Ökumene-Buch zu Union von Siebenbürgen
Wien, 11.5.07 (KAP) Erstmals wird die dramatische Geschichte der "Union von Siebenbürgen" - in deren Rahmen ein Teil der orthodoxen Kirche in diesem Raum in volle Kirchengemeinschaft mit Rom trat - in einem "überkonfessionellen" Buch dargestellt. Diese Übereinkunft wurde bei einer internationalen "Pro Oriente"-Konferenz in Wien erzielt, an der katholische, orthodoxe und evangelische Fachleute teilnahmen. Die Existenz von "unierten" Kirchen - östliche Teilkirchen, die auf Grund bestimmter historischer Umstände in Kirchengemeinschaft mit Rom getreten sind - ist bis heute einer der größten "Stolpersteine" zwischen katholischer und orthodoxer Kirche. Umso höher ist die in Wien erzielte Übereinkunft zu bewerten. Die "Union von Siebenbürgen" wurde wirksam, als die katholischen Habsburger die osmanischen Sultane als "Oberherren" in Siebenbürgen ablösten.
Der rumänisch-orthodoxe Theologe Prof. Viorel Ionita betonte im Gespräch mit "Kathpress" die Bedeutung der bei der "Pro Oriente"-Konferenz erzielten Übereinkunft. Es handle sich um "einen wichtigen und konkreten Beitrag zur Versöhnung der Kirchen". Die Vertreter der Kirchen seien sich im Verlauf des Forschungsprojekts - das seit dem Jahr 2001 läuft - in vielen Fragen näher gekommen und diese einheitliche Sicht der Ereignisse von vor rund 300 Jahren solle nun auch niedergeschrieben werden. In Bereichen, in denen es nach wie vor Auffassungsunterschiede gibt, sollen diese auch klar benannt werden.
Prof. Ionita lehrt seit 1977 Kirchengeschichte an der Universität Bukarest und ist Studienleiter der "Konferenz Europäischer Kirchen" (CEC) in Genf. Er ist auch maßgeblich an Organisation und Vorbereitung der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung (EÖV3) im rumänischen Sibiu beteiligt.
Konfliktreiche Geschichte
Nachdem die Habsburger Siebenbürgen unter ihre Herrschaft gebracht hatten, kam es zu Unionsverhandlungen mit den rumänisch-orthodoxen Bischöfen auf dem Territorium des Fürstentums; die "Union" wurde am 7. Mai 1700 proklamiert. Jener Teil der orthodoxen Kirche, der die Union nicht mitvollziehen wollte, geriet ins Hintertreffen. Die orthodoxe Kirche brauchte fast 50 Jahre, bis sie in der Lage war, den eigenen Status durch die verbesserte pastorale Betreuung der Gläubigen wieder zu sichern. In den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts kam es zu einer grausamen Verfolgung der Orthodoxen durch die "Österreicher".
Die griechisch-katholische unierte Kirche in Siebenbürgen spielte im 19. Jahrhundert dann eine wesentliche Rolle im Widerstand gegen die Magyarisierung, als die Habsburger - unter König Franz Joseph I. - auf den "Ausgleich" mit Ungarn setzten. Nach dem Anschluss Transsilvaniens an Rumänien wurde 1918 daher auch die unierte griechisch-katholische Kirche als zweite nationale Kirche anerkannt. Sie zählte an die zwei Millionen Mitglieder. Unter den Kommunisten wurde 1948 die unierte Kirche aufgehoben, ihr Eigentum wurde konfisziert und der rumänisch-orthodoxen Kirche übergeben, nachdem Staatspräsident Gheorghe Gheorghiu-Dej eine Scheinsynode abhalten ließ, die den Unions-Beschluss von 1700 für ungültig erklärte. Der griechisch-katholische Klerus wehrte sich und büßte mit schlimmen Verfolgungen. Ein Großteil der unierten Bischöfe verstarb im Gefängnis.
Nach der "Wende" stiegen viele unierte Familien, aber auch Priester aus den "Katakomben", um die griechisch-katholische Kirche wieder aufzubauen. Die pastorale Struktur wurde rasch wiederhergestellt. Allerdings führte die Wiederzulassung der unierten Kirche auch zu dramatischen Konflikten mit der orthodoxen Kirche in Rumänien. Gegenstand der Konflikte waren und sind zumeist die Gotteshäuser und sonstige Immobilien.
Im Lauf der Zeit hat sich in den beiden Kirchen eine mitunter stark differierende Sicht der historischen Ereignisse herausgebildet. Obwohl neben zahlreichen "Mythenbildungen" durchaus auch eine Reihe von historischen Fakten immer bekannt war, wurden diese von den Konfessionen mitunter nur einseitig wahrgenommen. Das hatte zur Folge, dass sich die Geschichtsdarstellungen im Hinblick auf die "Union" von 1700 mitunter stark unterschieden, ja sogar widersprachen.
Dem konnte die "Pro Oriente"-Projektgruppe nun entscheidend entgegenwirken. Prof. Ionita räumte im "Kathpress"-Gespräch ein, dass auf Grund der teilweise ungenügenden Quellenlage nicht alle Problempunkte gelöst werden konnten. Trotzdem seien die Ergebnisse des Forschungsprojekts ein wichtiger Fortschritt. Ab nun gelte es, über die Expertenebene hinaus auch die Kirchenleitungen der einzelnen Kirchen in den Prozess verstärkt miteinzubeziehen.
Thema in Sibiu
Mit der Konferenz in Wien ist die Reihe der "Pro Oriente"-Tagungen zur Union von Siebenbürgen vorerst abgeschlossen. Eine vierköpfige Gruppe, zu der neben Prof. Ionita auch der frühere Wiener Ordinarius für Ostkirchenkunde Prof. Ernst Christoph Suttner gehört, wird nun für die Entstehung des gemeinsamen Buches verantwortlich zeichnen, zu dem alle Experten des Projekts einen Beitrag leisten werden. Laut Ionita könne man in rund zwei Jahren mit dem Erscheinen des Buches rechnen.
Er kündigte auch an, dass das Forschungsprojekt bei der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung (EÖV3) Anfang September im rumänischen Sibiu öffentlich vorgestellt werden wird. Den gesamten Forschungs- und Dialogprozess von "Pro Oriente" bezeichnete er als wichtige und wertvolle Erfahrung, auf die die Kirchen in Zukunft aufbauen könnten und sollten.
"Pro Oriente"-Präsident Hans Marte äußerte sich im Gespräch mit "Kathpress" sehr zufrieden mit dem Ausgang des Forschungsprojekts "Siebenbürgen". Das Buch werde für die Beziehungen der Kirchen in Rumänien "sehr positive" Auswirkungen haben.