Jägerstätter: Seligsprechung ist fix
Vatikanstadt, 1.6.07 (KAP) Der Vatikan hat am Freitag offiziell das Martyrium des österreichischen Kriegsdienstverweigerers Franz Jägerstätter (1907-43) bestätigt. Bei einer Audienz für den Präfekten der Heiligsprechungs-Kongregation, Kardinal Jose Saraiva Martins, genehmigte Papst Benedikt XVI. die Veröffentlichung eines entsprechenden Dekrets. Jägerstätter war von den Nationalsozialisten am 9. August 1943 in Berlin-Brandenburg hingerichtet worden. Er hatte sich aus religiösen Gründen geweigert, mit der Waffe für Hitler in den Krieg zu ziehen.
Mehr als 300 Märtyrer anerkannt
Bei der gleichen Sitzung promulgierte die Heiligsprechungskongregation 16 weitere Dekrete, darunter die Anerkennung von 127 Märtyrern aus dem Spanischen Bürgerkrieg. 98 von ihnen sind Augustinerpatres bzw. -novizen, sechs sind Diözesankleriker, 23 sind Ordensfrauen einer spanischen kontemplativen Kongregation.
Ebenfalls wurde das Martyrium von 188 Japanern in der Kirchenverfolgung des 17. Jahrhunderts anerkannt. Die Gruppe stand unter der Führung des Jesuiten P. Petrus Kibe Kasui.
Dekrete über drei deutsche Ordensfrauen
Weiters ist das Seligsprechungsverfahren für die erste Generalsuperiorin der Elisabeth-Schwestern, Maria Merkert (1817-87) aus Neisse (heute Polen), einen entscheidenden Schritt vorwärts gekommen. Benedikt XVI. autorisierte am Freitag ein Dekret der vatikanischen Heiligsprechungskongregation, das ein auf Fürsprache der Ordensfrau erfolgtes Wunder attestierte.
Ebenfalls ein Wunder bestätigt die Kongregation auf Fürsprache von Endrina Stenmanns, der Gründerin der Steyler Missionsschwestern. Sie wurde am 28. Mai 1852 in Issum am Niederrhein geboren und starb am 20. Mai 1903 in niederländischen Steyl.
Der Franziskaner-Schwester Maria Fidelis Weiss (Geburtsname Eleonore Margarete) wurde der Heroische Tugendgrad zuerkannt. Die Profess-Schwester vom Dritten Orden des heiligen Franziskus wurde am 12. Juni 1882 in Kempten in Bayern geboren und starb am 11. Februar 1923 im Kloster Reutberg.
Seligsprechung nun fix
Mit der Veröffentlichung des Dekrets ist das Seligsprechungsverfahren für Franz Jägerstätter abgeschlossen. Nun müssen noch Datum und Ort der Seligsprechung festgelegt und der bevollmächtigte Vertreter des Papstes bestimmt werden, der den feierlichen Akt der Kanonisation im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes vornimmt. Dies geschieht in Absprache zwischen dem Vatikan und den beteiligten Ortskirchen. Laut den im Vorjahr promulgierten neuen Normen für Seligsprechungen erfolgen die Feiern normalerweise in den jeweiligen Diözesen "oder an einem anderen geeigneten Ort".
Verfahren begann vor 10 Jahren
Der Seligsprechungsprozess für Franz Jägerstätter hatte offiziell vor zehn Jahren begonnen. Bereits im Jahr 1989 waren im Auftrag des damaligen Linzer Diözesanbischofs Maximilian Aichern zur Einleitung eines Seligsprechungsverfahrens Zeugen einvernommen worden, die Franz Jägerstätter gekannt hatten. Nach unterstützenden Voten der Österreichischen Bischofskonferenz, einer historisch-theologischen Kommission und des Linzer Domkapitels wurde 1997 offiziell der Seligsprechungsprozess für Franz Jägerstätter eröffnet. Am 21. Juni 2001 wurde es auf diözesaner Ebene abgeschlossen, die Akten wurden der Selig- und Heiligsprechungskongregation übergeben. Wichtig für diesen Prozess war die theologische Arbeit des heutigen Innsbrucker Diözesanbischofs Manfred Scheuer (er war Postulator des diözesanen Seligsprechungsverfahrens) über das Martyrium Jägerstätters.
Am 4. November 2005 brachte Kardinal Christoph Schönborn gemeinsam mit weiteren österreichischen Bischöfen und unter Beisein einer Delegation aus St. Radegund und Ostermiething einen Originalbrief Jägerstätters in die Kirche San Bartolomeo in Rom, die Papst Johannes Paul II. dem Gedenken an den Märtyrer des 20. Jahrhunderts gewidmet hat. Bischof Scheuer nannte Jägerstätter bei seiner Predigt in San Bartolomeo einen "einsamen Zeugen des Gewissens und einen Propheten mit Weitblick und Durchblick".
Scheuer dankt "Zeugen" Jägerstätters
Bischof Scheuer bekundete in einer ersten Reaktion große Freude über das grüne Licht für die Seligsprechung Jägerstätters. Er wolle bei dieser Gelegenheit vor allem jenen danken, die bereits unmittelbar nach dem Krieg begonnen haben, die Erinnerung an der Kriegsdienstverweigerer und sein wichtiges Zeugnis mit großer Beharrlichkeit wach zu halten. Neben Jägerstätters Witwe Franziska sei vor allem Erna Putz namentlich zu nennen, so Scheuer am Freitag gegenüber "Kathpress".
Dass es zur Eröffnung des Seligsprechungsverfahrens gekommen ist, dafür sei diese "nichtinstitutionelle Bewegung" wichtig gewesen, "die Verehrung, die schon da war". Das Hauptverdienst liege "bei den Menschen, denen Franz Jägerstätter wichtig gewesen und geworden ist", hob der Bischof hervor.
Nach Scheuers Worten war auch die öffentliche Auseinandersetzung mit Jägerstätter und seiner Entscheidung, den Kriegsdienst zu verweigern, wichtig, "weil sich herauskristallisierte, dass es um seinen Glauben ging und geht". Jägerstätter werde als Märtyrer selig gesprochen, dessen Einschätzung von Recht und Unrecht und dessen Widerstand gegen das NS-Regime tief im Glauben verwurzelt war und der für diese Entscheidung aus dem Glauben in den Tod ging.
Er - Scheuer - erwarte nicht, dass mit der Seligsprechung die Debatten um Person und Handeln Jägerstätters beendet sind. Der NS-Märtyrer werde "ein für die Kirche nicht ganz bequemer Seliger" sein, auch wenn sich Themen, um die heute gerungen wird, geändert hätten.
Der Bischof betonte, mit der Seligsprechung des Kriegsdienstverweigerers sei auch kein "Urteil" über jene gesprochen, die als Soldaten am Zweiten Weltkrieg teilnahmen. Viele von ihnen seien gegen ihren Willen eingezogen und um ihre Jugend betrogen worden. Die Seligsprechung könne diesen Menschen ihre eigene Lebensgeschichte "in einem anderen Licht erscheinen" lassen.
