Caritas-Direktor Landau fordert "humanitäres Bleiberecht"
Wien, 3.4.07 (KAP) Während in Hohenberg in Niederösterreich eine ganze Gemeinde geschlossen für den Verbleib einer von Abschiebung bedrohten armenischen Familie aus Georgien kämpft, fordert der Wiener Caritasdirektor Msgr. Michael Landau ein "humanitäres Bleiberecht" für integrierte, aber durch die Fremdengesetze von Abschiebung bedrohte Ausländer. Diese Bleiberecht-Regelung sollte das derzeit "unzureichende Gnadenrecht" bei der Gewährung von Aufenthalt aus besonderen Gründen ersetzen, so Landau in der Dienstagausgabe der Tageszeitung "Der Standard".
Das österreichische Niederlassungsrecht müsse langjährige Integration besser als derzeit berücksichtigen, fordert Landau. Hier brauche es "generelle Ansätze zur Sanierung des Aufenthalts". In Deutschland, so der Wiener Caritasdirektor, habe sich die große Koalition jüngst auf ein Bleiberecht in diesem Sinn geeinigt. Das sollte auch für heimische Politiker "ein Anstoß sein".
Unterdessen kämpft die Gemeinde Hohenberg um den Verbleib der von der Abschiebung bedrohten armenischen Familie Torosian, die aus Georgien stammt und wegen Bürgerkrieg und Verfolgung vor sechs Jahren nach Österreich kam. Der 31-jährige Vater, seine 34-jährige Frau und die 14-jährige Tochter seien in der Gemeinde "bestens integriert", so der mit der Familie in engem Kontakt stehende Pfarrer der Pfarrgemeinden Hohenberg und St. Ägyd am Neuwald, Mieczyslaw Sprycha. Der Vater der Familie, ein gelernter Fernsehtechniker, hilft in der Pfarre Hohenberg als Mesner. Die Mutter (sie arbeitete in Tiflis als Englischlehrerin) unterstützt die Ortsbevölkerung bei Hausarbeiten.
Aktives Feuerwehr-Mitglied
Wie der Pfarrer im Gespräch mit "Kathpress" betonte, werde die Familie in ihrer Heimat verfolgt, könne also keinesfalls zurück nach Georgien. "Wir würden alles tun, dass die Familie bleiben darf", so der Pfarrer. Auch bei der Feuerwehr Hohenberg herrscht Aufregung. Der Vater der Familie ist aktives Feuerwehr-Mitglied.
Die Ortsbevölkerung hat unter der Federführung von Bürgermeister Heinrich Preus inzwischen ein Bittgesuch an Bundespräsident Heinz Fischer verfasst. Wie es darin heißt, sei die Familie "längst auf allen Ebenen in die Gemeinde Hohenberg integriert". Vater, Mutter und Tochter beherrschten "die deutsche Sprache ausgezeichnet".
Akzentfreies Deutsch
Der Vater sei als aktives Feuerwehrmitglied von der personellen Tageseinsatzbereitschaft in Hohenberg nicht mehr wegzudenken. Die Tochter sei ein sehr eifriges Mitglied der Feuerwehrjugend und sei auch in der Pfarre als Ministrantin aktiv. Der Vater sei seit drei Jahren als Mesner der Pfarrkirche tätig und werde allseits von der Bevölkerung geschätzt. Arbeiten durfte er in den sechs Jahren seit seiner Ankunft in Österreich bisher nicht.
Die Tochter sei eine gute Schülerin und spreche laut Schuldirektor Franz Schrittwieser akzentfreies Deutsch. Wörtlich heißt es in dem Brief: "Sehr geehrter Herr Bundespräsident, wir bitten Sie, nach ihren Möglichkeiten nochmals den Bescheid des Unabhängigen Bundesasylsenats prüfen zu lassen. Gerade bei dieser Familie würden es viele unserer Bevölkerung, die Hauptschule mit ihren MitschülerInnen und auch die Marktgemeinde Hohenberg nicht verstehen, wenn mit dieser unhumanen Härte nach insgesamt sechs Jahren vorgegangen wird".
Schwierige Lage der Armenier
Den österreichischen Behörden ist die schwierige Lage der Armenier in Georgien wenig bekannt. Die armenische Minderheit ist vor allem in Dschawachetien im Südosten Georgiens beheimatet. Dieses Gebiet hatte in der mittelalterlichen Geschichte Armeniens eine wichtige Rolle gespielt. Später wurde das Territorium ein Teil Georgiens, bis es von den Osmanen erobert wurde. In osmanischer Zeit wurde die damals bereits georgisch sprechende Bevölkerung islamisiert; erst in der zaristischen Epoche strömten wieder viele Armenier in diesen Landstrich. In den zwanziger Jahren siedelten sich dann besonders viele Überlebende des osmanischen Völkermords an den Armeniern (1915-1921) hier an. Die Gegend blieb aber immer vernachlässigt. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde Dschawachetien von den neuen Machthabern in Tiflis als "potenziell separatistisch" betrachtet und weiter benachteiligt.