Fronleichnam: Prozessionen in ganz Österreich
Wien, 5.6.07 (KAP) Zum Fronleichnamsfest am Donnerstag finden in ganz Österreich festliche Prozessionen statt. In Wien führt Kardinal Christoph Schönborn den traditionellen "Stadtumgang": Um 8.30 Uhr feiert der Wiener Erzbischof das Pontifikalamt im Stephansdom, um 9.30 Uhr beginnt die Prozession. Sie führt über die Kärntnerstraße, die Augustinerstraße, den Michaelerplatz, Kohlmarkt und Graben zurück zum Stephansplatz. Die drei Altäre - bei denen jeweils eine Andacht mit Predigt und Segen gehalten wird - befinden sich auf dem Josephsplatz, auf dem Petersplatz vor dem Portal der Peterskirche und vor dem Stephansdom.
Zu Messe und Prozession werden tausende Gläubige aus dem In- und Ausland, unter ihnen viele Repräsentanten des öffentlichen Lebens, erwartet. An der Prozession werden auch der Apostolische Nuntius in Österreich, Erzbischof Edmond Farhat der Vorsitzende der Kommission der Bischofskonferenzen in der EU (ComECE) und Bischof von Rotterdam, Adrianus van Luyn, sowie der Bischof von Stockholm, Anders Arborelius, teilnehmen. Van Luyn und Arborelius sind in den kommenden Tagen zu Gast in Wien.
Die Tradition des "Stadtumgangs" reicht viele Jahrhunderte zurück: Im Jahr 1363 lud der Herzog Rudolf IV. erstmals zur öffentlichen Fronleichnamsprozession durch die Stadt ein. In der Barockzeit nahmen die spanisch geprägten Habsburger-Herrscher persönlich an der Prozession teil - als erster Ferdinand II. im Jahr 1622. Ebenso wie in Wien finden auch in den anderen Diözesanhauptstädten große Fronleichnamsprozessionen statt. Die Zahl der Prozessionsteilnehmer in ganz Österreich wird auf mehr als zwei Millionen geschätzt.
Beim Fronleichnamsfest bezeugen die Katholiken ihren Glauben an die lebendige Gegenwart Jesu im Sakrament der Eucharistie. Fronleichnam wird in der katholischen Kirche seit etwa 750 Jahren gefeiert. Der Ursprung des Festes liegt im heutigen Belgien: 1246 führte der Bischof von Lüttich (Liege), Robert de Thourotte, für seine Diözese das Fest ein und entwarf ein entsprechendes Messformular. Eine Ordensfrau aus dem Augustiner-Orden - Julienne de Cornillon - hatte den Bischof inspiriert. Sie, die als Vollwaise im Kloster erzogen worden war, hatte schon als junges Mädchen eine Vision, um deren Deutung sie jahrelang ringen musste: Sie sah den Vollmond mit einem dunklen Fleck. In ihren mystischen Visionen interpretierte sie schließlich den Mond als die Kirche, der in ihrem Festkreis aber nochein Fest zu Ehren der Heiligen Eucharistie fehlte.
Die erste Fronleichnamsprozession wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts in Köln gehalten, allgemein kam sie um das Jahr 1400 in Brauch. Die Fronleichnamsprozessionen sind in der ganzen katholischen Welt - von Österreich bis Lateinamerika, von Polen bis ins indische Goa - mit farbenprächtigen populären Bräuchen verbunden. So sind bei vielen Prozessionen Kinder zu sehen, die Blütenblätter auf den Prozessionsweg streuen. In manchen Orten in Kärnten und in der Steiermark legen die Frauen früh am Morgen Blumenteppiche mit mosaikartigen Mustern, Sinnbildern und Sprüchen aus Blüten. Italienische Gärtner hatten im späten 18. Jahrhundert diesen Brauch in die heutigen südlichen österreichischen Bundesländer gebracht.
"Prangstangen" im Pongau
Im Salzburger Pongau ist es üblich, die sogenannten "Prangstangen" in der Prozession mitzutragen. Die Träger der bis zu 60 Kilo schweren, von den Frauen der Dörfer mit bunten Alm- und Wiesenblumen geschmückten Stangen müssen noch unverheiratete junge Burschen sein. Die "Prangstangen" werden nach der Prozession in den Kirchen aufgestellt und verbleiben dort meist den ganzen Sommer bis zum Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel am 15. August. Wie bei anderen kirchlichen Bräuchen hatte die stark deutschnational eingestellte volkskundliche Wissenschaft am Ende des 19. Jahrhunderts versucht, auch den "Prangstangen" einen "heidnischen" Ursprung zu unterlegen.
Eindrucksvolle Seeprozessionen
Zu den eindrucksvollsten Fronleichnamsprozessionen zählen die Seeprozessionen in Oberösterreich. Sie können auf eine reiche Tradition zurückblicken. Die Prozession auf dem Hallstätter See wird 1623 erstmals erwähnt, die auf dem Traunsee 1632.
Das Fest auf dem Hallstättersee beginnt um 9 Uhr mit dem Hochamt, anschließend findet die Seeprozession statt. Auch in Traunkirchen beginnt das Fest samt Seeprozession um 9 Uhr.
Wie jedes Jahr wird auch in Aschach an der Donau ein Teil der Fronleichnamsprozession auf dem Wasser stattfinden. Um 9 Uhr wird in der Pfarrkirche ein Gottesdienst gefeiert. Bei der anschließenden Prozession auf der Donau begleiten zahllose Boote mit Teilnehmern in Tracht das reich geschmückte Hauptschiff mit dem Allerheiligsten.
Die Seeprozessionen dürften darauf zurückzuführen sein, dass in Orten wie Hallstatt - das zwischen Seeufer und Salzberg zusammengedrängt ist - für die in der Barockzeit immer üppiger gewordenen Fronleichnamsumzüge kein Platz war und man daher auf den See auswich.
Auch in Kärnten findet die Fronleichnamsprozession der Pfarre Millstatt heuer wieder auf dem See statt. Nach dem Festgottesdienst in der Stiftskirche, der um 8.30 Uhr beginnt, führt die Prozession zur Marchetti-Bootsanlegestelle, von der aus die Schiffe um 9.30 Uhr ablegen. Weitere Stationen der zweistündigen Schiffsprozession sind Döbriach und Dellach.
"Landesprozession" in Innsbruck
Der Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer und die Dompfarre St. Jakob laden am Fronleichnamstag zur traditionellen "Landesprozession" in Innsbruck. Nach dem Festgottesdienst um 8 Uhr führt die Prozession vom Dom zur Annasäule, auf den Landhausplatz, Landesmuseum "Ferdinandeum" und zurück zum Domplatz. Dort wird der Schlusssegen erteilt.
