Fatima-Jubiläum: Große Marienfeier in Wiener Innenstadt
Wien, 7.5.07 (KAP) Eine große Marienfeier mit Lichterprozession findet am kommenden Samstag, 12. Mai, in der Wiener Innenstadt statt. Es ist der Vorabend des 90. Jahrestages der ersten Marienerscheinung in Fatima (Portugal). Die Feier, die vom Wiener Generalvikar Msgr. Franz Schuster geleitet wird, beginnt um 17 Uhr mit einer Marienandacht in der Franziskanerkirche, wo die mit dem Marienort Fatima eng verbundene Gebetsgemeinschaft "Rosenkranz-Sühnekreuzzug" beheimatet ist. Bei der Andacht wird der geistliche Leiter des "Rosenkranz-Sühnekreuzzuges", P. Benno Mikocki, eine Einführung halten.
Nach der Andacht mit anschließendem Rosenkranzgebet in der Wiener Franziskanerkirche ziehen die Teilnehmer in einer Lichterprozession mit Bläsermusik und Marienliedern zum Stephansdom, wo Generalvikar Schuster die Heilige Messe zelebriert. Musikalisch gestaltet wird der Gottesdienst mit der Messe in G-Dur für Soli, Chor und Orchester von Franz Schubert.
Die große Marienfeier zum Fatima-Jubiläum geht auf eine Initiative von Dommusikus Thomas Dolezal zurück. Er war bereits im Jahr 2004 - damals aus Anlass des 150-Jahr-Gedenkens der Proklamation des Marien-Dogmas von der "Ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria" ("Maria Immaculata") - der Initiator der seither alljährlich stattfindenden Lichterprozession durch die Wiener Innenstadt am Vorabend des 8. Dezember.
Zeichen der Volksfrömmigkeit
Ihm seien solche Feiern als Zeichen der "Volksfrömmigkeit" ein großes Anliegen, so Dolezal. Er erinnerte an die "liebevoll gestalteten Andachten" unter dem Wiener Stadtpatron Clemens Maria Hofbauer oder an den Gründer des "Rosenkranz-Sühnekreuzzugs", P. Petrus Pavlicek. Dieser war in amerikanischer Kriegsgefangenschaft 1944 in Cherbourg erstmals auf Informationen über die Marienerscheinungen von Fatima gestoßen. Er hatte von einem Mitgefangenen eine Schweizer Kleinschrift über die Erscheinungen erhalten, die sich 1917 in der Cova da Iria zugetragen hatten.
Ein Jahr nach Kriegsende konnte Pavlicek in Mariazell für die glückliche Heimkehr aus der Gefangenschaft danken. Dort vernahm er eine innere Stimme, die ihn aufrief, etwas für die Freiheit des vierfach besetzten Österreich und für den Frieden in der damals vom beginnenden Kalten Krieg gekennzeichneten Welt zu tun. Im Lauf eines halben Jahres reifte in Pavlicek der Plan, eine Gebetsgemeinschaft zu gründen. Als er etwa 500 Mitglieder gesammelt hatte, suchte er die kirchliche Zustimmung. Kardinal Theodor Innitzer, damals Wiener Erzbischof, gab sie im November 1947 bereitwillig.
Die Zahl der Mitglieder stieg bis Ende 1950 auf 200.000, zwei Jahre später waren es 340.000 und im Mai 1955 überstieg sie eine halbe Million. Unter den Mitgliedern waren große Namen der Politik der Nachkriegszeit: Leopold Figl, Julius Raab. Jährlich wurden zu "Maria Namen" - um den 12. September - Prozessionen veranstaltet. 1953 kamen 50.000 Menschen, 1954 schon 80.000.
Nach der Unterzeichnung des Staatsvertrages im Jahr 1955 weitete sich die Gebetsgemeinschaft auf das Ausland aus. Zu den großen Freunden der Gebetsgemeinschaft zählte Kardinal Franz König. Heute gehören ihr weltweit rund 700.000 Menschen an. Täglich beten sie den Rosenkranz für den Frieden in der Welt, in den Familien und unter den Menschen. Seit dem Tod von P. Petrus Pavlicek leitet P. Benno Mikocki die Gebetsbewegung.
Die Kinder kamen in Haft
Die Marienfeier am kommenden Samstag steht ganz im Zeichen des 90. Jahrestages der ersten Marienerscheinung in der "Cova da Iria" vor den Hirtenkindern von Fatima. Bei den Erscheinungen von 13. Mai bis 13. Oktober 1917 wurde den drei Hirtenkindern Maria Lucia dos Santos (1907-2005), Francisco Marto (1908-19) und Jacinta Marto (1910-20) aufgetragen, ihren Mitmenschen den Ruf zu Umkehr und Buße zu verkünden. Die Aufregung in der Presse im damals streng antiklerikalen Portugal veranlasste den Bezirkspräfekten, einen Haftbefehl gegen die Kinder auszustellen. Im Gefängnis wurden die drei Kinder getrennt und eingeschüchtert. Dennoch ließ sich keines der Kinder zum Widerruf bewegen.
Laut der späteren Karmelitin Sr. Lucia des Santos vertraute die Gottesmutter den Kindern auch Prophezeiungen an. Diese bestanden aus drei Teilen. Der erste Teil enthielt die Vorhersage eines weiteren Krieges nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. Das zweite "Geheimnis" bestand laut Sr. Lucia darin, dass Russland sich nach kommunistisch-atheistischen Revolution wieder dem Christentum zuwenden werde. Den dritten Teil der Weissagung schrieb Lucia erst 1944 nieder. Sie verband dies aber mit der Auflage, den Text nicht vor 1960 zu veröffentlichen.
Das Dokument wurde 1957 versiegelt in den Vatikan gebracht. Die Päpste von Pius XII. bis Johannes Paul II. lasen es, veröffentlichten den Inhalt aber nicht. Wegen dieser Geheimhaltung wurde lange vermutet, dass der Text schreckliche Zukunftsvisionen enthalte. Johannes Paul II. sah mit Beginn des 21. Jahrhunderts den Zeitpunkt gekommen, das "dritte Geheimnis" zu veröffentlichen. Er tat dies bei der Seligsprechung der Seherkinder Jacinta und Francisco am 13. Mai 2000 in Fatima. Darin wird in symbolisch-visionärer Weise über die Verfolgung der Kirche im 20. Jahrhundert berichtet. Der Text enthält auch die Vision eines "Bischofs in Weiß", der von Schüssen getroffen zusammenbricht. Schwester Lucia und Johannes Paul II. bekundeten, darin einen Bezug auf das Papst-Attentat vom 13. Mai 1981 zu sehen.