Innsbruck: Fachtagung über Religion und Gewalt
Innsbruck, 13.6.07 (KAP) Dem Zusammenhang von Religion und Gewalt ist eine internationale Fachtagung der Arbeitsgemeinschaft "Politik, Religion, Gewalt" der Österreichischen Forschungsgemeinschaft (ÖFG) vom 14. bis 16. Juni in Innsbruck gewidmet. Wie der Leiter der Arbeitsgemeinschaft, der Innsbrucker Theologe und Leiter des Instituts für Systematische Theologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck, Wolfgang Palaver, im Gespräch mit "Kathpress" betonte, gehe es bei der Tagung vor allem um eine "Vertiefung des wissenschaftlichen Dialogs zwischen Christentum und Islam". Dieser Dialog stellt laut Palaver eine "Schlüsselfrage der Zukunft" dar.
Um dem wissenschaftlichen Austausch über den Zusammenhang von Religion und Gewalt Kontinuität zu geben, sei geplant, fünf Jahre hindurch Fachtagungen zu diesem Thema zu veranstalten, so Palaver. Dabei sollen "Rahmentheorien zum Verhältnis von Religion, Politik und Gewalt für das interreligiöse Zusammenleben" erarbeitet werden. Ziel dieser Tagungen werde es sein, "die konkret drängenden Probleme der Praxis des Zusammenlebens in den wissenschaftlichen Raum zu tragen und zu reflektieren", betonte der Innsbrucker Wissenschaftler im Gespräch mit "Kathpress". Weiters sei der "Aufbau eines österreichischen Forschungsnetzwerkes" geplant, um den wissenschaftlichen Austausch der verschiedenen Forschungseinrichtungen zum Thema Religion und Gewalt besser miteinander zu vernetzen.
Eröffnet wird die internationale Tagung am Donnerstag, 14. Juni, mit einem Vortrag des Berliner Philosophen Otto Kallscheuer unter dem Titel "Zur religionspolitischen Lage in Europa", sowie einem Vortrag des Erfurter Theologen Jürgen Manemann unter dem Titel "Gott und das Politische: Zur Verhältnisbestimmung von Demokratie und Monotheismus im Zeitalter der Wiederkehr der Religionen". Anschließend ist eine Podiumsdiskussion vorgesehen.
Am Freitag, 15. Juni, referiert zunächst der Münsteraner Kirchenhistoriker Arnold Angenendt zum Thema "Heiliger Krieg und Heiliger Frieden: Missionsauftrag zwischen Friedensstiftung und Eroberung", gefolgt von einem Vortrag des Kopenhagener Politikwissenschaftlers Thomas Scheffler zum Thema "Kränkung und Gewalt: Beleidigung und Blasphemie als interreligiöses Sicherheitsrisiko". Weiters folgen Vorträge von Sibylle Auer (Innsbruck) zum Thema "Gewalt, Transzendenz und Vatergott: Das Anderl von Rinn - Religiös verbrämte Gewalterzählung aus der Retorte und Patriarchatskritik" und von Wolfgang Palaver zum Thema "Im Zeichen des Opfers: Die apokalyptische Verschärfung der Weltlage als Folge des Monotheismus".
Am Nachmittag referieren Andreas Oberprantacher (Innsbruck), Werner Ernst (Innsbruck), Kerstin Tomenedal (Ankara) und die Vorarlberger Islamexpertin Elisabeth Dörler (über "Westliche Moderne, Christentum und Islam: Eine Praxisbeobachtung"). Beschlossen wird der zweite Tag mit den Vorträgen des Grazer Religionswissenschafters Karl Penner unter dem Titel "Legitimiert das Gottesbild des Korans Gewaltanwendung?" und des Frankfurter islamischen Theologen Tahsin Görgün über "Verzeihen und Herstellung der Gerechtigkeit als Antwort auf die menschliche Gewaltbereitschaft im klassischen Islam".
Am Samstag, 16. Juni, folgen die Vorträge des Wiener islamischen Religionspädagogen Ednan Aslan über "Gewalterfahrungen muslimischer Migranten an den öffentlichen Schulen und Stellung der Gewalt im islamischen Religionsunterricht" sowie des Innsbrucker Religionspädagogen Matthias Scharer unter dem Titel "Welchen Frieden 'schafft' der Religionsunterricht? Möglichkeiten und Grenzen religionsdidaktischer Konzepte im Hinblick auf Gewaltprävention an Schulen". Den Abschluss der Tagung bildet der Vortrag der Dresdner Religionsphilosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz zum Thema "Nikolaus von Kues: De pace fidei".
Die Arbeitsgemeinschaft "Religion - Politik - Gewalt" der Österreichischen Forschungsgemeinschaft (ÖFG) existiert seit 2005. Sie steht unter der Leitung von Prof. Wolfgang Palaver, Institutsleiter des Instituts für systematische Theologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck. Ihr vorrangiges Ziel besteht in der Vernetzung österreichischer und internationaler Forschungsinitiativen, die im Dienst der Erforschung von Gewaltphänomenen stehen und sich um ein friedliches Zusammenleben in einer globalen Welt bemühen. (Informationen: Tel 0512/507/85.61).
