Kapellari: "Neues Interesse an Religion in Europa"
Graz, 15.5.07 (KAP) In den letzten Jahren ist in Europa ein neues Interesse an Religion wach geworden, das sich auch in den deutschsprachigen Medien spiegelt. Dies betonte der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari - zugleich auch österreichischer "Medien-Bischof" - am Montagabend beim traditionellen Medienempfang seiner Diözese in Graz. Die europäische kulturelle und intellektuelle Szene und ihre Medien seien dabei von Religionsfreundlichkeit einerseits und Skepsis gegenüber Religion und deren Gewaltpotenzial andererseits geprägt.
"Wir denken, reden und gehen mit der Gesellschaft mit", unterstrich Bischof Kapellari beim Medienempfang vor rund 150 Medienvertretern aus ganz Österreich und Verantwortlichen der Diözese Graz-Seckau. Die Kirche suche und finde immer wieder faire Allianzen mit Kultur, Politik und Medien, wenn es um den Einsatz für ein menschliches Leben in größerer Fülle in allen Problemfeldern der Gesellschaft gehe. Dabei vertrete die Kirche nicht zuerst Konfessionsinteressen, sondern sei Anwalt der Menschen. "In all dem und über all das hinaus wollen wir aber der Welt, der Gesellschaft Christus zeigen", sagte Bischof Kapellari, der in diesem Zusammenhang an das Motto des bevorstehenden Papstbesuchs in Mariazell "Auf Christus schauen" erinnerte.
In Österreich, wie in der ganzen Welt, stehe die katholische Kirche "in der Spannung zwischen Homogenität und Pluralität, Breite und Tiefe, zwischen sozial-politischem Engagement und mystischer Versenkung in Gott", erinnerte Kapellari: "Dennoch oder gerade deshalb ist sie sehr lebendig". Zwar machen die Menschen in der Kirche Fehler und begehen Sünden, zugleich aber habe die Kirche riesige Ressourcen an Mitmenschlichkeit und Barmherzigkeit, die tagtäglich wirksam werden. "Eine kritische mediale Aufmerksamkeit, die wirkliche Fehler aufzeigt, provoziert zum Lernen und zum Besserwerden, wenn sie zugleich das kirchlich Gelingende nicht ausblendet", betonte der Grazer Bischof vor den Medienleuten.
Papst jenseits der Klischees
Bischof Kapellari verwies darauf, dass Papst Benedikt XVI., der sich "eingeübten Klischees und Vorurteilen immer wieder entzieht", von besonderer Bedeutung für den "wechselseitigen Lernprozess von Religion und säkularer Vernunft" ist. Als Beispiele führte der Grazer Bischof die Diskurse des Papstes mit JürgenHabermas und Marcello Pera (dem früheren italienischen Senatspräsidenten) an sowie die erste päpstliche Enzyklika "Deus caritas est" und das Interview mit deutschen Journalisten im Vorfeld des Bayern-Besuchs.
Dienst an Humanisierung
Vor den Medienvertretern erinnerte Bischof Kapellari in seiner Ansprache auch daran, dass der journalistische Dienst am Wort und am Bild prinzipiell als Dienst an den Menschen und der Humanisierung angelegt sei. "Dem Wort und Bild zu dienen ist auch Auftrag der Kirche, die dies für die Menschen, für Gott und in Vermittlung zwischen beiden tut", so Kapellari. Die Worte der Bibel stellten ein "beständiges Korrektiv für die Kirche selbst, aber auch für die Gesellschaft" dar, etwa in der Gestalt der Bergpredigt, "deren Zielgebote und Perspektiven als durch keine Modernität überholbar erscheinen".
"Papst reist vor allem nach Mariazell"
Benedikt Steinschulte vom Päpstlichen Medien-Rat stellte am Montagnachmittag bei einem Pressegespräch im Grazer Priesterseminar die Wallfahrt nach Mariazell am 8. September ins Zentrum des Österreich-Besuches von Papst Benedikt XVI. "Der Papst reist vielleicht nicht 'nach Österreich', er reist vor allem 'nach Mariazell", sagte Steinschulte. Die Kirche denke hier nicht in nationalen Kategorien und deshalb reise der Papst auch nicht "in nationalem, sondern in einem kirchlichen Kontext", unterstrich der vatikanische Medienexperte. Sehr wohl sei der Besuch in Österreich für Benedikt XVI. aber so etwas wie ein Besuch in seiner erweiterten geistigen Heimat, meinte Steinschulte, der einziger deutschsprachiger Referent im Päpstlichen Medien-Rat ist.
"Benedikt XVI. ist ein neugieriger Mensch, der sich sehr für Mediendimensionen interessiert, viel mehr, als viele vor dem Pontifikat gedacht hatten", so Steinschulte weiter. Im Vergleich zu Johannes Paul II. fülle er die mediale Rolle des Papstes anders aus, schließlich sei Johannes Paul II. medial so im Mittelpunkt gestanden, dass "der Eindruck entstand, die katholische Kirche ist eine Papstkirche, dabei ist sie eine Bischofskirche", erklärte Steinschulte.
Als Kardinal sei Joseph Ratzinger ein beliebter Gesprächspartner für Medienvertreter gewesen, für die sich der Präfekt der Glaubenskongregation auch Zeit nahm. "Kardinal Ratzinger gehörte zur Diskussionsgemeinschaft der Vatikan-Journalisten. Das ist ein Bonus, der ihm heute noch hilft", stellte Steinschulte fest.
