Österreichs Pfarren haben gewählt
Wien, 19.3.07 (KAP) Bei den Pfarrgemeinderatswahlen am Sonntag zeichnete sich im Hinblick auf die Beteiligung in den österreichischen Diözesen eine gleich bleibende Tendenz ab. In der Erzdiözese Wien steht bereits fest, dass der Anteil der Frauen unter den Pfarrgemeinderats-Mitgliedern deutlich steigen wird: von 50,1 Prozent bei der Wahl 2002 auf rund 54 Prozent bei der Wahl 2007. Wie bei den Wahlen vor fünf Jahren sind auch dieses Mal wieder etwa 40 Prozent der rund 4.500 Pfarrgemeinderats-Mitglieder auf dem Gebiet der Erzdiözese neu in den Pfarrgemeinderat gewählt worden. "Damit wurde ein wesentliches Ziel erreicht, nämlich die regelmäßige Erneuerung und Erweiterung dieses Kreises von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die in den Pfarrgemeinden die Mitverantwortung tragen", sagte Johannes Pesl, der Pfarrgemeinderats-Referent der Erzdiözese Wien.
Auch in der Erzdiözese Wien dürfte die Wahlbeteiligung im Vergleich zu den letzten Pfarrgemeinderatswahlen vor fünf Jahren in etwa gleich bleiben. Um 18.30 Uhr waren etwa 80 Prozent der 660 Pfarren ausgezählt; in diesen Pfarrgemeinden gingen 13,7 Prozent der wahlberechtigten Katholiken zu den Urnen. Damit dürfte das Ergebnis von 2002 (Wahlbeteiligung: 12,7 Prozent) zumindest gehalten werden.
Diözese Linz: "Ein starkes Zeichen"
In der Diözese Linz gingen in vielen der 475 Pfarren gleich viel oder mehr Personen zur Wahl als im Jahr 2002. "Das ist ein starkes Zeichen dafür, dass die Menschen die Pfarrgemeinden mittragen", freute sich Pastoralamtsdirektor Wilhelm Vieböck. Er bedankte sich bei allen, die sich für die Wahl zur Verfügung gestellt haben. In den bis 17 Uhr ausgezählten Pfarrgemeinden betrug die Wahlbeteiligung 27,3 Prozent (im Jahr 2002 hatte die Wahlbeteiligung im Endergebnis 27,8 Prozent betragen).
Monika Heilmann, Leiterin der Abteilung Pfarrgemeinde und Spiritualität, sagte am Sonntagabend: "Für mich ist das ein sehr zufrieden stellendes Ergebnis und es ist zugleich eine gute Basis und Rückenstärkung für die Menschen, die Lebens- und Glaubensräume in den kommenden fünf Jahren mitgestalten".
Der Linzer Pfarrgemeinderatsreferent Hans Putz hob die besonderen Wahlergebnisse hervor: In der Pfarrexpositur Obermühl betrug die Wahlbeteiligung 100 Prozent, in St. Ägidi 95 Prozent und in Aistersheim 89 Prozent. Die neue Pfarre in der Linzer SolarCity wählte heuer zum ersten Mal. Sie hat einen sehr jungen Pfarrgemeinderat: das Durchschnittsalter liegt bei 33,6 Jahren. Das Durchschnittsalter der Pfarrgemeinderatsmitglieder der bis Sonntagabend ausgezählten Pfarren beträgt 44,4 Jahre. 46 Prozent der Pfarrgemeinderäte sind Neuzugänge, 54 Prozent wurden wieder gewählt.
In der Diözese Linz waren 852.655 Katholiken wahlberechtigt. Von den 487 Pfarrgemeinden der Diözese beteiligten sich 475 an der Wahl. In manchen Pfarren konnten auch bereits 14-jährige wählen oder es galt das Familienstimmrecht.
Bischof Alois Schwarz: "Zeichen für Vitalität"
In der Diözese Gurk ergab die Auszählung von mehr als 50 Prozent der Kärntner Pfarren bis zum späten Sonntagnachmittag eine Wahlbeteiligung von mehr als 24 Prozent. Damit entspricht die Wahlbeteiligung in den 337 Kärntner Pfarren fast genau jener bei den letzten Pfarrgemeinderatswahlen vor fünf Jahren. Damals machten knapp 23 Prozent der Katholiken von ihrem Stimmrecht Gebrauch. Der Frauenanteil in den Pfarrgemeinderäten ist wiederum gestiegen und beträgt nun 50 Prozent, 2002 lag er bei 48 Prozent.
Interessante Detailergebnisse gibt es aus den einzelnen Kärntner Dekanaten: So hatte die Pfarre Gaisberg (103 Wahlberechtigte, 103 abgegebene Stimmen) mit 100 Prozent die höchste Wahlbeteiligung aller Pfarren, gefolgt von St. Ulrich am Johannserberg mit 88,1 Prozent und Baldramsdorf mit 82,2 Prozent. Der jüngste Pfarrgemeinderat Kärntens wird sich nach derzeitigem Auszählungsstand in der Pfarre Wieting im Dekanat Krappfeld konstituieren. Dort liegt der Altersdurchschnitt der Gewählten knapp über 35 Jahren.
Der Gurker Diözesanbischof Alois Schwarz dankte am Sonntagabend allen, die zur Wahl gegangen sind und vor allem auch jenen Frauen und Männern, die kandidierten oder in der abgelaufenen Periode als Pfarrgemeinderatsmitglieder tätig waren. Die Pfarrgemeinderäte seien auch ein "Zeichen für die Vitalität der Kirche und ein Spiegelbild für die Buntheit und Vielfalt kirchlichen Lebens". Im Leben der Pfarren habe der Pfarrgemeinderat eine unverzichtbare und unverwechselbare Bedeutung, unterstrich Bischof Schwarz, der in der Bischofskonferenz für den Bereich "Pastoral" zuständig ist. Besonders erfreulich sei, dass sich auch immer mehr junge Menschen in den Pfarrgemeinderäten engagieren. "Im Pfarrgemeinderat kommen die unterschiedlichen Fähigkeiten, Meinungen und Verantwortlichkeiten einer Pfarre an einem Tisch zusammen. Zum Wohl der Pfarre wird gemeinsam überlegt, beraten und entschieden", so Bischof Schwarz. Die Mitverantwortung aller Getauften für die Kirche bekomme im Pfarrgemeinderat konkrete Gestalt.
Der Pfarrgemeinderatsreferent der Diözese Gurk, Max Fritz, meinte, dass das Ergebnis der Wahl sehr positiv zu werten ist. Gerade in einer Zeit, in der das "klassisch" Ehrenamt mit seiner langfristigen Bindung an eine Organisation abnimmt, sei es ein schönes Zeichen, dass sich wieder so viele Frauen und Männer bereit erklärt haben, in den kommenden fünf Jahren für ihre Pfarre Mitverantwortung zu übernehmen.
Salzburg: Starker Frauenanteil
In der Erzdiözese Salzburg war um 17 Uhr erst ein Drittel der Pfarren ausgezählt. Die Wahlbeteiligung in den ausgezählten Pfarrgemeinden schwankte zwischen 4 Prozent (Salzburg-Maxglan) und 86 Prozent (Seethal im Lungau). Auch die Pfarren Eschenau (83,9 Prozent), Dienten (80,6 Prozent) konnten sich über eine hohe Wahlbeteiligung freuen. In der Salzburger Stadtrandpfarre Elsbethen gaben 14,5 Prozent der Katholiken ihre Stimme ab.
Ein rein weiblicher Pfarrgemeinderat wurde in Dorfgastein (Pongau) gewählt. Insgesamt beträgt der Frauenanteil unter den Salzburger "Pfarrmandataren" an die 60 Prozent. Das höchste Durchschnittsalter hatte bei den bis 17 Uhr ausgezählten Pfarren der Pfarrgemeinderat der Salzburger Dompfarre mit 60 Jahren. Der jüngste Pfarrgemeinderat wurde in Mühlbach am Hochkönig gewählt - Altersdurchschnitt 32,8 Jahre. Insgesamt sind 10 Prozent der gewählten Pfarrgemeinderatsmitglieder jünger als 30 Jahre, 60 Prozent jünger als 50 Jahre; das Durchschnittsalter liegt bei 43 Jahren.
