Kath. Jugend fordert Maßnahmen gegen "Koma-Trinken"
Wien, 7.5.07 (KAP) Überlegte Maßnahmen gegen das "Koma-Trinken" hat jetzt die Katholische Jugend (KJÖ) gefordert. Wie KJÖ-Geschäftsführer Clemens Pichler am Montag im Gespräch mit "Kathpress" erklärte, glaube er nicht, dass Jugendliche heute stärker als früher von einer "Pfeifdrauf"-Stimmung bestimmt seien; wohl aber würden Alkoholika und die Gelegenheit zu deren übermäßigem Konsum stärker als früher beworben. Angesichts von Aktionen in Diskotheken wie die "Ein-Euro-Partys" müssten bestehende Jugendschutzbestimmungen stärker kontrolliert werden. Kritik übte Pichler auch an der "aggressiven Werbung" für so genannte "Alcopops", deren oft hoher Alkoholgehalt in süßem Fruchtsaftgeschmack versteckt werde.
Von den politisch Verantwortlichen forderte der KJÖ-Geschäftsführer die Umsetzung einer langjährigen Forderung der Bundesjugendvertretung - nämlich die österreichweite Vereinheitlichung der Jugendschutzbestimmungen. Vorstöße in diese Richtung seien immer wieder an einzelnen Bundesländern mit "kulanterer" Linie gescheitert; dahinter steckten letztlich Interessen der Gastbetriebe und der Tourismusindustrie, so Pichler. Er bedauerte, dass das früher propagierte preisgünstige "Jugendgetränk", das Wirte anzubieten haben, wieder völlig in Vergessenheit geraten sei.
Neben klaren Reglementierungen brauche es aber auch Aufklärung über die Folgen übermäßigen Alkoholkonsums, forderte Pichler. Die Katholische Jugend versuche mit der "Aktion Verzicht" (bzw. "Aktion trocken") in der Fastenzeit für eine "Auszeit aus Suchtgewohnheiten" und speziell auch für den Verzicht auf Alkoholkonsum zu werben. Ein weiteres Projekt sei das Angebot von "Mocktails", die auf Festen und Bällen eine attraktive und alkoholfreie Alternative zu Cocktails bilden sollen.
"Ganz üble Geschäftemacherei"
Als "ganz, ganz üble Geschäftemacherei" bezeichnete der als "Weinpfarrer" bekannte niederösterreichische Priester Hans Denk die Anreize mancher Diskotheken und In-Lokale zu exzessivem Alkoholkonsum. Im Gespräch mit "Kathpress" forderte er am Montag die Politik zur Verhängung drakonischer Strafen gegen jene auf, die aus der Orientierungslosigkeit Jugendlicher Profit schlagen wollen. Denn das steht nach Ansicht des Pfarrers von Albrechtsberg im Dekanat Spitz hinter den jugendlichen Alkohol-Exzessen, die zuletzt für mediale Aufregung sorgten: die "innere Leere" und Perspektivlosigkeit, unter der viele Heranwachsende heute leiden würden.
Er selbst versuche im seelsorglichen Umgang mit Jugendlichen einen verantwortungsvollen und zugleich genussorientierten Umgang mit dem potenziellen Suchtmittel Alkohol zu fördern. Wein solle genossen und nicht "hinuntergeschüttet" werden. Wenn Jugendliche Wein als Kulturgut schätzen und in Maßen genießen lernten, sei dies die "beste Immunisierung" gegen Alkoholmissbrauch, sagte Denk. Freilich komme es unter Jugendlichen vor, dass sie über die Stränge schlagen; verwerflich sei jedoch, wenn dies von manchen Profiteuren gezielt angepeilt werde, so der "Weinpfarrer".
"Ich trinke, bis ich fast umfalle"
"Ich trinke manchmal innerhalb kürzester Zeit absichtlich soviel, dass ich fast umfalle": Diese Aussage trifft laut einer Umfrage auf jeden vierten Burschen und auf jedes zehnte Mädchen in Österreich zu. Immer jüngere Menschen trinken immer extremer, bestätigen Experten den Trend zum so genannten "Koma-Trinken". Besuche von "Ein-Euro-Partys" in Lokalen enden oft in der Notaufnahme von Krankenhäusern.
Für die Besorgnis erregende Entwicklung gibt es laut Prof. Michael Musalek, dem ärztlichen Leiter des Anton-Proksch-Instituts in Wien, mehrere Gründe. In Österreich werde Alkoholkonsum generell bagatellisiert, Alkohol sei für die Jugendlichen auch viel leichter verfügbar als früher - nicht zuletzt, weil sie über mehr Geld verfügen. Hinzu kommt, dass manche Gastronomiebetriebe entweder mit Freigetränken am Beginn eines Abends oder regelrechten "Wettbewerben" zu übermäßigem Trinken animieren. Gleichzeitig werden "harte" Getränke durch so genannte "Alcopops" oder andere Mischdrinks auch für junge Menschen schmackhaft gemacht.