Fortpflanzungsmedizin schafft weiter Probleme
Wien, 27.6.07 (KAP) "Die Fortpflanzungs-Medizin schafft Probleme, die sie nicht lösen kann": Mit dieser Kritik reagierte die "Aktion Leben"- Österreich am Mittwoch auf Meldungen, wonach die Zahl tiefgefrorener Embryonen in Österreich ständig steigt. Hier liege ein "künstlich geschaffenes Problem, das es gar nicht geben sollte", vor, so "Aktion Leben"-Sprecherin Martina Kronthaler im Gespräch mit "Kathpress". Embryonen seien "keine beliebige Ware, kein Rohstoff, sondern Menschen in ihren Anfängen". Diese Tatsache fordere von den Fortpflanzungsmedizinern einen besonderes sorgsamen Umgang mit den technischen Möglichkeiten im Bereich der künstlichen Befruchtung (In-vitro-Fertilisation, IVF).
Offensichtlich würden entgegen der gesetzlichen Bestimmungen "relativ großzügig mehr Embryonen hergestellt als gebraucht werden, der Rest wird als Lagerbestand tiefgefroren", erklärte Martina Kronthaler. Deswegen dann eine erweiterte Verwendung der Embryonen wie z.B. deren Freigabe zur Adoption zu fordern, weil sie eben da sind, "verdreht Ursache und Wirkung". Es gehe darum, möglichst wenige "überzählige" Embryonen entstehen zu lassen - auch, um kommerziellen Begehrlichkeiten vorzubeugen.
Anlass für die "Aktion Leben"-Stellungnahme war eine Meldung des IVF-Zentrums an der Linzer Landes-Frauen- und Kinderklinik, wonach derzeit drei Mal so viele befruchtete Eizellen auf Eis liegen wie noch vor wenigen Jahren. "Überzählige Embryonen sollte es eigentlich nur in Ausnahmefällen geben", so Martina Kronthaler: Ursprünglich sollten nur so viele Embryonen hergestellt werden, wie innerhalb eines Zyklus in die Gebärmutter einer Frau eingesetzt werden können. Dieses Prinzip sei jedoch immer mehr "aufgeweicht" worden, kritisierte die "Aktion Leben". Der Gesetzgeber habe der Tatsache Rechnung tragen wollen, dass die Befruchtung nicht immer gleich klappt. Durch die Verlängerung der Aufbewahrungsfrist, die offensichtlich auch zu mehr tiefgefrorenen Embryonen führt, wollte man Frauen eine neuerliche Hormonbehandlung ersparen. "So verständlich das ist, so sehr zeigt es auch die Problematik der IVF als solcher auf, die fast zwangsweise zu 'überzähligen' Embryonen führt", so Martina Kronthaler.
Die IVF-Medizin hat vor allem bei älteren Frauen eine niedrige Erfolgsrate. Denn in ihnen reifen trotz Hormonstimulation manchmal keine oder zu wenig befruchtungsfähige Eizellen mehr. Es sei verlockend, hier einfach "überzählige" Embryonen von anderen Paaren zu verwenden; "doch dann sind wir schnell beim Eizell-, Spermien- und Embryonen-Handel", warnte die "Aktion Leben"-Sprecherin.
