Küberl: Für alten- und kinderfreundliche Gesellschaft
Vatikanstadt-Graz, 15.4.07 (KAP) Für die Überwindung des Generationenkonflikts hat sich Caritas-Präsident Franz Küberl ausgesprochen. Die auf individueller Ebene gut funktionierende Solidarität - "es gibt einen regen Austausch von Eltern und Großeltern zu den Kindern und Enkelkindern" - brauche strukturelle Stützen, damit Jung und Alt gut miteinander auskommen, sagte Küberl am Samstagabend in seinem Gastkommentar auf "Radio Vatikan". Der Generationenkonflikt stelle sich als Konflikt um Ressourcen dar, in Bezug auf die Staatskassen, die Bildung, den Arbeitsmarkt. Dagegen müsse soziale Gerechtigkeit großgeschrieben werden.
Der demographische Wandel sei nicht nur durch die längere Lebenserwartung, sondern auch durch die stetig sinkende Geburtenrate bedingt, erinnerte Küberl. Der oft beklagten "Überalterung" der Gesellschaft entspreche eine "Unterjüngung" durch zu wenige Kinder. "Die Bewältigungsstrategie muss daher eine doppelte sein", forderte der Caritas-Präsident: "eine altenfreundliche und eine kinder- und jugendfreundliche Gesellschaft - beides ist gemeinsam notwendig".
Denn Jung und Alt hätten der Gesellschaft beide viel zu geben: Die alten Menschen verfügten über einen reichen Erfahrungsschatz "und sind das kulturelle Gedächtnis unserer Gesellschaft". Was die Jungen an Innovation, Ideenreichtum und Engagement einbrächten, steuerten die Älteren an Ruhe, Kontinuität und Kompetenz aus ihrer Lebenserfahrung bei. Dieser "unbezahlbare Schatz der Älteren" steht nach den Worten Küberls insbesondere auch im Bereich der Pflege auf dem Prüfstand. Es reiche nicht, Menschen warm, satt und sauber zu halten. Alle Dimensionen des Lebens müssten einbezogen werden.
Die Frage, wie eine menschenwürdige und leistbare Pflege und Betreuung für die Alten sicher gestellt werden kann, sei eine der zentralen Herausforderungen im Europa des 21. Jahrhunderts, betonte Küberl. Der Caritas-Präsident plädierte hier für einen "europaweiten Austausch auf dem Marktplatz der Ideen und Impulse" und einen Wettbewerb der "best-practice-Beispiele", der letztlich Jungen und Alten zu Gute komme.