Bischof Küng kritisiert Grünen-Vorstoß
St.Pölten-Wien, 13.4.07 (KAP) "Familien-Bischof" Klaus Küng hat die Forderung der Vizechefin der "Grünen" (und Dritten Nationalratspräsidentin) Eva Glawischnig nach "Abtreibung auf Krankenschein in öffentlichen Spitälern" entschieden zurückgewiesen. Schwangeren Frauen in Not per Krankenschein die Abtreibung zu verschreiben, statt Lebensperspektiven mit einem Kind zu bieten, sei eines Sozialstaates unwürdig, so Küng in einer Stellungnahme.
Wie Bischof Küng sagte, wäre von den "Grünen", die sich "völlig zu Recht für den Schutz der Umwelt und für das Leben der Pflanzen und Tiere" einsetzen, "mehr Engagement für den Schutz des ungeborenen menschlichen Lebens" zu erwarten. Es sei - so Küng - "absurd, sich für das Lebensrecht von Kröten in einem Biotop stark zu machen, aber im selben Atemzug für das Recht auf Abtreibung zu plädieren".
Rechtliche Verbesserungen rund um die Fristenregelung wären laut Bischof Küng vor allem eine gesetzlich vorgeschriebene Trennung von beratendem und abtreibendem Arzt, um eine "objektive Beratung" zu gewährleisten und die "Geschäftemacherei" mit der Abtreibung zu erschweren. Ebenso möchte der "Familien-Bischof" eine dreitägige "Bedenkzeit" vor der Entscheidung für oder gegen eine Abtreibung. Damit soll Schwangeren gesetzliche Rückendeckung vor unmittelbarem "äußerem Druck" gegeben werden, um übereilte Handlungen zu vermeiden, die später bereut werden. Außerdem sollte eine Abtreibungs- Statistik und eine anonyme Motivforschung dazu beitragen, gezielt helfen zu können und die konkreten Ansatzpunkte für die 1975 bei der Einführung der Fristenregelung versprochenen "flankierenden Maßnahmen" zu finden.
"Kinder sind keine Krankheit, Abtreibung auf Kosten der Krankenkassen anzubieten ist Verachtung des Lebens und zynisch", stellte Johannes Fenz, der Präsident des Katholischen Familienverbandes Österreichs, am Freitag fest. Wichtiger als Abtreibungen zu finanzieren, sei es, Geld in die Prävention, in die Beratung und in die Krisenintervention für Frauen in Notsituationen zu investieren.
"Für mich ist zum einen nicht nachvollziehbar, dass man sich dem umfassenden Naturschutz verschreiben kann und gleichzeitig den Schutz des menschlichen Lebens mit Füßen tritt", betonte Fenz. Zum anderen sehe er im Angebot, Abtreibung auf Krankenschein anzubieten, den Versuch, "den Menschen zu suggerieren, dass Abtreibung in Österreich grundsätzlich legal ist". Abtreibung sei aber nur unter gewissen Voraussetzungen straffrei gestellt, erinnerte Fenz. Höchst problematisch sei der Gedanke, dass ein öffentliches Gesundheitssystem die Kosten für die Tötung von Leben tragen soll.
Der Katholische Familienverband Österreichs forderte am Freitag die überfällige Einführung der vor mehr als 30 Jahren versprochenen "flankierenden Maßnahmen". Bei der medizinischen Beratung müsse es den verpflichtenden Hinweis auf psychosoziale Beratungsmöglichkeiten geben; Trennung von beratendem und durchführendem Arzt; Ausbau von Familienberatungsstellen mit Schwerpunkt Schwangerschaftsberatung; stärkere Einbeziehung der Väter und entsprechende Information für männliche Jugendliche; keine Spätabtreibungen auf Grund des Verdachts auf Behinderung; regelmäßige Motivforschung und Erstellung einer Statistik über den Schwangerschaftsabbruch.
Küberl: "Kritischer diskutieren"
Kritisch hat sich auch Caritas-Präsident Franz Küberl zu der Forderung der stellvertretenden Bundessprecherin der Grünen, Eva Glawischnig, geäußert. Wie Küberl im Gespräch mit "Kathpress" betonte, müsse bei "solch heiklen moralischen Fragen kritischer diskutiert werden".
Prinzipiell sei es zwar zu begrüßen, so Küberl, dass der ORF als "Fenster zur Welt" seinem Auftrag damit gerecht zu werden versuche, dass er sich in die gesellschaftlichen Diskurse einschalte, jedoch gebe es "bedeutend mehr redaktionelle Möglichkeiten, eine solche Debatte zu positionieren". Die Ausgewogenheit von Pro- und kontra-Positionen müsse dabei ebenso beachtet werden, wie eine repräsentative Auswahl der Diskussionsteilnehmer.