Heiligenkreuz: "Päpstliche Hochschule"
Wiener Neustadt, 11.5.07 (KAP) Mit einem eindrucksvollen akademischen Festakt wurde am Freitag die Erhebung der Philosophisch-Theologischen Hochschule Heiligenkreuz zur "Päpstlichen Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI." begangen. Kardinal Christoph Schönborn gab der neuen Päpstlichen Hochschule drei Wünsche mit auf den Weg, die dazu beitragen sollen, "den Urkonflikt zwischen einer akademisch-universitären und einer monastischen Theologie zu überwinden". So sei eine "ganz und gar biblische Orientierung" die "beste Garantie", so der Kardinal, "Theologie im Geiste des Zweiten Vatikanischen Konzils" zu betreiben. Weiters rief der Wiener Erzbischof dazu auf, im Studium "zu den Quellen zurückzukehren" und "die großen Meister der Theologie im Originaltext zu studieren". Kritisches Denken entstehe "nicht durch bloßes Nachreden", sondern es stelle sich durch die Aneignung jener "großen Meister" ein, "bei denen man ohne Scheu sein Denken und Fühlen öffnen kann, ohne Gefahr zu laufen, ideologisiert zu werden". Schließlich äußerte Kardinal Schönborn den Wunsch, dass die neue Päpstliche Hochschule das Motto des kommenden Papstbesuchs in Österreich, "Auf Christus schauen", verinnerliche.
Wie der Abt des Stiftes Heiligenkreuz, Abt Gregor Henckel- Donnersmarck, unterstrich, werde man die Erhebung zur Päpstlichen Hochschule "nicht als Knopflochdekoration tragen", sondern als "Verpflichtung und Auftrag" annehmen, eine "spirituell begründete, knieende Theologie" zu betreiben und sich zugleich den Standards moderner Wissenschaft in Lehre, Forschung und Pädagogik zu stellen. Die Benennung der neuen Hochschule nach Papst Benedikt XVI. sei für ihn "logisch" gewesen, so der Abt, da sie sowohl Ausdruck der Dankbarkeit sei als auch Ausdruck der benediktinische Ausrichtung des Instituts.
Der Generalabt des Zisterzienserordens, Dom Maurus Esteva Alsina, betonte, dass die Erhebung der Hochschule Heiligenkreuz zur Päpstlichen Hochschule "keineswegs überraschend oder unverdient" komme. Vielmehr werde in Heiligenkreuz "seit Jahrhunderten" Theologie und Philosophie "in einer glücklichen Verbindung von Orthopraxie und Orthodoxie" gelehrt, so der Generalabt.Dabei lernten die Studenten nicht nur, "in ihr eigenes Herz zu schauen", sondern auch, "das Ergebnis der eigenen Suche nach Gott in der Sprache der Menschen auszusagen".
Prof. Christa Schnabl, Vizedekanin der Katholisch-Theologischen Fakultät und designierte Vizerektorin der Universität Wien, rief in ihren Grußworten zu einer "Überwindung der Polarisierung" zwischen "Heiligenkreuz als Priesterausbildungsstätte" und der Katholisch-Theologischen Fakultät in Wien als "speziellem Studienort für Laientheologen" auf. Ein "Auseinanderdividieren" der "aufeinander angewiesenen Einrichtungen in Heiligenkreuz und Wien" müsse vermieden werden, so Schnabl. Die Katholisch-Theologische Fakultät reiche der Päpstlichen Hochschule Heiligenkreuz daher die Hand zu einer wissenschaftlichen Kooperation, so Schnabl weiter, die sich etwa in gemeinsamen Forschungskolloquien, Seminaren oder einem intensivierten studentischen Austausch ausdrücken könnte. Die Vizedekanin ermutigte die Hochschule, konkrete Forschungsagenden zu entwickeln und auch den Anschluss an die europäische Hochschulentwicklung zu wahren. Nur so könne Heiligenkreuz als "Juwel unter den Klöstern Österreichs" mit seiner "einzigartigen Studienatmosphäre" sich als Universität etablieren, in der "Glaube, Theologie und Tradition zu einer Einheit zusammengeführt werden".
Mit einem auf den 28. Jänner lautenden Dekret hatte Papst Benedikt XVI. die Philosophisch-Theologische Hochschule des Stiftes offiziell zur "Päpstlichen Hochschule" erhoben. Mit der Erhebung zur Päpstlichen Hochschule erhält die Lehrstätte mehr Eigenständigkeit. Die Hochschule wird - wie schon bisher - das staatlich anerkannte Diplomstudium in Fachtheologie mit Abschluss eines "Magister theologiae" anbieten. Ab jetzt erfolgt die Graduierung aber durch die Hochschule Heiligenkreuz selbst und nicht wie bisher durch die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Wien. Die Studienpläne bleiben gleich und entsprechen den an den staatlichen Theologischen Fakultäten üblichen. Der Vollausbau zur "Päpstlichen Fakultät" mit Lizenziats- und Doktoratsstudium wird nach einer fünfjährigen Entwicklungszeit angestrebt.
Als einzige Ordenshochschule Österreichs verzeichnete die Hochschule Heiligenkreuz in den vergangenen Jahren ein enormes Wachstum: Derzeit sind 167 Studenten eingeschrieben, davon 113 Ordensleute und Priesteramtskandidaten; 1999 waren es lediglich 63 gewesen. Es kam zu einer Verjüngung des Lehrkörpers und qualitätssteigernden Maßnahmen. Von den insgesamt 37 Lehrenden hat die vatikanische Bildungskongregation 13 zu ordentlichen Professoren ernannt. Von diesen 13 Ordinarien sind neun Zisterzienser, zwei Benediktiner und zwei Laien. Die weiteren außerordentlichen Professoren, Gastprofessoren, Dozenten, Assistenten und Lehrbeauftragten seien in der Mehrheit Priester bzw. Ordensleute; auch mehrere Frauen lehren an der Hochschule, teilte die Hochschule mit.