Kath. Familienverband kritisiert Pflegegeld-Streichung
Wien, 21.6.07 (KAP) Heftige Kritik an der Sozialpolitik der Gemeinde Wien übt der Katholische Familienverband der Erzdiözese Wien (KFVW): Pflegeeltern erhalten seit 1. März dieses Jahres bei Antragstellung auf volle Obsorge für ihre Pflegekinder kein Pflegegeld mehr von der Gemeinde Wien. "Die Praxis der Gemeinde Wien ist völlig widersprüchlich. Einerseits werden teure Werbekampagnen für Pflegeeltern gestartet, auf der anderen Seite verscheucht man Pflegewillige, indem man ihnen plötzlich das Leben schwer macht", so KFVW-Vorsitzender Alexander Kucera, der am Donnerstag in einer Presseaussendung von einem "Skandal" sprach. Im Ergebnis würden Pflegeeltern finanziell bestraft, wenn sie sich besonders um ihre Pflegekinder annehmen.
Hintergrund für die aktuelle Verschlechterung ist die Tatsache, dass es zwei Klassen von Pflege gibt: eine auf Grund der Übernahme der Fürsorge von der öffentlichen Hand (öffentlichrechtlich) und andererseits durch eigene Antragstellung beim Pflegegericht (privatrechtlich) - obwohl an beiden öffentliches Interesse besteht. Für den zweiten Fall zahlt die Gemeinde Wien bei Antragstellung ab dem 1. März 2007 nun kein Pflegegeld mehr.
Ein weiterer Grund dürfte laut KFVW darin liegen, dass die Gemeinde schon bisher versucht, das Pflegegeld von den leiblichen Eltern einzutreiben. Bei Übernahme der vollen Obsorge durch die Pflegeeltern lehnen aber Zivilgerichte die Zahlungspflicht der leiblichen Eltern ab, und deshalb jetzt auch die Gemeinde Wien.
Im niederösterreichischen Anteil der Erzdiözese Wien wird hingegen weiterhin auch bei voller Obsorge Pflegegeld ausbezahlt, ebenso in Oberösterreich, es wechselt lediglich die auszahlende Stelle. In Wien werden nur mehr bei sozialen Gründen Unterstützungen gezahlt.
"Pflegeeltern erweisen der Gemeinschaft in jedem Fall einen großen Dienst und müssen daher auch weiterhin unterstützt werden", forderte KFVW-Vorsitzender Kucera eine Änderung der geltenden Regelung in Wien. (ende)