Salzburg: Zwist zwischen Erzbischof und Landeschefin
Salzburg, 23.5.07 (KAP) Im Hinblick auf das Lebensrecht der Ungeborenen ist es im Bundesland Salzburg zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen Erzbischof Alois Kothgasser und Landeschefin Gabi Burgstaller gekommen. Erzbischof Kothgasser lehnte es ab, aus Anlass seines bevorstehenden 70. Geburtstages aus den Händen der Landeschefin das Große Ehrenzeichen des Landes Salzburg entgegenzunehmen. Ursache für diese Haltung ist die von Gabi Burgstaller veranlasste Einrichtung einer Abtreibungsstation in den Salzburger Landeskliniken. Eine Unterredung zwischen Kothgasser und Burgstaller am Mittwoch brachte keine Änderung der Sachlage. Burgstaller versicherte aber ihre ungebrochene persönliche Wertschätzung "für den Menschen Alois Kothgasser", wie sie anschließend in einer Aussendung mitteilte.
Sie habe die Auszeichnung für Erzbischof Kothgasser aus Anlass seines 70. Geburtstags beantragt, weil sie ihn sehr schätze, stellte die Salzburger Landeschefin fest. In sozialen Fragen wie der Flüchtlingsarbeit gebe es ein gutes Einvernehmen.
Bischofssekretär Otmar Stefan teilte in einem Gespräch mit der "Austria Presse Agentur" (APA) mit, Erzbischof Kothgasser habe der Landeschefin einen Brief geschrieben, der "den großen Respekt vor ihrem politischen Engagement zum Ausdruck bringt, aber auch den klaren Hinweis enthält, dass die Einrichtung für Abtreibungen an den Landeskliniken für ihn unannehmbar ist". Es handle sich um einen "direkten Anschlag auf die Würde und die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens", so Kothgasser. "Das ist für den Erzbischof eine derart zentrale Frage, dass er aus seinem Gewissen heraus nicht anders entscheiden konnte", sagte Stefan.
Um zu dokumentieren, dass es nicht um einen parteipolitischen Konflikt gehe, habe Kothgasser vorgeschlagen, dass der - sozialdemokratische - Landtagspräsident Johann Holztrattner die Auszeichnung überreichen könnte. Die Landeschefin lehnte dies aber ausdrücklich ab.
Gabi Burgstaller bezeichnete Kothgassers Vorgangsweise als "sehr bedauerlich". Als Katholikin sei sie aber "sicher", dass sich langfristig die Stimme der Barmherzigkeit und der Vernunft durchsetzen werde. Sie sehe nach wie vor keineVerbindung zwischen der Auszeichnung Kothgassers für Verdienste um das Land Salzburg und der Einrichtung der Schwangerschaftsambulanz in den Salzburger Landeskliniken. Auch die Salzburger Landeschefin artikulierte wieder die Meinung, Männer ließen das Einfühlungsvermögen in die Situation von Frauen vermissen, die sich für einen Schwangerschaftsabbruch entschlossen haben.
Die Angelegenheit sei für sie mit der Aussprache am Mittwoch aber erledigt, so Gabi Burgstaller. Eine Verleihung durch einen anderen Vertreter des Landes komme für sie nicht in Frage. Schließlich habe sie selbst die Auszeichnung Kothgassers beantragt. Sie sei zuversichtlich, dass die ausgezeichnete und enge Zusammenarbeit zwischen Land und Kirche, vor allem im karitativen Bereich, aber auch in der Entwicklungshilfe nicht unter diesem Vorfall leiden werde.