Programm des Papstbesuches präzisiert
Wien, 13.6.07 (KAP) Eine Vatikan-Delegation unter Leitung des päpstlichen "Reisemarschalls" Alberto Gasbarri hat am 11./12. Juni Österreich besucht, um die Apostolische Reise von Papst Benedikt XVI. im September vorzubereiten. Die Vatikan-Delegation führte Arbeitsgespräche mit der Apostolischen Nuntiatur, der Österreichischen Bischofskonferenz und der Präsidentschaftskanzlei. Weiters wurden die örtlichen Gegebenheiten im Stift Heiligenkreuz in Augenschein genommen.
Als Ergebnis des Besuches der vatikanischen Delegation konnten Präzisierungen des vorläufigen Reiseprogramms Papst Benedikts XVI. vorgenommen werden. Der Papst wird demnach am späten Vormittag des 7. September auf dem Flughafen Schwechat ankommen. Voraussichtlich um 12.45 Uhr wird Benedikt XVI. mit den Gläubigen an der Mariensäule auf dem Platz Am Hof beten.
Am späten Nachmittag ist die Begegnung mit Vertretern des Öffentlichen Lebens und dem Diplomatischen Corps in der Hofburg angesetzt.
Am Samstag, 8. September, erfolgt die Pilgerreise nach Mariazell. Der Papst feiert die Heilige Messe mit Gläubigen aus Österreich und Mitteleuropa auf dem Vorplatz der Wallfahrtsbasilika (voraussichtlich um 10.30 Uhr). Die Vesper mit Priestern, Ordensleuten, Diakonen und Seminaristen in der Wallfahrtsbasilika ist für 16.45 Uhr angesetzt.
Am Sonntag, 9. September, feiert Benedikt XVI. voraussichtlich um 10 Uhr die Heilige Messe im Wiener Stephansdom. Das Angelus-Gebet erfolgt um 12 Uhr auf dem Stephansplatz.
Der Besuch des Stiftes Heiligenkreuz erfolgt voraussichtlich um 16.30 Uhr. Die Begegnung mit Ehrenamtlichen aus Kirche und Gesellschaft im Konzerthaus in Wien ist für 17.30 Uhr angesetzt.
Anschließend gibt es eine Abschiedsfeier im Flughafen Schwechat, von wo Benedikt XVI. die Rückreise nach Rom antritt.
Das offizielle Programm der Apostolischen Reise von Papst Benedikt XVI. nach Österreich aus Anlass des 850-Jahr-Jubiläums des Wallfahrtsortes Mariazell wird der Heilige Stuhl nach Abschluss der erforderlichen Vorbereitungen voraussichtlich Ende Juli veröffentlichen.
Papst kommt als "Pilger unter Pilgern"
Knapp drei Monate vor dem Besuch Papst Benedikts XVI. vom 7. bis 9. September in Österreich wurde am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien das vorläufige Programm zum Papstbesuch vorgestellt. Dabei brachte Kardinal Christoph Schönborn erneut die"große Freude und Dankbarkeit" zum Ausdruck, mit der die Katholiken in Österreich dem Papstbesuch entgegensehen. Papst Benedikt XVI. zeichne "eine besondere Liebe zu Mariazell" aus, die bereits in der spontanen Zusage des Papstes zu diesem Besuch zu erkennen sei und die ihn "als Pilger unter Pilgern" nach Mariazell kommen lasse. Der Kardinal erneuerte seine Einladung an die Gläubigen, den Papst auf der Pilgerreise zu begleiten. Benedikt XVI. gehe es bei seiner Apostolischen Reise nach Österreich aus Anlass des 850-Jahr-Jubiläums von Mariazell um die "Stärkung im Wesentlichen".
P. Lombardi: "Wichtige und große Reise"
Wie der Pressesprecher des Heiligen Stuhls, P. Federico Lombardi SJ, betonte, stelle der Besuch Papst Benedikts XVI. in Österreich eine "wichtige und große Reise" dar. Es sei zu erwarten, dass der Papst die Gelegenheit nützen werde, um eine "Botschaft für Europa" zu formulieren. Benedikt XVI. gehe es um die Gottesfrage in einer säkularisierten Gesellschaft, um die heutige "geistige Großwetterlage in Europa". Wie bereits die Besuche Johannes Pauls II. in Österreich eine auch politische Bedeutung im Blick auf die Verständigung zwischen Ost und West hatten, so sei auch von den Ansprachen Papst Benedikts XVI. in Wien eine große Strahlkraft zu erwarten, so P. Lombardi.
Sein Besuch in Mariazell vor drei Jahren habe auf den heutigen Papst einen "tiefen Eindruck" gemacht, sodaß es ihm ein Anliegen sei, zum 850-Jahr-Jubiläum den steirischen Marienort zu besuchen, betonte der Pressesprecher. Zugleich erinnerte P. Lombardi daran, dass Mariazell eine "mitteleuropäische Adresse" ist.
Msgr. Ägidius Zsifkovics, Generalsekretär der Österreichischen Bischofskonferenz, präsentierte das vorläufige Besuchsprogramm und betonte, dass der Besuch insgesamt als "dreitägiges Glaubensfest" mit dem "Höhepunkt Mariazell" geplant sei. Zsifkovics konzentrierte sich dabei auf jene Elemente des Besuchsprogramms, die allgemein zugänglich sind - von der Begrüßung auf dem Platz Am Hof am 7. September bis zum Kurzbesuch im Stift Heiligenkreuz am 9. September. Der Generalsekretär der Bischofskonferenz erinnerte daran, dass es sich um ein vorläufiges Programm handle, das nach vatikanischem Usus einen Monat vor dem geplanten Besuch endgültig fixiert werde.
"In den Wurzeln des Glaubens berührt"
Der Superior von Mariazell, P. Karl Schauer OSB, unterstrich die Bedeutung des Wallfahrtsortes Mariazell für Mitteleuropa. Mariazell sei "kein gewöhnlicher Wallfahrtsort", sondern "atme Geschichte", so Schauer. Es sei ein "aufgeladener, dichter Ort", der in seiner 850-jährigen Geschichte "Positives und Widersprüchliches" sinnfällig in sich vereine. Dies sei auch der Grund, so Schauer, warum Mariazell Joseph Ratzinger bei dessen erstem Besuch anlässlich der Wallfahrt der europäischen Notare im Jahr 2004 "bis in die Wurzeln seines Glaubens berührt" habe. Insgesamt zeigte sich P. Schauer überzeugt, dass der Besuch eine "nachhaltige Wirkung auf die Kirche in Österreich" und eine "Strahlkraft über Österreich hinaus" haben werde.
In der Zeit des Kommunismus sei Mariazell wegen der Schließung der Grenzen 50 Jahre ein "Provinzort" gewesen, sagte P. Schauer. Heute habe es wieder "mitteleuropäischen" Charakter.
Dass die Basilika von Mariazell in den letzten 15 Jahren komplett restauriert werden konnte, grenze an ein "wundersames Ereignis", betonte der Superior.
Heiligenkreuz: "Kurz, qualifiziert, akzentreich"
Wie der Rektor der Päpstlichen Philosophisch-Theologischen Hochschule Heiligenkreuz, P. Karl Wallner OCist, bei der Pressekonferenz betonte, werde der Besuch des Papstes in Heiligenkreuz "kurz und qualifiziert" sein. Geplant sei ein umfangreiches Vorprogramm, u.a. mit der Übertragung sämtlicher Gottesdienste aus der Stiftskirche in die Stiftshöfe. Papst Benedikt XVI. wird zunächst in der Stiftskirche mit den Gläubigen beten. Erwartet wird außerdem eine kurze Ansprache. Nach dem Gottesdienst wird der Papst die Gläubigen im Äußeren Stiftshof von einem Erker aus segnen. Wie Wallner betonte, suche sich der Papst stets "Orte mit Symbolkraft" aus. Daher sei auch der Besuch in Heiligenkreuz zu Stande gekommen, da das Stift einen "symbol- und geschichtsreichen Ort der Tradition, Stabilität, Kontinuität und Lebendigkeit" darstelle. Die besondere Verbundenheit des Stiftes zum Papst komme u.a. in der Erhebung der stiftseigenen Hochschule zur "Päpstlichen Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI." zum Ausdruck.
Wien: Zentrale Themen
Im Hinblick auf das öffentlich zugängliche Wien-Programm des Papstes betonte Martin Sindelar, dass es hier um Themen gehe, die den Christen besonders am Herzen liegen, so der "Schutz des Lebens", die Feier des Sonntags, die Betonung der Familie, die Weitergabe des Glaubens. Diese Themen werden bei der Begrüßung des Papstes auf dem Platz Am Hof, bei der Sonntagsmesse im Stephansdom und auf dem Stephansplatz, aber auch bei den Vor- und Nachprogrammen auf diesen beiden Plätzen in vielfältiger Weise artikuliert werden.
"Qualität, nicht Quantität"
Der Medienbeauftragte der Österreichischen Bischofskonferenz für den Papstbesuch, Paul Wuthe, unterstrich, dass der Besuch des Papstes "kein Besuch der großen Zahlen" werde. Dies entspreche nicht dem Wesen und Charakter einer Pilgerfahrt. Eine Wallfahrt sei kein "Wellness-Urlaub", sondern durchaus ein "geistliches Abenteuer". Es gehe "nicht um Quantität, sondern um die Qualität der Glaubenserfahrung".
Erfreut zeigte sich Wuthe über die anhaltend starke Nachfrage nach Zählkarten zum Papstgottesdienst in Mariazell. Genaue Zahlen gebe es derzeit jedoch noch nicht, da die Anmeldungen aus dem In- und Ausland weiterhin laufen.