Mehr als 260 Kirchen laden zur "Langen Nacht"
Wien, 24.5.07 (KAP) Mehr als 260 Kirchen in Wien, Linz, Graz, Klagenfurt und Salzburg haben am 1. Juni ihre Tore geöffnet und laden zur "Langen Nacht der Kirchen" ein. Mit einem Glockengeläute aller Kirchen um 17.50 Uhr wird die "Lange Nacht" eingeläutet. Anschließend findet in Wien in der evangelisch-lutherischen Stadtkirche in der Dorotheergasse 18 die feierliche Eröffnungsvesper statt. Sie steht unter dem Motto "Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten". An der Vesper werden u.a. Kardinal Christoph Schönborn, Metropolit Michael Staikos, der rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar Nicolae Dura sowie weitere hochrangige Kirchenvertreter teilnehmen. In Wien findet die "Lange Nacht" bereits zum dritten Mal statt. Erstmals machen heuer auch Graz, Klagenfurt und Salzburg mit, wie im Vorjahr ist auch Linz dabei.
In Wien halten insgesamt 160 Gemeinden eine Nacht lang die Kirchentüren offen. Bei 1.000 Veranstaltungen, in denen die große Kreativität der Gemeinden deutlich zum Ausdruck kommt, können die Besucher die Vielfalt der christlichen Kirchen und religiösen Ausdrucksformen erleben, so der Bischofsvikar für Wien-Stadt, Prälat Karl Rühringer, bei einer Pressekonferenz zur "Langen Nacht" am Donnerstag im Wiener Stephansdom.
Die "Lange Nacht" habe sich als markantes Zeichen des Lebens der christlichen Kirchen etabliert und sei bereits zu einer Institution geworden. Rühringer: "Besonders für Menschen, die unseren Kirchen eher fern stehen, soll sie eine Einladung zur Begegnung sein. Alle sind eingeladen, ob Christen oder Nicht-Christen, die Gotteshäuser zu besuchen". Die Programmpunkte, die von Konzerten über Schauspiel, Diskussionen, Ausstellungen bis zu stillen Andachten reichen, würden für jeden etwas bieten, so Rühringer.
Ökumenisches Projekt
Die "Lange Nacht der Kirchen" ist von Beginn an ein ökumenisches Projekt, an dem sich alle 14 im Ökumenischen Rat vertretenen Kirchen beteiligen. Gerade im lokalen Bereich, zwischen den Pfarrgemeinden in den einzelnen Bezirken, zeige die "Lange Nacht" die gute ökumenische Zusammenarbeit in Wien, betonten Rühringer und der Wiener evangelische Superintendent Hansjörg Lein übereinstimmend. Wörtlich sagte der Superintendent: "Das Christentum kann heute nur in der weltumspannenden ökumenischen Weite gelebt werden. Die Ökumene ist der Ernstfall des Glaubens. Die Glaubwürdigkeit der Kirchen steht damit auf dem Spiel".
Für Lein versteht es die "Lange Nacht", alle Sinne der Menschen anzusprechen: "Es ist eine sinnliche und besinnliche Nacht für alle, die nach Sinn suchen. Eine Nacht für langjährige Insider und für neugierige Newcomer. Alle sind herzlich willkommen. Allen wird etwas geboten".
Zahlreiche Highlights
Rund 1.000 Programmpunkte warten am 1. Juni allein in Wien auf die Besucher. Zu den Highlights zählen u.a. eine neuerliche Licht- und Tuchinstallation im Stephansdom, Konzerte der Wiener Sängerknaben in der Hofburgkapelle und in der Kirche Maria am Gestade sowie eine Diskussion zwischen Kardinal Christoph Schönborn und dem Intendanten der Wiener Festwochen, Luc Bondy, zum Thema "Schuld und Vergebung in Christentum und Kultur" in der Minoritenkirche (22 Uhr).
Im Wiener Priesterseminar diskutieren Weihbischof Helmut Krätzl, die Journalistin Barbara Coudenhove-Kalergi und der Kulturphilosoph Franz Schuh zum Thema "Kehrt der Glaube zurück nach Europa?" (20 Uhr). Um "Liebe, Sex und Heiligkeit" geht es in der Pfarre St. Rochus, wenn Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky mit Pfarrer Stefan Reuffurth diskutiert.
Ein besonderer musikalischer Leckerbissen wird bei Schönwetter in der Parkanlage der Schule Sacre Coeur mit der Aufführung von Joseph Haydns Oratorium "Die Schöpfung" geboten. Auch in der Pfarre St. Josef ob der Laimgrube werden zahlreiche musikalische Kostbarkeiten vom Klassik-Treffpunkt bis zum "baROCK"-Konzert zu hören sein. Die Nacht steht auch ganz im Zeichen des Jubiläums "100 Jahre Kirchen-Neubau": Die barocke Kirche der Pfarre stand früher an der Mariahilferstraße und wurde 1906/07 100 Meter entfernt neu aufgebaut.
Auch die Justizanstalt Wien-Simmering lädt zur "Langen Nacht". Nach einer Lesung von Texten Gefangener und Angehöriger steht eine Diskussion über den Strafvollzug auf dem Programm. Zur Zubereitung biblischer kulinarischer Köstlichkeiten lädt das evangelische Bibelzentrum beim Museumsquartier ein.
Auch für Kinder gibt es wieder ein umfangreiches Programm. In der Pfarre Rossau können sie beispielsweise den Geheimnissen der Orgel auf die Spur kommen und unter dem Motto "Von Baumeistern, Heiligen und Schauspielern" gibt es spezielle Führungen in der Franziskaner- und Jesuitenkirche.
Erstmals war die "Lange Nacht der Kirchen" am 10. Juni 2005 durchgeführt worden. An die 100.000 Interessierte kamen damals. Im Vorjahr nahmen dann an der "Langen Nacht" in den offenen Gotteshäusern in Wien und Linz mehr als 110.000 Menschen teil. (Informationen: Internet: www.langenachtderkirchen.at).