"Vieles gelungen, manches entwicklungsbedürftig"
Wien, 11.4.07 (KAP) Vieles sei gelungen, manches freilich noch entwicklungsbedürftig: So umschrieb Caritas-Präsident Franz Küberl in seiner Eigenschaft als Mitglied des ORF-Stiftungsrats die neue ORF-Programmgestaltung seit Dienstag. Man dürfe nicht erwarten, dass gleich am ersten Tag "alles paletti" sei und sämtliche Neuerungen einschlagen. Um dem österreichischen TV-Publikum das erforderliche "Fenster zur Welt" und zu den Fragen der Zeit bieten zu können und in Bezug auf Zeitgemäßheit und Publikumsnähe am Ball zu sein, sei die Programmreform "unabdingbar" gewesen, betonte Küberl am Mittwoch im Gespräch mit "Kathpress". Es sei wichtig, dass sich der ORF da "drübertraut", er wünsche dem Unternehmen den Mut, Neuerungen durchzuziehen und - wo nötig - "Nachbesserungen" vorzunehmen, so Küberl.
Als Beispiel für einen gelungenen, "pfiffigen und flotten" Reformschritt nannte der Caritas-Präsident die neue "ZiB 20" in ORF 1. Differenzierter sieht er das "Flaggschiff" der ORF-Information, die nicht mehr durchgeschaltete "Zeit im Bild" um 19.30 Uhr in ORF 2: Hier sei die neue Doppelmoderation noch nicht eingespielt; inhaltlich sei manches "zu wenig dicht" - wie z.B. der am Dienstag ausgestrahlte Beitrag über einen US-Milliardär, der sich Leckerbissen auf seinen Weltraumausflug mitgenommen hatte. "Das war 'Seitenblicke'", befand Küberl. Und auch bei anderen Beiträgen hätte er sich "mehr Info als -tainment" gewünscht.
Küberl bedauerte, dass gleich bei der ersten Gelegenheit die Ankündigung, das Religionsmagazin "kreuz&quer" "eine halbe Stunde früher und eine halbe Stunde länger" auszustrahlen, nicht umgesetzt wurde: Stattdessen wurde zu der geplanten Beginnzeit um 22.30 Uhr ein inhaltlich "etwas magerer" "Runder Tisch" ausgestrahlt - an einem Tag, der mit der "Zeit im Bild", der "ZiB2" und dem "Report" ohnehin mit breiter Informationsleiste ausgestattet war. "kreuz&quer" begann dann - wie auch bisher üblich - kurz nach 23 Uhr.
Die auf junge Zuseher zugeschnittene Kurzsendung "szene ;)" hat Küberl gut gefallen; bei einem Beitrag über Bäder in flüssiger Schokolade habe er sich freilich gedacht, dass "die Körpersprache des Reichtums" entsetzlich sein könne und bei so einem Bericht gemäß dem jüngsten Ernährungsschwerpunkt des ORF kritischeDistanz dringend notwendig wäre.
Über die aufwendigste Neuproduktion - die tägliche "Sitcom" "Mitten im 8en" wollte Küberl noch kein Urteil fällen. Die Sendung "muss sich noch entwickeln" und solle Gelegenheit dazu bekommen.
Der Caritas-Chef wies darauf hin, dass der Donnerstagabend erst nach längerem "trial and error" ein Paradebeispiel für gelungene Innovation im ORF-Programm geworden sei; jetzt seien Sendungen wie "Dorfers Donnerstalk", "Die 4 da" oder die "Sendung ohne Namen" vorbildlich für ein mutiges Programm. Eine "Brise Anarchie" tue dem ORF-Fernsehen generell ganz gut, meinte Küberl.
Landau: "Kann dem ORF nur gratulieren"
Positiv äußerte sich am Mittwoch der Wiener Caritasdirektor Michael Landau zur ORF-Programmreform: "Sehr zu begrüßen" sei, dass eine engagierte Sendung wie "kreuz&quer" in Hinkunft aufgewertet wird - auch wenn die Beginnzeit am Dienstag, 10. April, noch nicht vorverlegt worden sei. Das Religionsmagazin mache deutlich, dass Glaube und kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Entwicklungen zusammengehören, lobte Landau. Es werde auch anschaulich, dass es der Kirche um den Menschen gehe, und wenn das ohnehin beachtliche Publikumsinteresse an "kreuz&quer" durch die Verlängerung noch steige, sei das nur positiv.
Die Neuansätze in der ORF-Information - mehr Umfang sowie stärker zielgruppenorientiert - haben Landau, wie er im "Kathpress"-Gespräch sagte, ebenfalls "gut gefallen". Als besonders gelungen hob er die neue "ZiB 20" hervor. Der Wiener Caritas-Chef: "Da ist eine spannende Programmentwicklung im Gang, zu der man dem ORF nur gratulieren kann".