"Österreich muss lebensfreundlicher werden"
Wien, 1.6.07 (KAP) 85 praktische Vorschläge, die schwangeren Frauen, Kindern, Familien, Menschen mit Behinderungen und Sterbenden ein würdevolles Dasein sichern sollen, hat die "Aktion Leben Österreich" zum heutigen "Tag des Lebens" präsentiert. Die Forderungen reichen von der regelmäßigen Anpassung der Familienbeihilfe und des Kinderbetreuungsgeldes an die Teuerungsrate über ein flächendeckendes Beratungs-Netz für Schwangere in Not bis zur Förderung von Sozialwohnungen, die sich auch Alleinerziehende leisten können. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen könnten geändert werden, wenn der Wille dazu vorhanden ist, so die "Aktion Leben".
Schwangere Frauen und Paare, die ein Kind erwarten, sollten zuversichtlich in die Zukunft blicken können: "Sie brauchen viele Signale und das sichere Gefühl, dass ihre Kinder willkommen sind", heißt es in der Erklärung. Sie bräuchten Rechtssicherheit betreffend der Sozialleistungen, die ihnen zustehen. Und sie bräuchten die Gewissheit, dass sie sich familiengerechten Wohnraum leisten können und sie familienfreundliche Arbeitsplätze vorfinden.
All das sei notwendig, damit "jedes Kind mit Freude von seinen Eltern empfangen werden kann", betont "Aktion Leben"-Generalsekretärin Karin Schmidtbauer. In der Beratungsstelle der "Aktion Leben" erlebe man täglich, wie schwierig das Leben vieler Frauen werden kann, wenn sie ein Kind erwarten. "Vieles davon wäre lösbar, wenn wir dem Wohlbefinden von Frauen und Paaren mit Kindern und Familien mehr Gewicht in unserer Gesellschaft geben würden", so Schmidtbauer: "Kinder von allem Anfang an herzlich willkommen zu heißen - das soll für jede und jeden wirklich spürbar sein."
Werbung für Beratung
Eine der Hauptforderungen der "Aktion Leben" ist eine kontinuierliche Werbung für Schwangerenberatung. "Nach wie vor wissen zu wenige betroffene Frauen, dass es spezialisierte Beratungsstellen für alle Fragen rund um Schwangerschaft und Geburt gibt", so Schmidtbauer. In den vergangenen Jahren sei viel getan worden, um den Zugang zum Schwangerschaftsabbruch zu erleichtern. "Die Werbung für die Beratung, das Angebot an Beratungsstellen, die Hilfe für Schwangere in Notsituationen wurden aber nicht verbessert", kritisiert die"Aktion Leben"-Generalsekretärin. Das sei ein "Armutszeugnis" für eine Gesellschaft, die beklagt, dass es ihr an Nachwuchs mangelt. "Frauen, die in unsere Beratungsstelle kommen, machen vielfach die Erfahrung, dass es in Österreich wesentlich leichter ist, einen Schwangerschaftsabbruch zu bekommen als tragfähige und langfristige Hilfen für ein Leben mit einem Kind", so Schmidbauer.
Professionelle und unabhängige Beratung
Eine professionelle Beratung in einer Konfliktsituation brauche viel Zeit, viel Erfahrung und ein gründliches Wissen um sozialrechtliche Möglichkeiten. Medizinische Beratung sei zu wenig. Darüber hinaus müssen Schwangerenberatungsstellen auch eine breite Palette direkter Hilfsmöglichkeiten anbieten können. "Frauen und Paare sind mit ihrer oft vielfältigen Problemlage am besten in einer Beratungsstelle aufgehoben, die auf Schwangerschaft spezialisiert ist", so Schmidtbauer. Die "Aktion Leben" fordert daher ein flächendeckendes Netz von spezialisierten Beratungsstellen.
Sie schlägt auch die Einrichtung eines Hilfsfonds vor, der unbürokratisch Überbrückungshilfen möglich macht. Wichtig sei auch eine Statistik über Schwangerschaftsabbrüche mit Erhebung der Motive, um wirksam vorbeugen zu können.
Sorge über zunehmende Eugenik
Die "Aktion Leben" wolle - so Schmidtbauer - generell eine positive Haltung dem Leben gegenüber fördern. Denn die Humanität einer Gesellschaft bemesse sich daran, wie sie mit ihren schwächsten Mitgliedern umgeht: den Ungeborenen, den Kindern, den alten Menschen, den Menschen mit Behinderung. Besorgt äußerte sich die "Aktion Leben"-Generalsekretärin über die Zunahme eugenischer Tendenzen am Lebensanfang und Lebensende sowie über die zunehmende Überforderung von sozial schwächeren Familien. "Wir brauchen daher ein starkes Bekenntnis zu einem lebensfreundlichen Österreich sowie zahlreiche konkrete Maßnahmen, die das spürbar machen", fordert die "Aktion Leben".
Gefordert wird von der "Aktion Leben" auch eine Aufwertung der Kindererziehung, die Förderung von Teilzeitarbeit für Mütter und Väter sowie der Ausbau von Kinderbetreuung, die höchsten Qualitätskriterien entsprechen müsse. Was Kinder mit Behinderungen betrifft, sollte - so die "Aktion Leben" - "jeder Mensch willkommen sein und Lebenschancen vorfinden". Dafür brauche es Bewusstseinsbildung, aber auch konkrete Unterstützung von Menschen mit Behinderung und ihrer Familien.
Wertorientierte Sexualerziehung
In ihrem Maßnahmenkatalog tritt die "Aktion Leben" auch für eine "umfassende, wertorientierte Sexualerziehung" ein. Ein positives Image wünscht sich die "Aktion Leben" für die Adoption. Es sollte mehr Verständnis für Mütter geben, die ihrer Kinder zur Adoption freigeben, auch die Adoptiveltern bräuchten entsprechende Unterstützung. Prinzipiell sollte aber "keine Frau aus Not ihr Kind hergeben müssen".
Einen sensibleren Umgang wünscht sich die "Aktion Leben" mit der "Pränatalen Diagnostik". Vorgeburtliche Untersuchungen könnten viel mehr erkennen als behandeln. "Eugenischen Tendenzen" in der Schwangerschaftsvorsorge tritt die "Aktion Leben" entschieden entgegen. In der Biotechnik sollten Techniken, die der Würde des Menschen widersprechen, verboten bleiben. Dazu gehöre ein Verbot des Klonens von Embryonen, der Präimplanationsdiagnostik (PID), der Forschung mit embryonalen Stammzellen sowie der Schaffung tier-menschlicher Mischformen.
In ihrem Maßnahmenkatalog macht sich die "Aktion Leben" auch für ein "menschenwürdiges Sterben" stark. Sie verlangt eine Verankerung des Grundrechts auf Leben und Karenzgeld für Angehörige in Hospizkarenz.
