Wien: Caritas macht gegen Frauenarmut mobil
Wien, 14.5.07 (KAP) Verbesserungen beim Kindergeld für Alleinerzieherinnen und mehr Plätze in Mutter-Kind-Einrichtungen hat der Wiener Caritasdirektor Michael Landau am Sonntag bei einer Muttertagsfeier im Mutter-Kind-Haus der Caritas im 20. Wiener Gemeindebezirk gefordert. Die Erkenntnis "Armut ist weiblich" aus dem jüngsten Armutsbericht finde die Caritas in ihrer täglichen Arbeit bestätigt. Fast drei Viertel der Klienten in den Caritas-Sozialberatungsstellen seien Frauen. Doch ein Großteil der Frauenarmut sei versteckt, so Landau in einer Aussendung am Montag: "Wir sehen das in unseren Einrichtungen für allein stehende Frauen ebenso wie im Mutter-Kind-Haus, aber auch in der Sozial- und Familienberatung." Dagegen müssten endlich Taten gesetzt werden.
Landau forderte ein Umdenken bei der Sozialhilfe: "Die viel diskutierte Mindestsicherung muss vor allem auf die Situation von Frauen in familiären Krisensituationen Rücksicht nehmen." Die Sozialhilfe gehe bisher von einer Unterhaltspflicht des Mannes aus, deren Durchsetzung in der Praxis vor allem bei Trennung wegen Gewalt in der Beziehung völlig illusorisch sei. "Frauengerechtigkeit" hieße laut Landau, "dass es einen individuellen Anspruch auf die zustehende Teil-Leistung geben muss".
Im Mutter-Kind-Haus in Wien 20 leben derzeit 23 Frauen und etwa 30 Kinder. Vielfach hätten die Mütter unter Gewalt in der Beziehung zu leiden gehabt, auch Geldnot und dann der Wohnungsverlust seien Ursachen, warum Frauen mit ihren Kindern plötzlich auf der Straße stehen und nicht wissen wohin. "Die Nachfrage nach Plätzen in Mutter-Kind-Einrichtungen in Wien ist groß, hier besteht dringender Handlungsbedarf", so Landau. Nur jede zehnte Frau könne derzeit aufgenommen werden.
Die Caritas biete in dieser Situation "nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern einen Ort, um zur Ruhe zu kommen, Kräfte zu sammeln für einen Neubeginn - in einer eigenen Wohnung, mit einem Job, von dem Mutter und Kind(er) auch leben können". Dazu begleiten die Sozialarbeiterinnen zu Ämtern und Behörden, beraten in rechtlichen und finanziellen Angelegenheiten, helfen bei der Jobsuche.
Ähnlich die Situation im "Haus Miriam" im 18. Bezirk und im "FrauenWohnZentrum" in der Leopoldstadt, wo wohnungslose Frauen wieder auf die eigenen Beine kommen können, um den Schritt zurück in ein eigenständiges Leben zu wagen. Oft geht die soziale Notlage einher mit einer psychischen Krise, die vor einem Neubeginn bewältigt werden muss, heißt es in der Caritas-Aussendung. Das Überhangswohnhaus "Miriam" bietet Platz für 38 Frauen plus vier Notbetten, 105 Frauen haben vergangenes Jahr vorübergehend dort gewohnt. Das "FrauenWohnZentrum" bietet 32 Einzelzimmer bzw. Kleinwohnungen und ein Tageszentrum, in dem sich Frauen vom Leben auf der Straße erholen, essen, duschen und Wäsche waschen können.
Das Thema Familie steht auch im Mittelpunkt einer Caritas-Fachtagung am Dienstag: Unter dem Titel "Ausgeliefert: Macht und Ohnmacht in der Arbeit mit Familien" sprechen ab 9 Uhr Fachleute im Wiener Kardinal-König-Haus in Hietzing über gegenwärtige Herausforderungen in der Familienarbeit (Info und Programm: www.Caritas-wien.at).