Landau erneuert Forderung nach Integrationsplattform
Wien, 19.6.07 (KAP) Der Wiener Caritasdirektor Michael Landau hat erneut an Innenminister Günther Platter appelliert, die im Regierungsprogramm vorgesehene Integrationsplattform zu errichten. Bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Wien beklagte Landau, die Integration von Zuwanderern werde in Österreich noch immer "zu sehr unter dem Sicherheitsaspekt und als Materie des Innenministeriums behandelt". Dabei werde übersehen, dass Integration ein "wechselseitiger Prozess" sei, bei dem "beide Seiten Schritte aufeinander zu machen müssen".
Außerdem verlange gelingende Integration "klare Strukturen, Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten". Diese könne nur ein eigenes Staatssekretariat für Migration und Integration, angeschlossen an das Bundeskanzleramt, gewährleisten, so Landau. Als erster Schritt in diese Richtung schlug Landau die Schaffung einer "Integrations-Agentur" vor.
Wie der Caritas-Direktor betonte, bedeute Integration einen "Dialog auf Augenhöhe". Damit verbunden sei die Notwendigkeit, gleiche Bildungschancen für Mirganten zu ermöglichen und ihre politische Teilnahme zu stärken. Eine Möglichkeit dazu besteht laut Landau in einem verbrieften Wahlrecht für Zuwanderer.
Unterstützung für seine Forderungen erhielt Landau von der Wiener Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger. Es sei "an der Zeit, die Integration neu zu regeln", so Frauenberger. Eine Integrationsplattform wäre auch die geeignete Einrichtung, um die im Regierungsabkommen angekündigte Evaluierung des Fremdenrechts durchzuführen. Frauenberger sprach sich ebenso für den Ausbau des Wahlrechts für Migranten aus.
Die Pressekonferenz fand im Zuge der Eröffnung der Wiener "brunnenpassage" statt. Mit dieser neuen Einrichtung der Caritas der Erzdiözese Wien wolle man "bewusst neue Wege in der Integration beschreiten", so Landau. Dazu hat die Wiener Caritas eine leer stehende Markthalle am Brunnenmarkt in Wien-Ottakring angemietet und für rund 40.000 Euro saniert. Entstanden sei ein "Ort der Begegnung und des Austausches über Kunst und Kultur", so Landau. Angeboten werden unterschiedliche Workshops darunter eine regelmäßige offene Tanzgruppe unter dem Titel "Saturdance", ein Diskussionskreis unter dem Titel "think tank brunnenpassage" sowie ein regelmäßiges "Picnic-brunch".
In Anlehnung an das Projekt "Tanz die Toleranz", bei dem rund 230 Kinder und Jugendliche unterschiedlicher sozialer Herkunft heuer mit einer gemeinsamen Tanzperformance die Wiener Festwochen eröffnet haben, ist für den Sommer außerdem eine zweiwöchige Sommertanzwerkstatt geplant. Dabei werden 60 Teilnehmer die Möglichkeit haben, mit dem künstlerischen Assistenten des Choreographen Royston Maldoom eine eigene Tanzpräsentation einzustudieren.
Wie der Initiator des Projekts, der Caritas-Sozialexperte Werner Binnenstein-Bachstein, betonte, wolle man mit der "brunnenpassage" nicht ein weiteres Projekt neben zahlreichen anderen sozialen und kulturellen Projekten schaffen. Vielmehr gehe es darum, die "brunnenpassage" als einen "Dialog- und Kommunikationsort" zu verstehen, an dem auch mit den anderen aktiven Einrichtungen "über Integration und gemeinsame Aktivitäten nachgedacht" werden könne.
Zustimmung für die "brunnenpassage" kam auch vom Unternehmer Hans Staud, der als Vertreter der Anrainer und ansässiger Unternehmer das Projekt ausdrücklich lobte. Durch diese Einrichtung werde der Brunnenmarkt "wieder, was er einmal war: ein Gesamtkunstwerk", so Staud.
Bei der Pressekonferenz wurde außerdem die neue Broschüre der Caritas Wien zum Thema Integration präsentiert. Sie trägt den Titel "unfrei_willig ausgegrenzt: angekommen, aber nicht aufgenommen". Darin kommen Betroffene zu Wort, werde statistische Daten zum Thema Integration in Österreich aufgeführt und finden sich die Forderungen der Caritas zu diesem Bereich. Die Broschüre ist gratis erhältlich (Bestellung unter Tel. 01-87812-229 oder office@caritas-wien.at).