Christen in Galiläa brauchen Unterstützung
Wien, 19.4.07 (KAP) Der melkitische (griechisch-katholische) Erzbischof von Galiläa, Elias Chacour, hat die Notwendigkeit einer stärkeren Solidarität Europas mit den Christen im Heiligen Land betont. Wenn Pilger ins Heilige Land kommen, sollten sie es nicht beim Besuch von Jerusalem bewenden lassen, sondern sie sollten "voraus gehen nach Galiläa, wo sie den Auferstandenen sehen werden", wie es in den Evangelien heiße, sagte Chacour bei einer Pressekonferenz der Stiftung "Pro Oriente" in Wien. Bei der Pressekonferenz wurde das im "Herder"-Verlag erschienene Buch "Elias Chacour - Israeli, Palästinenser, Christ" präsentiert. Autorinnen sind die beiden Wiener Journalistinnen Pia de Simony und Marie Czernin.
In Galiläa lebe unter einer jüdischen Mehrheit "eine vergessene Gemeinschaft", die arabischen Christen mit israelischem Pass, so der Erzbischof mit Sitz in Haifa. Diese Gemeinschaft von 140.000 Menschen sitze immer "zwischen den Stühlen". Sie seien Israelis, aber keine Juden. Sie seien Araber, aber keine Muslime und auch keine potenziellen Staatsbürger eines künftigen Staates Palästina.
Doch gerade diese Gemeinschaft habe eine eminente Brückenfunktion, erinnerte Chacour: "Die christliche Gemeinschaft in Israel repräsentiert die Stimme der Mäßigung. Das wird von Israel und den Palästinensern so gesehen". Es werde diesen Christen jedoch nicht mehr lange möglich sein, ihre Stimme vernehmbar zu machen, wenn sie nicht verstärkt internationale Solidarität und Hilfe erhalten, so der Erzbischof.
Dabei sei die finanzielle Hilfe nicht das Primäre. Wichtig wären Besuche, Kontakte und Freundschaften. Im materiellen Bereich sei die Errichtung von Schulen und Bildungseinrichtungen eindeutig das Prioritäre. Sein Ziel wäre es - so Chacour -, wenn in jedem der 40 christlichen Dörfer Galiläas eine religiös-konfessionell offene, jedoch in kirchlicher Trägerschaft stehende Schule errichtet würde. Dafür fehlten jedoch die Mittel.
Chacour hat in Ibillin ein Schulzentrum gegründet, an dem es seit 2003 die erste christliche arabische Hochschule in Israel gibt. An den"Mar Elias Educational Institutions" (www.meei.org) werden unter anderem drei universitäre Studienrichtungen angeboten - Umweltwissenschaft, Informatik und Kommunikations- und Medienwissenschaft. In den kommenden Jahren soll die Zahl der Studenten auf 3.000 steigen. Besonderes Schwergewicht soll neben der interkonfessionellen Zusammensetzung von Studierenden und Lehrkörper auf einen möglichst hohen Frauenanteil gelegt werden.
Im israelisch-palästinensischen Konflikt plädierte Chacour für eine Zwei-Staaten-Lösung, zeigte sich aber nicht optimistisch. Die Lage sei äußerst schlecht und er hoffe, "dass sich Israel nicht in Richtung Apartheid-Staat bewegt". Dabei habe er "viel Liebe" für die jüdischen Brüder und Schwestern. Er habe ein herzliches Verhältnis mit dem Oberrabbiner von Haifa, Shear Yashuv Cohen, der "ein tief spiritueller Mensch" sei. Auch habe er vor kurzem ein langes Gespräch mit dem stellvertretenden israelischen Ministerpräsidenten Shimon Peres gehabt, berichtete der Erzbischof.
Kritik übte Chacour an den in Israel sehr aktiven evangelikalen "zionistischen Christen", die eine völlig einseitige Israel-Unterstützung betrieben, verbunden mit einem "Hintergedanken": "Sie glauben an eine Endzeit-Schlacht von Gog gegen Magog, die in Israel stattfinden soll. Sie glauben, dass dann von Israel ein 'heiliger Rest' übrig bleibt - und den wollen sie taufen".
Der Erzbischof warnte davor, Freundschaft mit Juden "mit Hintergedanken" zu pflegen. Das Nein zum Proselytismus müsse strikt sein. Allerdings kenne er durchaus auch gesprächsoffene "christliche Juden" - keine Gruppen, sondern einzelne, deren Glaubensweg zum Christentum geführt habe.
Pia de Simony berichtete über ihre erste Begegnung mit Elias Chacour - damals noch nicht Erzbischof - ausgerechnet am Todestag von Johannes Paul II. Die Journalistin - und Pressereferentin von "Pro Oriente" - hatte sich damals mit einer Delegation der österreichischen Stiftung unter Führung von Kardinal Christoph Schönborn im Heiligen Land aufgehalten. Die Begegnung mit Chacour in Ibillin habe einen derartigen Eindruck hinterlassen, dass sie sich zu dem Buch entschlossen habe.
Die Anregung zum Besuch in Ibillin sei vom verstorbenen Seckauer Benediktiner P. Wolfgang Czernin gekommen, erinnerte de Simony. Er habe Chacour als "echten Don Bosco unserer Tage" bezeichnet. Wolfgang Czernins Cousine, die Journalistin Marie Czernin, sei in der Folge beim Buchprojekt "mit ins Boot gesprungen".