Viel "Religion" im ORF-Osterprogramm
Wien, 27.3.07 (KAP) "Meines Wissens gab es zu Ostern noch nie so viele religiöse Sendungen im ORF-Fernsehen wie heuer": Der Leiter der ORF-Hauptabteilung Religion-TV, Gerhard Klein, präsentierte am Dienstag im Wiener ORF-Kulturcafe ein reichhaltiges Programm mit Spielfilmen, Dokumentationen, Gottesdienstübertragungen und Diskussionen. Die erstmalige Kooperation mit der ORF-Hauptabteilung Film und Serien schlägt sich im Schwerpunkt "Jesus im Film" nieder, in dessen Rahmen vier Streifen gezeigt werden, wie sie - so Klein - "unterschiedlicher nicht sein könnten": Erstmals im ORF gezeigt wird (am Karfreitag um 22.20 Uhr) Mel Gibsons umstrittenes Gewalt-Drama "Die Passion Christi", schon davor Pier Paolo Pasolinis Bibelfilm "Das 1. Evangelium - Matthäus", Martin Scorseses "Die letzte Versuchung Christi" und der starbesetzte Hollywood-Zweiteiler "Die Bibel - Jesus".
Die geplante Ausstrahlung des Gibson-Films löste am Dienstag Proteste des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit sowie der Israelitischen Kultusgemeinde aus. Für Diskussionen wird auch die Dokumentation "Das Jesus-Grab" von James Cameron und Simcha Jacobovici sorgen, die ebenfalls am Karfreitag (um 17.30 Uhr) gezeigt wird. Wissenschaftler haben die Dokumentation als "jämmerliches Machwerk" bezeichnet.
Und Diskussionen seien durchaus erwünscht, ja sogar in heurigen "Programm mit Ecken und Kanten" begleitend vorgesehen, kündigte Klein an: Im Anschluss an die Dokumentation über das angebliche Familiengrab Jesu in Jerusalem diskutieren am Karfreitag um 18.55 Uhr in einem "kreuz&quer spezial: Der Streit um das Jesus-Grab" Experten wie der Wiener katholische Bibelwissenschaftler Martin Stowasser und der evangelische Oberkirchenrat Michael Bünker u.a. über die Frage, über die Auferstehung Jesu.
Streitfall Gibson-Film
Und auch dem Gibson-Film wird laut Klein eine Diskussion folgen: Ab 0.15 Uhr werden in einem Studio-Gespräch Für und Wider des umstrittenen Films erwogen. Die Leiterin der ORF-Hauptabteilung Film und Serien, Andrea Bogad-Radatz, bekannte sich bei dem Pressegespräch zur Ausstrahlung: Einen derart erfolgreichen und zugleich vieldiskutierten Streifen zu zeigen, noch dazu umrahmt von seriöser Experten-Kritik, gehöre zum öffentlich-rechtlichen Auftrag des ORF. Handwerklich sei der Film "sehr gut gemacht", Gibson zeige Szenen, deren Bildkraft sie an die Sixtinische Kapelle erinnerten, so Bogad-Radatz wörtlich.
Weitere religiöse Highlights im österlichen ORF-Fernsehprogramm: Der Ostergottesdienst mit Papst Benedikt XVI. und der traditionelle Segen "Urbi et orbi" wird am Ostersonntag live ab 10.30 Uhr in ORF 2 gezeigt. Am Ostermontag ist eine Folge der Reihe "FeierAbend" dem legendären Priester und Kunstmäzen Msgr. Otto Mauer gewidmet, der am 14. Februar vor 100 Jahren geboren wurde. Weggefährten wie Ex-Vizekanzler Erhard Busek sowie die Maler Arnulf Rainer und Josef Mikl erinnern sich an den 1973 verstorbenen Brückenbauer zwischen Kunst und Kirche. Pasolinis "Das 1. Evangelium - Matthäus" wird am 2. April um 0.20 Uhr in ORF 2 ausgestrahlt, Scorseses "Die letzte Versuchung Christi" tags darauf ebenfalls um 0.20 Uhr in ORF 2 und Roger Youngs "Die Bibel - Jesus" am Karfreitag, 6. April, um 10.35 Uhr (Teil 1) bzw. 12.10 Uhr (Teil 2) in ORF 2.
"kreuz&quer" neu
Hauptabteilungsleiter Klein informierte bei dem Pressegespräch auch über Neuerungen beim erfolgreichen Dienstagabend-Religionsmagazin "kreuz&quer": Es wird mit Beginn der ORF-Programmreform am 10. April eine halbe Stunde früher - gleich nach der "ZiB 2" - ausgestrahlt. Angesichts des steigenden Interesses an religiösen Themen brauche es "Konsumentenschutz" im "Supermarkt der Weltanschauungen", so Klein. Dafür solle der Blick über explizit Religiöses hinaus stärker auf ethische und gesellschaftspolitische Themen ausgeweitet werden. Herzstück von "kreuz&quer" wird laut Klein eine Dokumentation sein, die durch Studiogespräche, eigenproduzierte Beiträge, Features u.a. ergänzt wird.
Die erste Sendung neuen Zuschnitts am Dienstag nach Ostern (10. April) werde den 80. Geburtstag Papst Benedikts XVI. zum Anlass für eine von Mathilde Schwabender gestaltete Dokumentation über die "Baustellen des Herrn" nehmen; im Blickpunkt dabei die Ökumene und der islamisch-christliche Dialog, Frauen in der Kirche und der Umgang mit neuen Lebensgemeinschaften. Danach beleuchtet Christian Rathner - derzeit auf Recherche in El Salvador - den Status quo der "Theologie der Befreiung", die durch die vatikanische "Maßregelung" des salvadorianischen Theologen Jon Sobrino zuletzt wieder in Diskussion geriet. Nach einer Diskussion über die Akzente Benedikts XVI. für die Zukunft der katholischen Kirche beendet Roland Joffes Hollywood-Film "The Mission" mit Robert de Niro und Jeremy Irons den Abend. (ende)