Kapellari: Einsatz für Notleidende ist immer aktuell
Wien, 15.6.07 (KAP) Ein "Herz für Notleidende zu haben und menschliche Not zu lindern ist der aktuelle und stets neue Grundauftrag christlichen Lebens": Dies betonte der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari am Samstag im Wiener Stephansdom beim Festgottesdienst zum 50-Jahr-Jubiläum des Malteser Hospitaldienstes Austria. Tausende junge Menschen hätten sich seit der Gründung des Hospitaldienstes freiwillig und unentgeltlich in den Dienst der Behinderten, Kranken, Alten und Einsamen gestellt.
Der Bischof zitierte das Wort des seligen Gerhard, der am Beginn des Malteserordens steht: "Unsere Bruderschaft wird unvergänglich sein, weil der Boden, auf dem diese Pflanze wurzelt, das Elend der Welt ist und weil es, so Gott will, immer Menschen geben wird, die daran arbeiten wollen, dieses Leid geringer, dieses Elend erträglicher zu machen". Bis heute fänden sich "mitfühlende Menschen, die unter dem Zeichen des Malteserkreuzes ihre spirituellen, ideellen, zeitlichen und auch finanziellen Ressourcen dafür einsetzen, menschliche Not zu lindern und Notleidenden neue Lebenschancen zu eröffnen", stellte Bischof Kapellari fest, der auch Chefkaplan des Malteser-Großpriorates Österreich ist.
Der Hospitaldienst der österreichischen Malteser begann als Hilfsorganisation für Flüchtlinge aus Ungarn, die nach der Niederschlagung des Aufstandes von 1956 nach Österreich gekommen waren. Später folgten andere Notsituationen, darunter auch kriegerische Auseinandersetzungen und große Naturkatastrophen, in denen Menschen der Hilfe der Malteser bedurften, erinnerte Kapellari.
Den tausenden jungen Helfern des Hospitaldienstes gebühre großer Dank für ihren Einsatz und ihr Zeugnis gelebter christlicher Nächstenliebe, ebenso allen, die dem Malteser Hospitaldienst in dieser Zeit "ihre Freundschaft erwiesen und ihn ideell und finanziell unterstützt haben".
Wie Kapellari in seiner Predigt betonte, habe eine Frage aus dem ersten Johannesbrief des Neuen Testamentes christliche Männer und Frauen immer wieder aufgerüttelt und zu tatkräftiger Nächstenliebe motiviert. Diese Frage lautet: "Wenn jemand Vermögen hat und sein Herz vor dem Bruder verschließt, den er in Not sieht, wie kann die Gottesliebe in ihm bleiben?"
60 neue Volontäre
Bei dem Gottesdienst wurden auch mehr als 60 junge Frauen und Männer neu in den Hospitaldienst aufgenommen, nachdem sie sich einer längeren intensiven Ausbildung unterzogen hatten.
Gemeinsam mit Bischof Kapellari konzelebrierte u.a. der Abt von Stift Heiligenkreuz, Gregor Henckel-Donnersmarck. Der Apostolische Nuntius in Österreich, Erzbischof Edmond Farhat war beim Gottesdienst anwesend.
Für den erkrankten Großmeister des souveränen Malteser-Ritterordens, Fra' Andrew Bertie, überbrachte Großkanzler Jean Pierre Mazery den besonderen Dank der Ordensleitung für das Engagement des Hospitaldienstes der österreichischen Malteser. (forts.)
Fischer: "Symbol für Hoffnung"
Bei einem Festakt im Anschluss an den Gottesdienst würdigte auch Bundespräsident Heinz Fischer das Engagement der Malteser. Für viele Menschen auf der ganzen Welt sei das achtzackige Malteserkreuz zum Symbol für Hoffnung, Hilfsbereitschaft und Nachstenliebe geworden, so Fischer. Der Hospitaldienst der österreichischen Malteser habe sich seit seiner Gründung vor 50 Jahren zu einem professionellen und verlässlichen Partner bei Hilfseinsätzen entwickelt und sei fixer Bestandteil des Netzwerkes der heimischen Hilfsorganisationen.
Auch der ungarische Staatspräsident Laszlo Solyom nahm an dem Festakt teil und ging in seinen Grußworten auf die Entstehung des Hospitaldienstes im Zusammenhang mit der Ungarnrevolution 1956/57 ein. Damals seien 200.000 Ungarn nach Österreich geflohen, erinnerte Solyom, der zugleich die große Hilfsbereitschaft der Österreicher hervorhob. Die Malteser hätten in diesem Reigen von Hilfsbereitschaft eine herausragende Rolle gespielt. Das ungarische Staatsoberhaupt bezeugte aber auch seinen Respekt vor der damaligen Hilfe des österreichischen Staates, der als erster offiziell gegen das sowjetische Vorgehen protestiert hatte und u.a. auch allen Ungarn-Flüchtlingen Asyl gewährte.
Der Prokurator des Großpriorats von Österreich, Norbert Salburg-Falkenstein hob das Ausmaß der Hilfsdienste der Malteser hervor. So hätten die durchwegs Freiwilligen im Jahr 2006 insgesamt 150.000 Dienststunden geleistet. Das entspreche in etwa der Leistung eines Mittelbetriebes mit 100 Beschäftigten.
In diesem Zusammenhang appellierte der Prokurator auch an die politisch Verantwortlichen, endlich die steuerliche Absetzbarkeit von Spenden umzusetzen. Dies wäre für die Malteser, die sich weitgehend aus Spenden finanzieren, von enormer Bedeutung. Ebenso sollte das Engagement der Freiwilligen des Malteser Hospitaldienstes auch dahin gehend gewürdigt werden, dass ihr Dienst am Nächsten zur Befreiung von den Studiengebühren angerechnet wird. Bundespräsident Fischer zeigte in seiner Rede durchaus Sympathie für beide Anliegen.
Gemeinsam mit dem Kommandanten des Malteser Hospitaldienstes, Hubertus Trauttenberg, unterstrich Salburg-Falkenstein in besonderer Weise auch die Motivation der Malteser, die sich aus einer christlichen Grundhaltung und Überzeugung ergebe.
