Biomedizin: Unterrichts-Behelf zurückgezogen
Wien, 4.6.07 (KAP) Der von vielen Seiten kritisierten Unterrichts-Behelf "Biomedizin: Die Genetik des Menschen" ist vom Schulbuchverlag öbvhpt und Autor Prof. Markus Hengstschläger zurückgezogen worden. Wie der Verlag und der Humangenetiker brieflich mitteilten, wurde die Auslieferung gestoppt, die noch vorhandenen Exemplare werden makuliert. Die "Aktion Leben", die gemeinsam mit anderen Organisationen gegen den Behelf protestiert hatte, zeigte sich darüber in einer Presseaussendung am Montag erfreut und äußerte sich zuversichtlich, "dass künftig sensibler mit der Thematik umgegangen wird".
In einem Brief an Bundesministerin Claudia Schmidt hatte die Generalsekretärin der "Aktion Leben", Karin Schmidtbauer, schwerwiegende Bedenken gegen den Behelf angemeldet: Dieser zeige Behinderung rein defizitorientiert, Kinder mit Down-Syndrom werden z.B. in diskriminierender Weise abgebildet. Die Informationen über das Down-Syndrom würden auch nicht der Realität und dem neuesten Stand der Wissenschaften entsprechen. Sehr einseitig sei auch die Auseinandersetzung mit Pränataldiagnostik in dem Behelf: "Die Aufmachung und die darin aufgeworfenen Fragen favorisieren den Abbruch einer Schwangerschaft, wenn eine Behinderung vorgeburtlich festgestellt wird", so Schmidtbauer in dem Schreiben.
Insgesamt lasse es der Behelf an fachlicher Objektivität mangeln: So habe der Autor etwa verschwiegen, dass für die Durchführung einer Präimplantationsdiagnostik (PID) viele weibliche Eizellen nötig sind. Um sie zu gewinnen, muss die Frau hoch dosierte Hormonstimulationen über sich ergehen lassen, die gesundheitliche Risiken bergen. Schmidtbauer: "Mit dem Unterlassen von Informationen werden SchülerInnen manipuliert."
Für eine etwaige Neuauflage eines derartigen Behelfs fordert die "Aktion Leben" strenge Vorgaben. Pro und Contra biomedizinischer Techniken müssten sorgfältig aufgelistet werden, ethischen Bedenken und kritischen Stimmen müsse Platz eingeräumt werden. Es müsse beispielsweise auch klar ausgesprochen werden, dass die PID ein Instrument der Selektion von Menschen mit Behinderungen ist.