Sibiu wird Ort der ökumenischen Begegnung
Wien, 26.4.07 (KAP) Die gegenwärtige ökumenische Situation in Österreich und Europa stand im Mittelpunkt der Veranstaltungsreihe "Ökumenische Player in Europa", die vom Katholischen Akademikerverband Wien und der Evangelischen Akademie Wien organisiert wurde. Dabei kamen auch die Erwartungen der Konfessionen in Richtung Dritte Europäische Ökumenische Versammlung (EÖV3) im September 2007 im rumänischen Sibiu zur Sprache.
Sibiu werde wohl keine große Versammlung sein, auf der viele konkrete Entscheidungen gefällt werden, sagte die evangelische Oberkirchenrätin Hannelore Reiner. Letztlich handle es sich bei der EÖV3 um einen Pilgerweg, auf dem sich die Kirchen seit eineinhalb Jahren befinden.
Reiner verwies auf die zahlreichen ökumenischen "Stationen" und Veranstaltungen, die europaweit bereits im Hinblick auf Sibiu stattgefunden haben; u.a. im Jänner 2006 in Rom, wo die Delegierten sich einen realistischen Überblick über die Ökumene in Europa verschaffen wollten. Dabei sei in Rom auch nicht verschwiegen worden, was in der Ökumene "noch nicht geht", so die Oberkirchenrätin.
Die Oberkirchenrätin erinnerte aber auch an die bisherigen Europäischen Ökumenischen Versammlungen in Basel 1989 und Graz 1997. Im Anschluss an die Versammlung in Graz sei etwa 2001 die "Charta Oecumenica" entstanden, die seitdem "einen Siegeszug durch Europa" angetreten habe.
Die langjährige Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), Oberin Christine Gleixner, wies darauf hin, dass der Schwerpunkt in Sibiu wohl auf der "Begegnung" liegen werde. "Es muss gelingen, dass man aufeinander hört und dass man einander wahrnimmt", so Gleixner wörtlich. Sie sprach sich auch dafür aus, "dem resignativen Strom in Europa glaubensmäßig etwas entgegenzusetzen". Gleixner: "Hoffnung muss entstehen, sonst gibt es keine Erneuerung und Einheit unter den Menschen in Europa".
Die Oberin betonte auch, dass "die soziale Frage in all ihrer Differenziertheit" in Europa gesehen werden muss. Dazu zählte Gleixner auch die Frage der Migration, die zumindest ansatzweise in Sibiu in den Blick genommen werden müsse.
Ähnlich sah das auch der evangelische Oberkirchenrat und Generalsekretär der "Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa" (GEKE), Michael Bünker. Er betonte, dass der Protestantismus seinen "spezifischen Zugang zu sozialethischen Fragen" einbringen müsse.
Die Kirchen würden zugleich aber auch immer mehr zur Einsicht kommen, "dass sie in Europa nur etwas erreichen, wenn sie es gemeinsam tun". Bünker verwies darauf, dass der Begriff "Europa" im Protestantismus zunächst kein Thema gewesen sei. Erst nach 1945 habe es in kirchlichen Kreisen eine neue Besinnung auf die europäische Dimension gegeben.
Evangelische würden, so Bünker weiter, auch nicht "Säkularität und Weltlichkeit von Haus aus als etwas Negatives sehen". Nicht ein "wiederkehrendes christliches Abendland" würde seitens des Protestantismus in Europa gefordert, sondern die Akzeptanz eines "Gemischs von Kulturen in Europa".
Beispielhafte Ökumene
Die intensive Vorbereitung auf Sibiu hob der Wiener orthodoxe Metropolit Michael Staikos hervor. Er warnte zugleich aber davor, die österreichischen Situation zu verallgemeinern. Österreich sei hinsichtlich der Ökumene eine beispielhaft positive Ausnahme, was man von vielen Ländern in Ost und West so nicht behaupten könne.
Der Metropolit bestätigte auch jene Stimmen, die von zunehmend besseren Beziehungen zwischen katholischer und orthodoxer Kirche sprechen. Er betonte aber auch, dass dies nicht zu einer Vernachlässigung der Beziehungen zu den reformatorischen Kirchen führen dürfe.
Mit Papst Benedikt XVI. sei auf jeden Fall neuer Schwung in die orthodox-katholischen Beziehungen gekommen, und das, obwohl die Entscheidung des Papstes vor rund eineinhalb Jahren, den Titel "Patriarch des Westens" abzulegen, von der Orthodoxie mit größten Bedauern aufgenommen worden war. Denn damit habe sich der Papst aus der gemeinsamen Geschichte des erstens Jahrtausends und der "Pentarchie" (dem System der fünf großen Patriarchate um das Mittelmeer) losgelöst. Doch habe Benedikt XVI. etwa mit dem Besuch bei Patriarch Bartholomaios I. im November 2006 in Istanbul wiederum ein höchst positives Zeichen gesetzt.
Metropolit Staikos begrüßte auch, dass der offizielle katholisch-orthodoxe Dialog wieder aufgenommen wurde; er kündigte an, dass zum Auftakt der nächsten Dialogrunde in Ravenna im Oktober sowohl der Papst als auch der Ökumenische Patriarch anwesend sein werden. Das sei ein bemerkenswertes Zeichen, so Staikos, der aber zugleich einräumte, dass die Stellung des Papstes das einzige wirkliche Hindernis auf dem Weg zur Einheit zwischen römisch-katholischer Kirche und Orthodoxie darstelle.