Wien: Neues Institut für Praktische Theologie eröffnet
Wien, 8.5.07 (KAP) Mit einem internationalen Symposion wurde am Dienstag das neue "Institut für Praktische Theologie" an der Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Wien eröffnet. Wie Institutsvorstand Regina Polak in ihren Eröffnungsworten betonte, soll das Institut, das aus der Fusion des Instituts für Pastoraltheologie und des Instituts für Religionspädagogik und Katechetik hervorgegangen ist, "als kommunikative Drehscheibe zwischen West- und Osteuropa, zwischen Wissenschaft und Praxis, zwischen Theologie und anderen Wissenschaften" positioniert werden. Die Unterschiedlichkeit der beiden Vorgängerinstitute ermögliche dabei laut Polak in besonderer Weise, "den globalen, europäischen, kirchlichen, religiösen und gesellschaftlichen Herausforderungen zielsicherer und multiperspektivisch zu begegnen".
"Prophetische Aufgabe"
Regina Polak unterstrich, dass das neue Institut eine "grenzüberschreitende Brückenfunktion" übernehmen und dazu beitragen könne, "theologisches Glaubenserfahrungswissen in wissenschaftliche und gesellschaftliche Diskursräume einzubringen". Die Fusion ermögliche dem neuen Institut, "eine prophetische Aufgabe zu erfüllen" und "Transformationsprozesse in Kirche und Gesellschaft" nicht nur zu beobachten, sondern sie auch zu benennen und Handlungsmöglichkeiten zu eröffnen. Dabei gehe man von der Erwartung aus, dass "der Bedarf nach Theologie steigt", so Polak. Insbesondere die "Frage nach theologischer Praxisreflexion" gewinne zunehmend an Bedeutung.
Das Symposion, an dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus acht europäischen Ländern teilnahmen, befasste sich unter dem Titel "Praktische Theologie in religiös neuen Zeiten" mit zentralen Fragestellungen gelebter Religiosität. In Arbeitskreisen wurden dabei die Einzelthemen "Wandel von Religion und Gesellschaft", "Ritenkultur", "Verhältnis von Religion und Politik", "religiöse Bildung" sowie "Lebenssituationen junger Erwachsener" behandelt.
An dem Fachsymposion nahmen Repräsentanten aus Theologie und anderen wissenschaftlichen Kontexten teil; u.a. der Dortmunder Religionspädagoge Prof. Norbert Mette, die Fundamentaltheologin Prof. Saskia Wendel von der Universität Tilburg, der Freiburger Professor für Sozialpolitik und kirchliche Sozialarbeit, Michael Ebertz, die Gründungsrektorin der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule in Wien, Ulrike Greiner, sowie der Wiener Sozialforscher Günther Ogris.
Vernetzung theologischer Fakultäten
Für eine intensivere Vernetzung der ost- und mitteleuropäischen katholisch-theologischen Fakultäten sprach sich im Rahmen des Symposions "Praktische Theologie in religiös neuen Zeiten" der Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, Prof. Paul M. Zulehner, aus. Wie er betonte, gelte es angesichts der Europäisierung auch theologisch eine Infrastruktur zu schaffen, die den "Dialog zwischen den Fakultäten und Fachdisziplinen weiter institutionalisiert". Auch könne man durch eine solche Vernetzung die Chancen bei der Bewerbung um Forschungsmittel deutlich erhöhen, so Zulehner.
Weiters regte Prof. Zulehner das "Projekt einer gesamteuropäischen Pastoraltheologie" an. Die pastoraltheologische Kenntnis beschränke sich laut Zulehner in der Regel immer nur auf den eigenen oder den weiteren deutschsprachigen Raum, während man über die Entwicklungen in anderen Ländern Europas kaum informiert sei. Ein solches Projekt sei um so notwendiger, als die "konstantinische Ära der Theologie langsam zu Ende geht", so Zulehner unter Verweis auf einen Satz Kardinal Franz Königs. Das Ende dieser Ära bedeute für die Theologie zugleich die Aufgabe, die "tiefe Transformationskrise" anzuerkennen, in der sich die Kirchen befinden. Die Pastoraltheologie dürfe sich in dieser Krise nicht allein auf innerkirchliche Themen zurückziehen, sondern müsse sich "behutsam, emphatisch und kritisch in der Weltwahrnehmung üben".
Europäisierung der Lehre
Wie der für die Lehre zuständige Fachbereichsleiter für Religionspädagogik und Katechetik, Prof. Martin Jäggle, betonte, verlange die Europäisierung an den Universitäten auch von der theologischen Lehre und Ausbildung eine stärkere internationale Orientierung. Die theologische Ausbildung könne sich "kein Schrebergartendenken mehr leisten", so Jäggle, vielmehr müsse der Blick über den nationalen Tellerrand ein selbstverständlicher Teil des Studiums werden. Dies gelte umso mehr, als die Absolventen immer seltener im kirchlichen Bereich Arbeit finden, sondern sich verstärkt im säkularen Arbeitsmarkt bewegen müssen, der längst nicht mehr national beschränkt ist.