Kapellari nicht für "viri probati"
Graz-Wien, 6.4.06 (KAP) Der steirische Diözesanbischof Egon Kapellari hat im Gespräch mit "Kathpress" klargestellt, dass er nicht für die Priesterweihe bewährter verheirateter Männer eintritt. Wörtlich sagte Bischof Kapellari: "In meiner Diözese setzen wir uns nach Kräften für die Weckung und Förderung von Berufungen zum zölibatären Priestertum und zum Ordensstand ein und werden dies auch in Zukunft tun".
Das "Kathpress"-Interview hat folgenden Wortlaut:
Frage: Im "Standard" werden Sie am Donnerstag so zitiert, als würden Sie für die Priesterweihe für "bewährte verheiratete Männer" (viri probati) in der katholischen Kirche des lateinischen Ritus eintreten. Ist das so?
Kapellari: Ich bin noch nie für die Priesterweihe verheirateter Männer mit bewährter Ehe eingetreten. Im "Standard"-Interview habe ich lediglich tatsachengemäß gesagt, dass wegen des Priestermangels in manchen Ländern von mehreren Seiten ein subsidiärer Zuweg zum Priestertum angedacht wird. In meiner Diözese setzen wir uns nach Kräften für die Weckung und Förderung von Berufungen zum zölibatären Priestertum und zum Ordensstand ein und werden dies auch in Zukunft tun. Im Herbst wird (durch die Berufung von Pfarrer Wilhelm Krautwaschl zum Regens und zum Verantwortlichen für die Berufungspastoral, Anm.) mehr Personal eingesetzt werden, um ein Netz auszuspannen, das Priester und Ordensleute aller Lebensalter und Kandidaten für dieses geistliche Lebensmodell stärker tragen kann.
Frage: Ist die Zölibatsverpflichtung das Hauptmotiv des Priestermangels?
Kapellari: Die Zahl geistlicher Berufungen zum zölibatären Priestertum und zum Ordensstand ist einer von den verlässlichsten Parametern für die Glaubenskraft oder Glaubensschwäche einer Ortskirche. Wir sind diesbezüglich heute schwach. Die Zahl der wirklich radikal Glaubenden und Liebenden müsste in unserer breiten Volkskirche, für deren Erhaltung ich mich voll einsetze, größer werden, damit die Breite bleiben kann.
Frage: Kirche lebt aus der Eucharistie. Welche Wege sehen Sie, um die sonntägliche Messfeier für möglichst viele Gemeinden zu sichern?
Kapellari: Wir müssen den Hunger nach der Eucharistie, nach der Kommunion, die mehr ist als ein sozialer Ritus, stärken und erst von da aus die praktischen Fragen lösen. Sonst kommt es zu oberflächlichen pflegeleichten Lösungen, die am Wesen und an der Tiefe der Eucharistie vorbeigehen. (ende)