Vor zehn Jahren starb Viktor Frankl
Wien, 26.4.07 (KAP) Das "Viktor Frankl Zentrum Wien" hat am Donnerstag sein Programm zum 10. Todestag des Begründers der Logotherapie und Existenzanalyse präsentiert. Viktor Frankl war am 2. September 1997 gestorben. Ab 10 Uhr findet in dem 2005 errichteten Zentrum in der ehemaligen Wohnung Frankls (1090 Wien, Mariannengasse 1) ein "Open House" statt. Bis 15 Uhr besteht dabei die Möglichkeit, die Dauerausstellung "Lebe(n) voll Sinn" bei freiem Eintritt zu besuchen und an Führungen teilzunehmen. Der Gründer und ehemalige Leiter des Schweizer Logotherapieinstituts, Giosch Albrecht, wird um 15 Uhr einen Festvortrag halten.
Frankl hatte immer das Gespräch mit der Kirche gesucht; enge Kontakte bestanden etwa zum 1984 verstorbenen Erzbischof-Koadjutor Franz Jachym. Auch mit dem in Wien lebenden Priester und Tiefenpsychologen Prälat Johannes B. Torello war Frankl befreundet.
Viktor Frankl kam am 26. März 1905 in einer Wiener jüdischen Familie zur Welt. Er wuchs in der Leopoldstadt auf, sein Vater brachte es vom Stenografen im Reichsrat bis zum Direktor im Sozialministerium. Schon als Mittelschüler interessierte sich Frankl für Psychologie. Seinen ersten einschlägigen Vortrag hielt er mit 16 Jahren in einer Philosophischen Arbeitsgemeinschaft der Volkshochschule zum Thema "Der Sinn des Lebens".
1928 gründete Frankl in Wien und sechs weiteren Städten Beratungsstellen für junge Menschen in seelischer Not. Mit einer Sonderaktion für Schüler erreichte er, dass im Gegensatz zu den Jahren davor kein einziger Selbstmord auf Grund schlechter Zeugnisnoten zu verzeichnen war. 1930 promovierte er zum Doktor der Medizin und leitete in den darauf folgenden Jahren den so genannten Selbstmörderinnen-Pavillon im Psychiatrischen Krankenhaus Am Steinhof; 1937 gründete er eine eigene Praxis.
Nach dem deutschen Einmarsch im Jahr 1938 musste Frankl die Leitung der Neurologischen Station am Rothschild-Spital übernehmen, dem einzigen jüdischen Spital, das in der NS-Ära existieren durfte. Diese Position bewahrte ihn und seine Eltern zunächst vor der drohenden Deportation in ein Konzentrationslager. Ein Visum zur Ausreise in die USA lehnte er ab, um bei seinen Eltern bleiben zu können.
1942 nutzte auch seine Stellung nichts mehr, Frankl wurde mit seinen Eltern in das Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt. In den Lagern verlor er Mutter, Vater, seinen Bruder und seine erste Frau. Sie kam im KZ Bergen-Belsen ums Leben. Drei Jahre verbrachte Frankl in vier verschiedenen Konzentrationslagern.
Am 27. April 1945, seinem "zweiten Geburtstag" (Frankl), wurde der Logotherapie-Begründer von US-Truppen aus dem Lager Dachau-Türkheim befreit. Noch 1945 kehrte Frankl nach Wien zurück und wurde 1946 zum Primarius der Neurologischen Abteilung an der Wiener Poliklinik berufen - eine Funktion, die er 25 Jahre inne hatte. Im selben Jahr erschien die Rekonstruktion seiner "Ärztlichen Seelsorge" sowie jenes Buch, in dem er seine Erfahrungen im KZ beschreibt: "Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager", das in späteren Auflagen den Titel "...trotzdem Ja zum Leben sagen" trug. Damals lernte er auch seine zweite Frau Elly kennen, die an der Poliklinik arbeitete. 1947 heirateten sie.
Mit "Man's Search for Meaning", das 1959 erschien, begründete Frankl die Existenzanalyse und darauf aufbauend die Logotherapie. Auf dem Wege der Existenzanalyse will die Logotherapie deutlich machen, dass das Leben jedes Menschen ein einzigartiges Ziel hat, zu dem ein einmaliger Weg führt. Für Frankl gibt es einen letzten Sinn, dennoch sei dieser Sinn noch nicht Religion und stehe auch Atheisten als Antwort offen. "Jeder kann diesen Sinn für sich selbst finden, auch diesseits der Religion", so der Arzt und Psychotherapeut.
An der International University in Kalifornien wurde eigens für Frankl ein Lehrstuhl für Logotherapie errichtet. Seine insgesamt 32 Bücher wurden in 26 Sprachen übersetzt und erreichten Millionenauflagen. Das Buch "...trotzdem Ja zum Leben sagen" wurde weltweit in neun Millionen Exemplaren verkauft. Die "Library of Congress" in Washington wertete dieses Werk als "eines der zehn einflussreichsten Bücher" in Amerika. (Informationen: Internet: www.franklzentrum.org).