Ukraine: Kirchen luden zu Umwelt-Konferenz
Kiew-Wien, 18.6.07 (KAP) Die westeuropäischen Erfahrungen beim kirchlichen Engagement für Nachhaltigkeit und eine intakte Umwelt sollen für die spezifische Situation in der Ukraine fruchtbar gemacht werden: Das war das Ziel einer internationalen Konferenz, die in Uschgorod in der Karpato-Ukraine gemeinsam von der römisch-katholischen Diözese Mukatschewo und der gleichnamigen griechisch-katholischen Eparchie veranstaltet wurde. Unter den Teilnehmern waren Bischöfe, Repräsentanten der jüdischen und der islamischen Glaubensgemeinschaft, Wissenschaftler und Politiker. Aus Österreich war die Sprecherin der "Arbeitsgemeinschaft Schöpfungsverantwortung", Isolde Schönstein, anwesend, die zugleich auch das Europäische Umweltnetzwerk der Kirchen (ECEN) vertrat.
Die Ukraine leidet nicht nur noch immer an den Folgen der Atomkatastrophe von Tschernobyl (1986), sondern auch an einer nach wie vor in sowjetischem Stil betriebenen Landwirtschaft, die Böden und Flüsse ruiniert, berichtete Isolde Schönstein im Gespräch mit "Kathpress". Auf dem Hintergrund der Erfahrungen von Tschernobyl sei es um so notwendiger, dass sich die Kirchen gegen die derzeitige "Renaissance" der Atomkraft in Europa zur Wehr setzen und für erneuerbare Energieformen plädieren.
Dies müsse sich auch in entsprechender Praxis niederschlagen, so Isolde Schönstein. Die "Arbeitsgemeinschaft Schöpfungsverantwortung" sei z.B. Initiatorin zweier Photovoltaik-Anlagen im Priesterseminar von Uschgorod und in einem Jugendbildungszentrum in Iwano-Frankiwsk. Bereits seit mehreren Jahren stelle die Arbeitsgemeinschaft (in der viele junge Wissenschaftler mitarbeiten) ihr Know-how kirchlichen Einrichtungen in der Ukraine und auch in Weißrussland zur Verfügung. Isolde Schönstein hat mehrfach Gastvorlesungen an Hochschulen in der Ukraine und in Weißrussland gehalten. Gerade die Studenten und auch die neuen NGOs in der Ukraine hätten ein genuines Interesse an einer grundlegenden Neuausrichtung der wirtschaftlichen Tätigkeit nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit.
Bei der Konferenz in Uschgorod ging es vor allem auch um die Zusammenarbeit zwischen Kirchen, staatlicher Verwaltung, NGOs, Bildungseinrichtungen und Öffentlichkeit im Hinblick auf den Schutz der Umwelt. Mit Isolde Schönstein waren unter den Referenten u.a. auch der Münchner Sozialethiker Prof. Markus Vogt, der über die Umweltaktivitäten des "Rates der Europäischen Bischofskonferenzen" (CCEE) berichtete, und Beatrice van Saan-Klein vom "Catholic Ecology Forum Europe". Der Leiter des ökologischen Zentrums der griechisch-katholischen Eparchie Iwano-Frankiwsk, Wolodimyr Scheremeta, referierte über die Umweltinitiativen seiner Kirche. Die Konferenz fand in der griechisch-katholischen Akademie in Uschgorod statt, die den Namen des Märtyrerbischofs Teodor Romza trägt. Romza wurde im Jahr 2001 von Johannes Paul II. bei dessen Ukraine-Reise selig gesprochen; der Bischof war 1947 bei einem inszenierten "Verkehrsunfall" ums Leben gekommen. Danach wurden die unierten Katholiken der (von 1918 bis 1939 tschechoslowakischen) Karpato-Ukraine vom stalinistischen Regime gewaltsam in das orthodoxe Moskauer Patriarchat "eingegliedert".
