Caritas will AIDS-Hilfe in Osteuropa ausbauen
Wien-Kiew, 2.5.07 (KAP) Die Caritas will ihre Hilfe für AIDS-Kranke in Osteuropa ausbauen. Das war der Konsens bei einer von Caritas-Europa organisierten Konferenz in der ukrainischen Hauptstadt Kiew, an der auch Österreichs Caritas-Präsident Franz Küberl teilnahm. Im Gespräch mit "Kathpress" sagte Küberl nach seiner Rückkehr, in den meisten Ländern Osteuropas sei AIDS - so wie in Afrika - vor allem ein Problem der Armen. Die Caritas sei in ihrer täglichen Arbeit immer wieder mit den vielen Problemen der AIDS-Erkrankten oder -Infizierten konfrontiert. Ihre medizinische Versorgung sei oft sehr mangelhaft und Medikamente seien für die Betroffenen kaum leistbar; dazu komme eine starke gesellschaftliche "Stigmatisierung" der von AIDS Betroffenen.
Laut der von UNAIDS herausgegebenen weltweiten AIDS-Statistik 2006 steigt die Zahl der AIDS-Infektionen in vielen Ländern Osteuropas nach wie vor. Am meisten betroffen sind die Ukraine und Russland. Im Gegensatz zu reichen westlichen Ländern sei AIDS in Teilen Osteuropas - so wie in Teilen Afrikas - eine Pandemie. Wie die Konferenz gezeigt habe, sei neben Armut auch die häufig anzutreffende Gewalt bzw. mangelnde Rücksichtnahme von Männern gegenüber Frauen einer der Gründe für die starke Weiterverbreitung des HI-Virus. Das Problem habe zudem mit der "Perspektivenlosigkeit" vieler Menschen in diesen Regionen zu tun. Küberl: "Wenn jemand nicht das Gefühl hat, dass sich in Zukunft seine persönliche Situation verbessern kann, wird er gleichgültig gegenüber Gefahr und es ist ihm egal, was mit ihm selbst und anderen passiert".
Die Caritas wolle - so Küberl - beispielhaft zeigen, wie man mit AIDS-Kranken umgeht und eine weitere Ausbreitung der Krankheit eindämmen kann. Zuallererst gehe es um die Sorge für jene, die bereits erkrankt oder infiziert sind. Sie bräuchten Betreuung, Stabilisierung und Maßnahmen gegen Ausgrenzung. Eine weitere dringende Aufgabe sei Aufklärungsarbeit, um Neuinfektionen zu verhindern. Hier gelte es, das Bewusstsein für die Verantwortung jedes einzelnen für sich und andere zu wecken. Selbstverständlich sei die vernünftigste und sicherste Form der Prävention eine feste und treue Partnerschaft. Die menschlichen und gesellschaftlichen Realitäten seien aber vielfältig, und sie könne man im Kampf gegen eine weitere Ausbreitung von AIDS nicht außer Acht lassen.
Eine weitere wichtige Aufgabe sieht Küberl in der Anwaltschaft der Caritas für die von AIDS Betroffenen in der Gesellschaft und in der Kirche, auch im Westen. Es brauche die Hilfe der reichen Länder, um die Krankheit in armen Ländern zurückzudrängen.
Es gebe derzeit bereits ein Reihe von Initiativen und Projekte der Caritas, auch aus Österreich, für AIDS-Kranke im Osten Europas. Caritas-Europa werde aber nun daran gehen, noch gezielter Programme auszuarbeiten. Dies könne nur in enger Kooperation mit den osteuropäischen Caritasorganisationen geschehen. Wie auch in anderen Regionen werde eine enge Zusammenarbeit mit UNAIDS angestrebt. Zudem gebe es bereits ein gute ökumenische und interreligiöse Zusammenarbeit in dieser Frage.
Besonders beeindruckt zeigte sich Küberl von einem Gespräch mit drei von AIDS betroffenen jungen Menschen, die bei der Konferenz in Kiew "in sehr berührender Weise" ihre Lebensgeschichte und ihre Erfahrungen schilderten. Ihre dringende Bitte an die Kirche sei gewesen: "Lasst uns nicht allein!" Gerade AIDS-Kranke litten oft unter der Erfahrung, von allen verlassen oder gemieden zu werden. Und sie bräuchten einen sehr langen Atem, um mit ihrer Krankheit und den damit verbundenen sozialen und menschlichen Problemen zurecht zu kommen. Daher müsse auch die Hilfe oft einen "langen Atem" haben, betonte der Caritas-Präsident.