Kath. Publizisten: "50 Jahre ist ein gutes Alter"
Wien, 13.4.07 (KAP) Für ihren "Dienst am Wort" in der fruchtbaren Spannung zwischen dem göttlichen Wort und den "Worten und Wörtern von Menschen" hat "Medien-Bischof" Egon Kapellari den katholischen Publizisten Österreichs gedankt. Im Wiener Stephansdom erinnerte Bischof Kapellari am Donnerstagabend beim Festgottesdienst zum 50-Jahr-Jubiläum des "Verbandes katholischer Publizisten" daran, dass das Wort "erhellen und verdunkeln", "aufrichten und niederreißen", "trösten und verletzen" kann.
In der Geschichte Jesu verdichte sich gemäß dem Johannesevangelium die Weltgeschichte und bringe deren verborgene Essenz ans Licht, betonte der Bischof. Die Weltgeschichte erscheine hier als "das Drama eines Ringens des Lichtes mit der Finsternis". Weniger dramatisch und "meist in kleinen Akten" ereigne sich diese Konfrontation in der Dimension des Wortes und des Bildes als "Auseinandersetzung zwischen dem Wort Gottes und den Wörtern der Menschen". In einer solchen Auseinandersetzung stehen alle, "die als bewusste Christen im Bereich der Massenmedien wirken", so Bischof Kapellari.
Inmitten des "heutigen Gestöbers von Wörtern und Metaphern" gehe es immer wieder auch um den Anspruch des "großen menschlichen Wortes". Das verschaffe den katholischen Publizisten ein "unbequemes Leben", habe aber für ihr Reden, Schreiben und ins Bild setzen eine "läuternde Wirkung" und sei ein Mittel gegen "Banalität". Bischof Kapellari zitierte in diesem Zusammenhang ein Gedicht von Ingeborg Bachmann: "Was wahr ist, streut nicht Sand in deine Augen...Was wahr ist, rückt den Stein von deinem Grab...Was wahr ist, zieht der Erde einen Scheitel...Du haftest in der Welt, beschwert von Ketten, doch treibt, was wahr ist, Sprünge in die Wand".
Das "globale Dorf" und die Realität
In der Festschrift zum 50-Jahr-Jubiläum des Verbandes weist Kardinal Christoph Schönborn auf die Herausforderung hin, eine christliche Weltsicht in das "Kleingeld" des publizistischen Alltags einzuwechseln, "von der Recherche bis zur Präsentation, gleichgültig ob es um traditionelle oder 'neue' Medien geht". Die rasante Entwicklung der Medien habe wesentlich dazu beigetragen, dass die Welt von heute ein "globales Dorf" geworden sei. Es bleibe aber die Frage, ob das Bild, das tagtäglich multimedial vom "globalen Dorf" entworfen wird, auch der Wirklichkeit, der Lebensrealität der Menschen entspricht, so Schönborn in seinem Geleitwort zu der Festschrift, die bei der Jubiläumsfeier präsentiert wurde.
Medienleute, die sich als Katholiken verstehen, seien hier herausgefordert; denn der Glaube sei "keine Ideologie, kein abstraktes Gedankengebäude", sondern habe "mit der Wirklichkeit zu tun", betont der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz: "Das hat Konsequenzen für die Art und Weise, wie Christen auf die Welt schauen. Sie können und wollen das Gute, Wahre und Schöne nicht ausklammern, sie haben Respekt vor dem Menschen als Person, vor Leben und Tod, vor Gelingen und Scheitern, sie nehmen die tiefsten Sehnsüchte der Menschen ernst, für sie ist die Einheit der Menschheit eine Konsequenz daraus, dass alle Menschen zur 'Familie Gottes' gehören". Wenn katholischen Publizisten die Umsetzung dieser Prinzipien in ihren beruflichen Alltag gelingt, "können sie eine große Zukunft gewinnen".
Weitere Beiträge der Festschrift schildern die Entstehung des Verbandes 1957 (Felix Gamillscheg: "Aufbruch nach dem Krieg") und die frühen und vielfältigen Versuche, Kontakte zu katholischen Medienschaffenden "hinter dem Eisernen Vorhang" zu knüpfen und diese zu unterstützen (Hubert Lehner: "Baustelle Haus Europa"). Hubert Feichtlbauer schildert die Rolle des Verbandes in der "Katholischen Weltunion der Presse" (UCIP) und erinnert an die drei in Österreich abgehaltenen UCIP-Weltkongresse (1957 und 1977 in Wien, 1995 in Graz). Weitere Beiträge widmen sich der Zusammenarbeit zwischen den katholischen Publizisten des deutschsprachigen Raumes und der Entwicklung der katholischen Verlagswesens in den vergangenen Jahrzehnten. Nicht zuletzt werden nach wie vor bestehende Probleme im Verhältnis von Kirche und Medien erörtert.
Feichtlbauer, der den Verband von 1979 bis 1990 geleitet hatte, erinnerte an ein Wort vonKardinal Franz König, das der damalige Wiener Erzbischof unmittelbar vor dem Konzil an die katholischen Journalisten gerichtet hatte: "Wenn Sie etwas zu sagen haben, dann warten Sie nicht auf den Bischof, nicht auf eine Nachricht aus Rom, sondern mahnen Sie, wo Sie glauben, mahnen zu müssen, drängen Sie, wo sie glauben, drängen zu müssen..." Und er zitierte eine Aussage von Kardinal Joseph Ratzinger: "Die Gemeinschaft braucht den Mut, dass auch das Unbequeme gesagt wird. Sie braucht vor allem den Mut, dass auch Höheren gegenüber unerschrocken die Wahrheit ausgesprochen wird".
Vernetzung und Service
Die Vorsitzende des Verbandes, Gabriele Neuwirth ("Der Sonntag"), hob bei der Feier hervor, auch nach einem halben Jahrhundert sei für Journalisten Vernetzung eine wesentliche Hilfe. Es gelte, sich gegenseitig den Rücken zu stärken und Journalisten in ihrem Bemühen um ein Arbeiten zu unterstützen, "das es erlaubt, sich am Abend ohne Scham in den Spiegel zu schauen". Laut ihren Angaben zählt der Verband heute rund 250 Mitglieder.
Neue Serviceangebote wie ein "Newsletter", die Website "www.kath-publizisten.at", die in Kürze online gehen wird, sowie ein verbandseigener, günstiger Presseausweis sollen den Verband zusätzlich attraktiv machen. Daneben sollen bewährte Veranstaltungen wie der "Jour fixe", der Gesprächen mit Persönlichkeiten aus Kirche, Politik und Gesellschaft gewidmet ist, weitergeführt werden.
Der Einladung zu dem Jubiläumsfest waren mehrere hundert Mitglieder und Gäste gefolgt, unter ihnen eine Reihe von katholischen Publizisten aus den Nachbarländern. Aufgelockert wurde die Festfeier durch ein vom Wiener Germanisten Prof. Wendelin Schmidt-Dengler eigens dafür geschriebenes Sprechstück "Was geschah mit dem Wort, das am Anfang war", vorgetragen von der Schauspielerin Johanna Brix und einem "Griechischen Männer-Sprechchor" (bestehend aus ehemaligen und jetzigen ORF-Journalisten). Studenten und Absolventen der Katholischen Medienakademie boten einen Sketch über ernüchternde Erfahrungen von Nachwuchsjournalisten.