Wien: Schweigemarsch für verfolgte Christen
Wien, 20.3.06 (KAP) Die Gewalt im Sudan steht im Mittelpunkt des diesjährigen Schweigemarsches von "Christian Solidarity International" (CSI) am kommenden Freitag, 23. März. Treffunkt ist um 16 Uhr vor der Wiener Oper. Nach dem Marsch über die Kärntner Straße zum Stephansdom wird dort um 17 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert. Um 18 Uhr hält der Arzt und Afrikamissionar P. Ludwig Peschen im Curhaus (Stephansplatz 3) einen Vortrag über die Situation im Land.
Seit 2003 ist P. Peschen für das Programm "Healing the Healers" der sudanesischen Bischofskonferenz zuständig. Der mit Unterbrechungen seit 1956 andauernde Bürgerkrieg hat im Land verheerende Spuren hinterlassen. Mit dem Heilungsprogramm wollen Peschen und seine Mitarbeiter den Sudanesen helfen, die traumatischen Erfahrungen zu verarbeiten.
Wie P. Peschen bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Wien sagte, sei die Lage im westsudanesischen Darfur weiterhin dramatisch. Genaue Informationen lägen aber kaum vor, da es sehr schwer sei, die Einreiseerlaubnis für die Region zu erhalten. Im Süden des Landes, wo er arbeite, habe sich die Situation hingegen in den vergangenen zwei Jahren beruhigt. Die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen der Regierung in Khartum und der Volksbefreiungsarmee (SPLA) hätten weitgehend aufgehört, dafür bestehe nun die Gefahr, dass gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen einzelnen Ethnien des Südens ausbrechen.
Dahinter stünden zum einen der traditionelle Konflikt zwischen Ackerbauern und Viehzüchtern um Land und Wasser, zum anderen auch Spannungen zwischen heimkehrenden Flüchtlingen und der in der Heimat verbliebenen Bevölkerung. Wie P. Peschen sagte, liege immer noch eine "Dunstglocke von Gewalt und Aggression" über dem Land. Dagegen versuche vor allem auch die Kirche mit verschiedenen Projekten vorzugehen.
Die Bevölkerung vermisse vor allem auch den Wiederaufbau des Landes. Die Infrastruktur liege weiterhin im Argen, niemand wisse, was mit zugesagten Hilfsgeldern passiert. Sichtbare Verbesserungen der Lebenssituation der Bevölkerung stünden noch aus, kritisierte der Afrikamissionar.
Genozid in Darfur
Besonders schlimm ist die Situation nach wie vor in Darfur. Darauf weist auch ein vor wenigen Tagen veröffentlichter Sonderbericht für den UN-Menschenrechtsrat in Genf hin. Morde an der Zivilbevölkerung gingen in der gesamten Region weiter, zudem seien systematische Vergewaltigungen an der Tagesordnung. Die Leiterin der Sonderkommission, die Friedensnobelpreisträgerin Jody Williams, warf sudanesischen Regierungssoldaten vor, oft gemeinsam mit Milizen oder "Janjawid"-Banden schwere Verbrechen begangen zu haben. Khartum komme seiner Verantwortung nicht nach, Zivilisten zu schützen und eine Strafverfolgung der Täter zu ermöglichen.
Unabhängigkeitsreferendum 2011
Die Zentralregierung in Khartum hatte im Friedensabkommen vom Jänner 2005 zugestimmt, dem Südsudan Autonomie zu gewähren. 2011 soll ein Referendum im Südsudan stattfinden, das über die Unabhängigkeit von Khartum entscheiden soll.
Der Sudan ist das flächenmäßig größte Land Afrikas. Das Land war bis zur Entkolonialisierung ein britisch-ägyptisches Kondominium. Der Süden wurde nie islamisiert und erst im 19./20. Jahrhundert für das Christentum gewonnen. Die bereits um 1950 "islamistisch" eingestellten Eliten des Nordens versuchten nach der Unabhängigkeitserklärung vom 1. Jänner 1956, den Süden zu islamisieren und zu arabisieren. Daraus resultierte ein - mit Unterbrechungen - bis 2005 andauernder Bürgerkrieg.
Seit mehr als 25 Jahren setzt sich die Österreich-Sektion der ökumenischen Organisation "Christian Solidarity International" (CSI-Österreich) für verfolgte Christen ein. Als ein Höhepunkt der Arbeit von CSI gilt jeweils der traditionelle Schweigemarsch in der Fastenzeit, bei dem jedes Jahr ein bestimmtes Land im Mittelpunkt steht.