kfbö: Bibel in gerechter Sprache "nicht tabu"
Wien, 18.4.07 (KAP) Die Katholische Frauenbewegung Österreichs (kfbö) bedauert die ablehnende Haltung verschiedener Kirchenleitungen gegenüber der "Bibel in gerechter Sprache". Dennoch sei diese Übersetzung für die kfbö "nicht tabu", hieß es in einer Aussendung vom Mittwoch. Manchen Gläubigen würden die "ungewohnten Formulierungen" in diesem ökumenischen Projekt wohl "Schwierigkeiten bereiten"; für die katholische Frauenbewegung sei es aber "wichtig, dass in einer Bibelübersetzung Gott nicht nur in traditionelle männliche Bilder gepresst wird, sondern auch weibliche Gottesbilder benannt und Frauen zur Sprache gebracht werden".
Das Projekt "Bibel in gerechter Sprache" sei von der kfbö aber nicht nur wegen des Versuchs einer "frauengerechten Sprache" finanziell unterstützt worden. Die Eliminierung von Antijudaismen im Text und die Herausarbeitung des jüdischen Kontextes hätten bei dieser Entscheidung ebenso eine Rolle gespielt wie ökumenische Aspekte. Man sehe in der "Bibel in gerechter Sprache" ein "Zeugnis für die Lebendigkeit der Ökumene".
Die Übersetzung rege zum genauen Hinschauen und Hinhören sowie zum Reflektieren des persönlichen Gottesbildes an, so die kfbö. Man habe sich deshalb dafür ausgesprochen, die "Bibel in gerechter Sprache" in den Frauengruppen zur Bibelarbeit genauso wie andere nicht von den Kirchenleitungen approbierte Bibelübersetzungen zu verwenden. Zugleich erinnerte die kfbö ihre Mitglieder daran, dass diese Bibeltexte nicht für katholische Gottesdienste zugelassen sind. Die vielfach ablehnenden Stellungnahmen gegenüber der "Bibel in gerechter Sprache" würden den Wert dieses Projektes nicht schmälern, sondern die Diskussion fördern und zur weiteren Forschung anregen.
Österreichs Bischöfe übten Kritik
Kritik an der "Bibel in gerechter Sprache" hatten u.a. die österreichischen Bischöfe bei ihrer jüngsten Frühjahrskonferenz geübt: Sie schlossen sich in einer Erklärung den Vorbehalten katholischer und auch evangelischer Bibelwissenschaftler an, "in denen betont wird, dass die Bibel nicht als 'Experimentierfeld zur Selbstdarstellung von Interessengruppen' geeignet ist. Das wichtigste Kriterium ist und bleibt die Treue zum Urtext", so die Bischöfe.
An der im Oktober 2006 auf der Frankfurter Buchmesse präsentierten Bibelübersetzung hatten rund 50 Bibelwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler fünf Jahre lang gearbeitet. Als besondere Kriterien waren eine "geschlechtergerechte Sprache", "Gerechtigkeit im Hinblick auf den christlich-jüdischen Dialog" und "soziale Gerechtigkeit" definiert worden.