Plattform "Schule-Bunt" macht gegen Gesamtschule mobil
Wien, 30.4.07 (KAP) Gegen die Gesamtschule macht die neue Plattform "Schule-Bunt" aus Familien-, Lehrer- und Schülervertretern mobil, die vom Präsidenten des Katholischen Familienverbandes Österreichs (KFÖ), Johannes Fenz, der Vorsitzenden der AHS-Lehrergewerkschaft, Eva Scholik, und dem Bundesschulsprecher Matthias Hansy präsentiert wurde. Auf einer eigenen Website (www.schul-bunt.at) werden Unterstützungserklärungen zur Beibehaltung des differenzierten Schulsystems gesammelt.
Die Diskussion der letzten Wochen trage "sicher nicht zu einer Qualitätsverbesserung des Unterrichts bei" und habe auch "nicht für eine Stabilisierung oder Klarheit bei den Eltern gesorgt", so Fenz. Seine Forderung: "Schluss mit der Verunsicherung der Eltern. Die Eltern wollen wissen, was ihre Kinder in der Schule erwartet und sie wollen die Schule frei wählen können - die Eltern wollen eine bunte Schule". Begabungen und Leistungsfähigkeit der Kinder seien nun einmal unterschiedlich. Diesem Umstand müsse das Bildungssystem gerecht werden, "und daher braucht es ein differenziertes Schulsystem". Andernfalls sieht Fenz einen "Run auf Privatschulen" vorher, dann gäbe es eine "Zwei-Klassen-Gesellschaft, die wir nicht wollen". Je differenzierter ein Schulsystem sei, desto mehr komme es den Begabungen und der Leistungsfähigkeit der Kinder entgegen.
"Wir wollen auch weiterhin ein vielfältiges Schulsystem, das die Begabungen der Schülerinnen und Schüler individuell fördert", betonte auch Lehrervertreterin Eva Scholik. Entgegen der zuletzt geführten Bildungsdiskussion, die in Richtung Gesamtschule gehe, würden Umfragen ein anderes Bild ergeben: 64 Prozent lehnten die flächendeckende Einführung einer gemeinsamen Schule ab.
Auch Bundesschulsprecher Matthias Hansy hält eine "Differenzierung" des Schulsystems für unumgänglich. "Jede Schülerin, jeder Schüler hat verschiedene Begabungen und muss daher unterschiedlich gefördert werden. Die Differenzierung sollte gestärkt statt geschwächt werden". Hansy verwies auf eine Gallup-Umfrage, wonach nur 23 Prozent für eine flächendeckende Gesamtschule in Österreich sind.
Mangel an Geld und Räumen
Sehr skeptisch, ob es in Österreich die finanziellen und räumlichen Voraussetzungen zur Einführung einer gemeinsamen Schule der 10- bis 14-jährigen gebe, äußerte sich die Direktorin des Schulzentrums der Schulschwestern in der Wiener Friesgasse, Sr. Beatrix Mayrhofer, am Sonntagabend in der TV-Sendung "Im Zentrum". Das Schulsystem dürfe sich nicht nur der Arbeitswelt der Eltern anpassen, sondern müsse vor allem an den Bedürfnissen der Kinder ausgerichtet sein. Für Gesamtschulen, die aus organisatorischen Gründen meistens als Ganztagsschulen geführt werden, fehle es in Österreich an Geld und an den notwendigen Räumen. Die Schulgebäude in Österreich seien derzeit ungeeignet dafür, dass sich Schüler dort kindgerecht den ganzen Tag wohl fühlen können. Sr. Mayrhofer warnte davor, Kinder den ganzen Tag in Gebäuden "einzusperren", die bloß für den Vormittagsunterricht konzipiert sind.
Die "Chancengleichheit", von der in der Debatte um die Gesamtschule oft die Rede sei, beginne schon viel früher daheim in der Familie in intakten Beziehungen, so die Schuldirektorin.