hat", so das Oberhaupt der Weltorthodoxie. Auch der griechisch-orthodoxe Metropolit Michael Staikos gehöre seit vielen Jahren zu den Mariazell-Pilgern. Den Umstand, dass im September auch Papst Benedikt XVI. anlässlich des Mariazeller 850-Jahr-Jubiläums auf Besuch kommen wird, nahm der Patriarch zum Anlass für einen Segenswunsch: "Möge die Gottesmutter das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, unseren geliebten Bruder im Herrn, immer schützen zur Fortsetzung seines segensreichen Pontifikats im Geiste des Evangeliums und der Diakonie Gottes und der Menschheit."
Gebet vor dem Gnadenaltar
Bartholomaios I. war bei seinem Eintreffen vor der Mariazeller Basilika von Abt Strohmaier, Superior Schauer und dem Linzer Altbischof Maximilian Aichern (er ist Mitglied des Benediktinerordens) begrüßt worden. Nach einem feierlichen Einzug in die Kirche verharrte er kniend vor dem Gnadenaltar. Als Geste der besonderen Verbundenheit mit der "Magna Mater Austria" legte er vor dem Altar sein Enkolpion (das Brustkreuz eines Bischofs) ab, um es der Gottesmutter zu weihen. Den anschließenden Gebetsgottesdienst in der Basilika, an dem auch der griechisch-orthodoxe Metropolit von Austria, Michael Staikos, teilnahm, begleiteten geistliche orthodoxe Hymnen.
Superior Schauer würdigte in einer Ansprache den Einsatz von Bartholomaios I. und des Ökumenischen Patriarchats für Gerechtigkeit, Friede und Versöhnung. Zugleich erinnerte er an das "große Vermächtnis", das Kardinal Franz König in Mariazell - das für den Kardinal "wie eine zweite Heimat" gewesen sei - hinterlassen habe: Es sei ein "Testament der Offenheit und Weite", das auch für heutige Christen ein Auftrag sei, so Schauer.
Dem Träger des erstmals vergebenen "Kardinal-König-Preises", Patriarch Bartholomaios, überreichte Schauer als Geschenk und "Zeichen der Sehnsucht nach der Einheit der Christen" eine wertvolle Kopie des im Benediktinerstift Kremsmünster aufbewahrten Tassilo-Kelches aus dem 8. Jahrhundert.