Europa: "Gegenbilder zu historischen Traumata"
Graz, 25.5.07 (KAP) Viele in Europa entwickelte politische, kulturelle und wirtschaftliche Träume sind Gegenbilder zu den erlittenen Traumata der europäischen Geschichte. Dies betonte der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari beim diesjährigen Pfingstdialog "Geist und Gegenwart" im Bildungshaus Schloss Seggauberg; der Pfingstdialog steht unter dem Motto "Europa. Träume und Traumata". Wörtlich sagte Bischof Kapellari: "Die Formulierung der Menschenrechte, die Entwicklung und Entfaltung moderner rechtsstaatlicher Demokratien und der Entwurf eines Europa als Wirtschaftseinheit und als Friedensprojekt sind geprägt von Schrecknissen des Krieges und den traumatischen Erfahrungen von Totalitarismus und Diktatur".
Beim diesjährigen Pfingstdialog gehe es aber nicht nur um eine innereuropäische Bilanz, unterstrich Bischof Kapellari. Vielmehr solle auch die Rolle Europas im globalen Kontext bedacht werden: "Hier gilt es, noch viel zu erträumen und zu verwirklichen". Einem mehr und mehr vereinten Europa müsse es gelingen, größere Verantwortung über die Grenzen des Kontinents hinaus wahrzunehmen. Er sage dies im Sinn Papst Benedikts XVI. besonders im Blick "auf das oft vergessene Afrika".
Den Eröffnungsvortrag hielt der US-Zukunftsforscher Jeremy Rifkin, der in seinem gleichnamigen Buch die These aufstellt, dass der "Europäische Traum" im 21. Jahrhundert zukunftsorientierter als der amerikanische sei. Unter den Referenten und Diskutanten finden sich u.a. der EU-Parlamentspräsident Hans Gert Pöttering, der emeritierte Hildesheimer Bischof Josef Homeyer, der tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg, der österreichische UNO-Botschafter in Genf und Balkan-Experte Wolfgang Petritsch, der frühere ÖVP-Obmann und Vizekanzler Erhard Busek, Caritas-Präsident Franz Küberl, die kroatischen Minister Bozo Biskupic und Dragan Primorac, die Philosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz und der Kärntner Verleger Lojze Wieser.
Der "Pfingst-Dialog" ist eine Veranstaltung des Landes Steiermark in Kooperation mit der Diözese Graz-Seckau, Joanneum Research und dem Europäischen Forum Alpbach. (Informationen: Internet: www.geistundgegenwart.at).
