Qualifizierte Mehrheiten zur Bewahrung zentraler Werte
Wien, 16.5.2007 (KAP) In so wichtigen Fragen wie der biomedizinischen Forschung, dem Lebensschutz oder dem Umgang mit Kindern und alten Menschen brauche es in Europa "qualifizierte Mehrheiten", um die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen. Dies betonte der frühere Bundeskanzler und derzeitige VP-Klubobmann Wolfgang Schüssel bei einer Podiumsdiskussion der Wiener "Akademie für Evangelisation" der "Gemeinschaft Emmanuel".
Schüssel nannte die Embryonenforschung als Beispiel. Hier gehe es um bestimmte Werte und Grenzen des Erlaubten; um diese Werte und Grenzen zu bewahren, müsse man sich im demokratischen Prozess um Mehrheiten bemühen.
Mit dem Titel der Veranstaltung - "Wie krank ist Europa?" wollte sich Schüssel nicht abfinden. In den unterschiedlichen Phasen der europäischen Entwicklung gebe es zwar immer wieder "Wachstumsschmerzen", ein generelles Krankreden Europas sei jedoch fehl am Platz. Sowohl auf persönlicher wie auf europäischer Ebene sei es wichtig, Freiheit, Gemeinschaft und Verantwortung in Beziehung zu setzen.
Angesprochen auf das "Megathema Religion" betonte Schüssel, dass das Christentum für Europa immer eine Art "Lebensmittel" gewesen sei. In einem zusammenwachsenden Europa und einer globalisierten Welt sei aber auch der Dialog mit den anderen Religionen wichtig. Solch ein Dialog dürfe aber nicht nur auf einer abstrakten Ebene geführt werden.
Im Zusammenhang mit der medialen Aufbereitung beklagte der frühere Bundeskanzler den Druck der Massenmedien, wichtige Themen nur verkürzt darzustellen. Es gelte, die Kraft der medialen Bilder richtig zu nutzen, sowie Leitbilder und Vorbilder für Europas Menschen zu schaffen. Auf diese Weise sei es möglich, die Zukunft Europas positiv zu beeinflussen.
Das Gespräch mit Wolfgang Schüssel führte der Rektor der "Akademie für Evangelisation", Christian Schmitt. Die Veranstaltung fand im Rahmen des EU-Lehrgangs "Neuer Schwung für Europa" statt.
