Päpstliche Sozialakademie zeigt UNO-Schwäche auf
Vatikanstadt, 26.4.07 (KAP) Die Päpstliche Akademie der Sozialwissenschaften hat den Vereinten Nationen vorgeworfen, den Herausforderungen der Globalisierung nicht gewachsen zu sein. Bei der UNO und der Weltgesundheitsorganisation sowie dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank seien "Anzeichen von Schwäche und Müdigkeit" zu erkennen, heißt es in einer Erklärung des aus renommierten Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlern zusammen gesetzten Expertengremiums zum Auftakt der Jahresvollversammlung der Akademie. Von Freitag bis Dienstag tagt die Akademie im Vatikan zu Fragen der Globalisierung und der sozialen Gerechtigkeit.
Bei der Tagung werde es auch um die "Millenniums-Ziele" zur Armutsbekämpfung und um den interreligiösen Dialogs im Kontext der Globalisierung gehen, erklärte die Präsidentin der Akademie, die Harvard-Juristin Mary Ann Glendon, bei der Vorstellung des Programms vor Journalisten. Dabei wolle man die Fragen auch unter der Perspektive der Enzyklika "Deus caritas est" von Benedikt XVI. behandeln. Nach der Tagung will die Akademie dem Papst einen ausführlichen Bericht vorlegen.
Die Vollversammlung steht unter dem Titel "Nächstenliebe und Gerechtigkeit zwischen den Völkern und Nationen". Einer der Referenten ist der frühere österreichische Bundesrats-Präsident Prof. Herbert Schambeck.
Schwache Zahlungsmoral der reichen Staaten
Der Organisator des Expertentreffens, der argentinische Wirtschaftswissenschaftler Juan Jose Llach, kritisierte die reichen Nationen wegen ihrer schwachen Zahlungsmoral in der Entwicklungshilfe. Die Geberländer kämen bei weitem nicht ihrem Vorsatz nach, 0,7 Prozent ihres Bruttosozialprodukts für Entwicklungsziele bereitzustellen. In den Empfängerstaaten verhinderten oft Bürokratie und Korruption einen wirksamen Einsatz der Mittel. Daher genüge es nicht, den Umfang der Entwicklungshilfe zu erhöhen, unterstrich Llach. Man müsse auch für eine effektivere Verwendung sorgen.
Mit Blick auf die Globalisierung bemängelt die Akademie unproportionierte Güterverteilung und nicht eingehaltene Versprechungen. Statt eines stärkeren Zusammenwachsens der Welt zeichne sich ein neuer Nationalismus ab, der sich in Migrationsproblemen und wirtschaftlichem Protektionismus niederschlage. Trotz eines raschen Wirtschaftswachstums in vielen Entwicklungsländern kooperierten reiche und arme Staaten weiterhin schlecht. Zudem herrsche in vielen Ländern mit schneller Wirtschaftsentwicklung zugleich extreme Armut.
Perspektiven aus "Deus caritas est"
Mary Ann Glendon unterstrich, die Enzyklika "Deus caritas est" biete "einen neuen Rahmen und eine neue Perspektive" für Globalisierungsfragen. Sozialwissenschaftler könnten das Lehrschreiben auch als Sozialenzyklika lesen. Vor allem aber erinnere das Lehrschreiben daran, dass die Nächstenliebe als theologische und menschliche Tugend den sozialen Lehren und Initiativen der Kirche vorangehen müsse. Llach hob hervor, auch der Brief Benedikts XVI. an die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel über Aufgaben der G 8 und der Europäischen Union enthalte "einige Schlüssel" für Fragen globaler Gerechtigkeit. Um Frieden zu bekommen, müsse man zuvor Antworten auf wirtschaftliche und soziale Probleme haben.
Die 1994 von Johannes Paul II. gegründete Päpstliche Akademie für Sozialwissenschaften hat die Aufgabe, soziale, wirtschaftliche, juristische und politische Fragen zu analysieren und damit Impulse für die Soziallehre der katholischen Kirche zu geben. Präsidentin der derzeit 34 Mitglieder zählenden Wissenschaftlervereinigung ist seit drei Jahren die amerikanische Juristin und Harvard-Professorin Mary Ann Glendon.