Bischof Schwarz zu Interview des Ex-Regens
Graz, 1.4.07 (KAP) Der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari hat in einer Information an alle Priester und Mitarbeiter seiner Diözese die jüngsten Aussagen des aus dem Amt geschiedenen Kärntner Priesters Josef Suntinger - einst Regens des Gurker Priesterseminars in Graz - und seiner Frau in der "Kleinen Zeitung" bedauert. Diese Aussagen hätten eine Reihe von Katholiken veranlasst, ihn als Bischof um eine öffentliche Stellungnahme zu ersuchen. Er tue dies, so Bischof Kapellari, auch im Blick auf den Ölweihe-Gottesdienst im Dom in der Karwoche. Die vielen mitfeiernden Priester würden dabei wie alljährlich das vor ihrer Weihe gegebene Zölibatsversprechen erneuern, und die Priesteramtskandidaten würden auf dieses Zeugnis achten.
In mehr als 25 Jahren seines bisherigen bischöflichen Dienstes habe er viele Kandidaten der Diözesen Gurk und Graz-Seckau sowie Ordensangehörige zu Priestern geweiht. So auch im Jahr 1986 den späteren Spiritual und dann Regens des Kärntner Priesterseminars in Graz, Josef Suntinger. Wie Kapellari betont, habe er in diesen 25 Jahren auch auf den Zölibat bezogene Krisen von Priestern und Abschiede vom Priesteramt erlebt. Dabei sei immer versucht worden, "ehrlich und menschlich einfühlsam damit umzugehen".
Der Titel eines Buches von Vaclav Havel, "Versuch, in der Wahrheit zu leben", sei dabei ein Leitbild gewesen. Kapellari wörtlich: "Abschied nehmenden Priestern wurde begleitend geholfen, auch materiell. Manche Enttäuschungen auf beiden Seiten blieben dennoch nicht aus. Wer aber ein Versprechen zu einer Ehe oder zur zölibatären Lebensform als Priester abgibt, muss einen Teil der Lasten in Folge eines Abschieds aus einer solchen Bindung auch selbst tragen". In einer emotional komplexen Situation sei dies nicht immer einsichtig. Man klage dann sehr leicht die Kirche als "uneinsichtig und unbarmherzig" an und übersehe, dass von einer trotz Schwierigkeiten durchgehaltenen Bindung viele andere Menschen gestärkt und mitgetragen würden.
Wie Bischof Kapellari betont, habe er Suntinger als einen "engagierten und treuen Priester" erlebt und ihm wichtige Ämter anvertraut. Seine im jüngsten Interview zur Sprache kommenden Werturteile halte er für "nicht gerechtfertigt". Er - so Bischof Kapellari - werde Suntinger dies "auch öffentlich sagen in Verantwortung für die vielen Priester, die ihrer Lebensform trotz mancher Schwierigkeiten treu sind".