Kirche hilft, dass Beziehungen gelingen
Wien, 26.6.07 (KAP) Schlechte Partnerwahl, ungenügende Ehevorbereitung, Überforderung des Partners, mangelnde Konfliktfähigkeit, aber auch das Übersehen verhaltensbiologisch bedeutsamer Unterschiede zwischen Mann und Frau - das sind nach Ansicht von Andreas Cancura, Geschäftsführer des Wiener Katholischen Familienverbands (KFVW), die Hauptgründe für das Scheitern so vieler Beziehungen. Auch Stress, ungerechte Lastenverteilung, jedwedes Suchtverhalten und vor allem Untreue hätten negative Konsequenzen, so der Autor des "Ehe-Guides" zu den jüngst veröffentlichten alarmierenden Scheidungszahlen in Österreich. Cancura wies auf die vielen kirchlichen Angebote hin, die auf das Leben als Paar bestmöglich vorbereiten bzw. die Partnerschaft möglichst glücklich gestalten sollen. Die kirchlichen Ehevorbereitungs- und Beratungsangebote sind unter "www.beziehungsweb.at" und "www.begegnungbewegt.at" im Internet abrufbar. Der 52 Seiten umfassende "Ehe-Guide", der eine Fülle von Tipps gibt, was Ehen lebendighält und Beziehungen auf Dauer gelingen lässt, ist beim Katholischen Familienverband der Erzdiözese Wien (Tel.: 01-515.52/33.30, E-Mail: Familienverband@edw.or.at) erhältlich.
Wer eine gute Partnerschaft leben möchte, muss vor allem Kommunikationsfähigkeit und die "Sprachen der Liebe" lernen, unterstrich Autor Cancura im "Kathpress"-Gespräch. Behutsamer Beziehungsaufbau, Beziehungspflege, richtiges Austragen von Konflikten, Treue und eine glückliche sexuelle Beziehung stabilisierten Ehen. "Ganz wichtig sind ein liebevoller Umgang, Achtung voreinander, gegenseitiger Respekt, gegenseitiges Verstehen, gegenseitige Achtung und Unterstützung und Wertschätzung sowie Glaube und Gebet", so Cancura.
Fast jede zweite Ehe geschieden
Wie die Statistik Austria am Montag bekannt gab, erreichte die Scheidungsrate im Jahr 2006 einen neuen Rekordwert von 48,9 Prozent. Damit wird gegenwärtig etwa eine von zwei geschlossenen Ehen wieder geschieden - in Wien beinahe zwei von drei (65,85 Prozent). Alle anderen Bundesländer liegen unterhalb des heimischen Durchschnitts. Die niedrigsten Raten verzeichnen Tirol (37,55 Prozent) und Oberösterreich (39,50 Prozent).
Im Jahr 2006 wurden insgesamt 20.336 Ehen geschieden - um 883 oder 4,5 Prozent mehr als im Jahr davor. Auch 2005 war ein bis dahin historischer Höchstwert (46,4 Prozent) erreicht worden. Im Jahr 1991 waren noch vergleichsweise wenige - etwa ein Drittel der Ehen - geschieden worden.
Durchschnittlich dauerten die im vergangenen Jahr geschiedenen Ehen neun Jahre - um 0,2 Jahre kürzer als 2005. 46,4 Prozent bestanden zehn Jahre oder länger. Fast ein Drittel der Ehepaare trennte sich innerhalb der ersten fünf Jahre. Elf Paare gingen nach einem halben Jahrhundert des Miteinanders noch auseinander.
Der Großteil (88,1 Prozent) trennte sich 2006 in beiderseitigem Einvernehmen. Wenn Ehen strittig geschieden wurden, lag das "Verschulden" in der Mehrzahl der Fälle beim Mann.
Im Jahr 2006 trennten sich die Eltern von insgesamt 20.787 Kindern,. 1.372 "Scheidungskinder" waren am Tag der Scheidung noch keine drei Jahre alt.