Jesuiten erinnern an Märtyrer P. Alfred Delp
München-Wien, 27.6.07 (KAP) Die Jesuiten in Deutschland und Österreich gedenken in den kommenden Wochen ihres vor 100 Jahren geborenen Mitbruders und Märtyrers P. Alfred Delp. Der aus Mannheim gebürtige Theologe und Sozialanthropologe wurde am 28. Juli 1944 von der Gestapo verhaftet und kam als Führungspersönlichkeit der Widerstandsgruppe "Kreisauer Kreis" vor den NS-"Volksgerichtshof". Der berüchtigte "Blutrichter" Roland Freisler verurteilte Delp in einem Schauprozess zum Tode. Das Urteil wurde am 2. Februar 1945 vollstreckt.
Eine Tagung in der Berliner Adenauer-Stiftung beschäftigte sich dieser Tage mit Delp und den "Kreisauern"; in Wien ist für 4. Oktober ein Abend über Delp mit dem "Stimmen der Zeit"-Chefredakteur P. Martin Maier SJ im "JesuitenFoyer Bäckerstraße" geplant.
Bei der Berliner Tagung nannte der deutsche Innenminister Wolfgang Schäuble P. Delp, Claus Schenk Graf von Stauffenberg und Helmuth James Graf von Moltke als Beispiele dafür, dass ein freiheitlicher Rechtsstaat und seine Gesellschaft Zivilcourage brauchen. Sowohl Delp als auch Stauffenberg und Moltke wurden vor 100 Jahren - im Jahre 1907 - geboren und standen deshalb im Mittelpunkt des Gedenkens. Alle drei wurden 1944 beziehungsweise 1945 von den Nazis ermordet.
Verantwortungsbewusstsein für sich und seine Mitmenschen und bürgerschaftliches Engagement seien der "Lebensnerv" einer freiheitlichen Demokratie, so Schäuble. Deshalb müssten vor allem mit der Jugend offene Gespräche geführt werden, um der Ausbreitung von Ideologien "links wie rechts" vorzubeugen. "Wer sich angenommen fühlt, ist gefestigter und wird eher Zivilcourage zeigen", betonte der Minister. Deshalb sei auch eine gelingende Integration wichtig. Dazu gehöre allerdings Toleranz und ein eigener Standpunkt, ohne den Verschiedenheit nicht verstanden werden könne.
Alfred Delp wurde am 15. September 1907 in Mannheim als ältestes von sechs Geschwistern in einer gemischt-konfessionellen Ehe geboren und evangelisch erzogen. Er wurde auch konfirmiert. Als 14-jähriger entschied sich Delp für die katholische Kirche. Während seiner Zeit am Bischöflichen Konvikt in Dieburg arbeitete er aktiv im "Bund Neudeutschland" mit.
Am 22. April 1926 trat Delp in das Noviziat der Gesellschaft Jesu in Feldkirch-Tisis (Vorarlberg) ein. Nach dem Noviziat studierte er zwischen 1928 und 1931 in Pullach bei München Philosophie. Anschließend war er bis 1934 Jugenderzieher im Internat des Jesuitenkollegs in Feldkirch und Präfekt am Jesuitenkolleg St. Blasien. Sein Theologiestudium absolvierte er am Ignatiuskolleg Valkenburg (Niederlande).
Am 24. Juni 1927 wurde Delp in München zum Priester geweiht. In der folgenden umfangreiche Predigttätigkeit wandte sich Delp gegen die Häresien der "Deutsche Glaubensbewegung", die den "völkischen Aufbruch" der NSDAP im Rückgriff auf die germanischen Götzen "religiös" untermauern wollte.
Zwischen 1939 und 1941 war Delp Redakteur der angesehenen katholischen Zeitschrift "Stimmen der Zeit", nach deren Verbot Rektor der Filialgemeinde St. Georg in München-Bogenhausen. Durch Veranlassung des Provinzials der Jesuiten in Süddeutschland, P. Augustin Rösch, arbeitete Delp 1942/43 intensiv im "Kreisauer Kreis" mit und konnte dort Grundlinien der katholischen Soziallehre in die Neuordnungspläne einfließen lassen. Er nahm an der 2. und 3. Kreisauer Tagung teil, legte Denkschriften u.a. über die "Arbeiterfrage" und das "Bauerntum" vor.
Delp trat jedoch nicht nur als Denker und Philosoph hervor, sondern stellte auch Kontakte von einzelnen Münchner Widerstandskreisen zur Gruppe um Graf Moltke her. Am 28. Juli 1944 wurde Delp in München festgenommen, am 11. Jänner 1945 vom sogenannten "Volksgerichtshof" zum Tode verurteilt.
Delp wurde am 2. Februar 1945 in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Mit ihm starben die Widerstandskämpfer Carl Friedrich Goerdeler - früherer Oberbürgermeister von Leipzig - und Johann Popitz, der einstige preußische Finanzminister.
Kurz vor seiner Hinrichtung schrieb Delp über seinen Prozess: "Es war alles fertig, als es anfing ... als die Verhandlung mit mir eröffnet wurde, spürte ich bei der ersten Frage die Vernichtungsabsicht ... die Beschimpfungen von Kirche und Orden waren schlimm ... ein Jesuit kann sagen und beweisen, was er will: er ist ein Schuft und es wird ihm nichts geglaubt".
Die im Widerstand tätigen Jesuiten wie P. Delp hatten Kontakt zum damaligen Salzburger Erzbischof Andreas Rohracher. Obgleich für die deutschen Bischöfe eine Teilnahme am aktiven Widerstand, geschweige denn die Zustimmung zu einem "Tyrannenmord", nicht in Frage kam, wurden doch einige von Widerstandskreisen kontaktiert, ohne freilich in konkrete Umsturzpläne eingeweiht zu werden. Über Rohrachers Vermittlung kam ein Treffen zwischen Moltke und dem legendären Salzburger Altlandeshauptmann Franz Rehrl zu Stande, bei dem unter anderem Fragen einer Regime-Änderung erörtert wurden.