Europa: "Wir müssen unerschrocken von Gott reden"
Mariazell, 25.3.07 (KAP) Die jüdisch-christlichen Wurzeln Europas dürfen nicht verleugnet werden, betonte der Superior von Mariazell, P. Karl Schauer, am Sonntag bei der vom ORF-Radio direkt übertragenen Messfeier aus dem steirischen Marienheiligtum zum Fest Maria Verkündigung. Im Hinblick auf den 50. Jahrestag der Römischen Verträge sagte P. Schauer wörtlich: "Wenn wir von einem Europa in Frieden und Wohlstand reden, in dem alte Gegensätze und Trennungen überwunden werden können, dann müssen wir in diesem Zusammenhang auch unerschrocken von Gott reden". Geschichte, Kultur und geistige Grundlagen Europas seien wesentlich durch das Christentum geprägt. Das christliche Menschenbild verpflichte zugleich zur Achtung anderer Kulturen und zur Toleranz gegenüber anderen religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen und Lebensformen.
Der feierliche Gottesdienst zum Fest Maria Verkündigung markierte zugleich den Auftakt zu den 850-Jahr-Feiern von Mariazell. Höhepunkt der Feiern wird am 8. September - dem Fest Maria Geburt - die Begegnung mit Papst Benedikt XVI. sein. Alle, "wirklich alle", seien eingeladen und willkommen, betonte P. Schauer: "Wir haben viel Platz, mehr Platz, als diesem kleinen Ort zugetraut wird". Der 8. September sei mehr als ein "Event", es sei mehr als "Papst schauen". Vielmehr gehe es darum, gemeinsam mit dem Papst auf Christus zu schauen und die "gemeinsame Aufgabe als Christen in dieser Welt" zu buchstabieren.
P. Schauer verwies darauf, dass Mariazell ein Ort der Versöhnung ist, an dem sehr viele Menschen das Sakrament der Buße empfangen. 1952 habe der spätere Kardinal Franz König - Stichwort "Mariazeller Manifest" - hier eigentlich "nebenbei" die Aussöhnung zwischen Kirche, Staat und politischen Parteien in die Wege geleitet. 1983, beim Besuch Johannes Pauls II., hätten nur wenige Pilger aus den damaligen Ostblockländern über die trennenden Mauern kommen können, im Jahr nach der "Wende" waren es dann schon 25.000, die nach Jahrzehnten der Unterbrechung wieder nach Mariazell kommen durften. "Wer mit Gott versöhnt ist, muss die Versöhnung stiftende Aufgabe auch in der Gesellschaft umsetzen", betonte der Mariazeller Superior.
In diesem Zusammenhang erinnerte P. Schauer daran, dass vor kurzem das Oberhaupt der Weltorthodoxie, Patriarch Bartholomaios I., als Pilger in Mariazell war und den Besuch des Papstes der Fürsprache der Gottesmutter anvertraut hatte. Vor wenigen Tagen hätten sich die Repräsentanten der Ökumene in Österreich erstmals in Mariazell zusammen gefunden. Kardinal König habe an diesem Ort oftmals die großen Fragen gestellt: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Welchen Sinn hat mein Leben? Mariazell sei nicht die Antwort auf diese Fragen, aber dieser Ort könne "helfen, solche Fragen zuzulassen und eine Antwort zu finden".
Mariazell bedeute, daheim zu sein in der "großen Familie der pilgernden Kirche, wie es das Zweite Vatikanische Konzil formuliert hat", unterstrich P. Schauer. In diesem Haus der Kirche werde man aufgenommen "ohne Eintrittskarten und ohne Ausweis", der Ausweis sei das "offene Herz" und die Eintrittskarte die "Sehnsucht nach Gott". Die Gnadenstatue sei so klein, dass sie übersehen werden könnte, es gebe keine spektakulären Wunderereignisse und doch geschehe tagtäglich das "eigentliche Wunder des Glaubens, wenn Maria die Pilger ermutigt: Was Christus euch sagt, das tut".