"kreuz&quer"-Themenabend über Franz Jägerstätter
Wien, 14.5.07 (KAP) Ganz im Zeichen des Märtyrers Franz Jägerstätter steht der "kreuz&quer"-Themenabend am 15. Mai in ORF 2. Anlass ist der bevorstehende 100. Jahrestag der Geburt Jägerstätters am 20. Mai. Im ersten Beitrag des von Doris Appel moderierten Themenabends (der um 22.30 Uhr beginnt) setzt sich Bettina Schimak unter dem Titel "Gott hab' ihn selig" mit der in greifbare Nähe gerückten Seligsprechung des Märtyrers auseinander. Im Anschluss daran steht ein Debüt auf dem Programm: Der ORF-Kulturjournalist und Literaturkritiker Günter Kaindlstorfer leitet erstmals ein "kreuz und quer"-Studiogespräch, das Thema: "Taugt Franz Jägerstätter als Vorbild?". Dritter Beitrag im "kreuz und quer"-Themenabend ist das vielfach preisgekrönte Dokumentarspiel "Der Fall Jägerstätter" von Axel Corti (Regie) und Hellmut Andics (Drehbuch), das bei seiner Erstausstrahlung im Jahr 1971 für heftige Diskussionen sorgte und das auch heute nichts an Aktualität und Brisanz eingebüßt hat. In der Titelrolle ist Kurt Weinzierl zu sehen. Beiträge zum 100. Geburtstag von Franz Jägerstätter gibt es auch in Ö 1 und im Programmangebot des ORF-Landesstudios Oberösterreich.
Gerhard Klein, Hauptabteilungsleiter Religion im Fernsehen, freut sich, dass er Günter Kaindlstorfer als Diskussionsleiter für "kreuz&quer" gewinnen konnte. Gesprächspartner bei Kaindlstorfers Premiere sind der Publizist Peter Huemer, der Innsbrucker Historiker und Politikwissenschaftler Andreas Maislinger und der Innsbrucker Theologe Prof. Jozef Niewiadomski. Nach seinem Debüt wird Kaindlstorfer mit "kreuz und quer"-Präsentatorin Doris Appel, dem Theologen und Philosophen Prof. Michael Hofer und dem Journalisten Heinz Nußbaumer das fixe Team der "kreuz und quer"-Diskussionsleiter bilden. Gerhard Klein: "Das neue 'kreuz&quer' will den Blick verstärkt auf die Themenbereiche Ethik und Gesellschaft richten und Religion in Geschichte und Gesellschaft positionieren. Der Kulturjournalist Kaindlstorfer steht für diese Akzentuierung".
Kaindlstorfer sieht in der Aufgabe bei "kreuz&quer" eine "spannende Herausforderung", an der Sendung schätzt er den "offenen Blick für Phänomene der Welt, der über einen engeren religiösen Bereich weit hinausgeht, die großartigen Dokumentationen und spannenden Studiogespräche". Zu seinem ersten "kreuz und quer"-Themenabend meint Kaindlstorfer: "An Franz Jägerstätter fasziniert mich die Kompromisslosigkeit. Er hat das nationalsozialistische Regime als Unrechtsregime durchschaut und eine radikale persönliche Konsequenz daraus gezogen. Ein mutiger Mann. Hätte es mehr seinesgleichen gegeben, der Hitlerismus hätte keine Chance gehabt". Der gebürtige Oberösterreicher Kaindlstorfer (geboren 1963) ist Moderator und Sendungsgestalter für Österreich 1 ("Von Tag zu Tag", "Morgenjournal", "Mittagsjournal", "Leporello", "Radiokolleg", "Kontext", "Ex Libris", "Diagonal", "Ambiente", "Hörbilder" etc.). Im Fernsehen arbeitet der Journalist und Literaturkritiker u. a. für das 3sat-magazin "Kulturzeit", er ist Initiator und Koordinator der ORF-Bücherbestenliste.
"Gott hab' ihn selig"
Bettina Schimak schildert in ihrem Beitrag die durchaus ambivalenten Gefühle in Jägerstätters oberösterreichischer Heimatgemeinde St. Radegund. Noch sind Stimmen nicht verstummt, die meinen, Jägerstätter hätte durch seine "starre Haltung" seine Familie im Stich gelassen. Ein St. Radegunder Ex-Wehrmachtssoldat sieht in der Seligsprechung eine Verurteilung jener, die nicht wie Jägerstätter gehandelt haben. Der Bürgermeister von St. Radegund spricht davon, dass Jägerstätter wohl zuallererst "seiner Familie gehört - dann aber uns, den St. Radegundern". Für den Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer, der sich seit vielen Jahren mit viel Engagement für die Seligsprechung Franz Jägerstätters einsetzt, ist Jägerstätter "ein Märtyrer - gestorben für das erste Gebot". Der römische Jesuit P. Peter Gumpel meint, man solle sich davor hüten, aus der Seligsprechung Franz Jägerstätters falsche Schlüsse zu ziehen - jenen zum Beispiel, dass all diejenigen, die nicht wie Jägerstätter gehandelt haben, Falsches getan hätten.
"Der Fall Jägerstätter"
Als Axel Cortis preisgekröntes Dokumentarspiel "Der Fall Jägerstätter" im Jahr 1971 erstmals im ORF gezeigt wurde, löste der Film heftige Kontroversen aus. Kriegsdienstverweigerung - auch aus religiösen Gründen - das hatte in den siebziger Jahren für viele noch den Beigeschmack des Vaterlandsverrats. In späteren Interviews erinnerte Axel Corti immer wieder an die Kontroversen, die sein Dokumentarspiel hervorgerufen hatte. Auch daran, dass der Film selbst in katholischen Kreisen höchst umstritten war. Die Katholische Aktion organisierte damals landesweit an die 500 Diskussionsveranstaltungen, in denen das Für und Wider einer Wehrdienstverweigerung aus Gewissensgründen thematisiert wurde.
Axel Corti bediente sich in seiner preisgekrönten Produktion einer besondere Dramaturgie: Immer wieder unterbricht er die Spielhandlung und lässt Zeitzeugen zu Wort kommen, Menschen, die Franz Jägerstätter kannten, und die sich durchaus skeptisch bis offen ablehnend zu seiner Gewissensentscheidung äußern. Dadurch erhält die Spieldokumentation besondere Authentizität und ist auch heute noch sehenswert.
Kurt Weinzierl verkörperte den Franz Jägerstätter, der unvergessliche Guido Wieland ist in der Rolle eines österreichischen Majors zu sehen, in weiteren Rollen glänzen Julia Gschnitzer, Michael Toost, Bruno Dallansky und der ehemalige Burgtheaterdirektor Achim Benning.
Auch im Radio
Auch Ö 1 erinnert an Franz Jägerstätter: "Religion aktuell" (Montag bis Freitag um 18.55 Uhr) wird in einer ihrer Ausgaben über den Stand der Seligsprechung Jägerstätters berichten, und in der "Erfüllten Zeit" am Sonntag, 20. Mai, um 7.05 Uhr gibt es zum Gedenken an Franz Jägerstätter Historisches und Aktuelles zu hören. Neben Interviews mit der Witwe Franziska Jägerstätter und dem Filmemacher Axel Corti kommen u.a. auch Bundespräsident Heinz Fischer, Kardinal Christoph Schönborn sowie Bischof Manfred Scheuer zum Vermächtnis Jägerstätters zu Wort. Radio Oberösterreich informiert am Samstag, 19. Mai, und vor allem am Sonntag, 20. Mai, um 7.30 Uhr, ab 8.30 Uhr undin der Sendung "Lust aufs Leben" um 21 Uhr über die Feierlichkeiten in St. Radegund. (Informationen: ORF-Pressestelle, Gerhard Bollardt, Tel. 878.78/128.12).