Diözese Linz gedenkt des 200. Todestages von Bischof Gall
Linz, 15.6.07 (KAP) Die Diözese Linz gedenkt am 18. Juni des 200. Todestages des zweiten Linzer Diözesanbischofs Joseph Anton Gall. Er war im Alter von 40 Jahren zum Bischof ernannt worden und starb im 59. Lebensjahr. Der 1748 geborene Gall stammte - wie sein berühmter Landsmann Johannes Kepler - aus Weil der Stadt (Baden-Württemberg); beide verbrachten in Linz markante Lebensabschnitte. In der schwierigen spätjosephinischen Epoche festigte Gall die Diözese und setzte nachhaltige Akzente, etwa durch seine "modern" konzipierten Visitationsreisen in die Pfarren, seine katechetisch-literarische Tätigkeit, seinen Einsatz hoher privater Mittel zur Gründung des Priesterseminars in der Harrachstraße 7 in Linz, das er erst ein knappes Jahr vor seinem Tod eröffnen konnte (1806). Bereits 12 Jahre zuvor (1794) war es ihm gelungen, das Theologiestudium nach dem Intermezzo der josephinischen Generalseminare wieder nach Linz zu bringen.
Seine Akzeptanz in Linz als Landfremder und als Bischof bürgerlicher Abstammung konnte er nicht zuletzt durch seinen persönlichen Einsatz in den Napoleonischen Kriegen erwirken. 1800 und 1805 stellte er sich an die Spitze einer Delegation, die mit den französischen Militärs in Verhandlung trat, um Linz zu schonen. Dass er als strikter Josephiner die Reformen mit Augenmaß umsetzen wollte, wurde ihm nach und nach positiv angerechnet. Eher schroff ablehnend blieb er in der Klosterfrage.
Galls Amtszeit war charakterisiert vom Abschied vom Barockkatholizismus und durch die Umbrüche in fast allen wesentlichen Bereichen der Kirchenstruktur. Die Stimmung an der "Basis" ist im Hinblick auf die vom "aufgeklärten Absolutismus" am Wiener Hof angeordneten Reformen nur indirekt der Aktenlage zu entnehmen. Das "Volk" war eher durch die Veränderungen der gewohnten religiösen Praxis betroffen, worüber gemurrt wurde.
Bischof Gall war ein Familienmensch (er hatte zehn Geschwister); dies zeigen seine brieflichen Kontakte sehr deutlich. An jeder Freude und an jeder Sorge wollte er Anteil nehmen und gelegentlich seinen Rat übermitteln. Er, der durch Erbschaften über erhebliche Finanzmittel verfügen konnte, folgte diesbezüglich einem klaren Prinzip: das väterliche Erbe sollte an die Familie zurückfließen, über das mütterliche Erbe disponierte er frei (u.a. für die Seminargründung). Sein Bildungswegführte ihn zu interessanten Stationen, die "neue" Pädagogik, das Interesse für die Katechese, besonders der Wiener Hof zur Zeit Maria Theresias und letztlich Joseph II. bedeuteten ihm viel. So dem Kaiserhaus als Hoffnungsträger bekannt, wurden ihm früh hohe Verantwortungsbereiche übertragen. Im Sog der Aufklärung wollte er besonders in seinem literarischen Werk die katholische Glaubenslehre dem Volk durch schriftliche Predigten eröffnen.