"Alpine Peace Crossing" - Zehnstündiger Gedenkmarsch
Salzburg, 28.6.07 (KAP) Mit der Enthüllung eines Gedenksteins in der Anton-Wallner-Kaserne in Saalfelden begann am Donnerstag das Gedenken an die dramatische Flucht tausender jüdischer "displaced persons" über den Krimmler Tauern im Sommer 1947. Die jüdischen Flüchtlinge, Überlebende der Shoah, wollten nach Italien, um von Genua aus nach Palästina weiter zu reisen. Der österreichische Banker Ernst Löschner hat das Gedenkprojekt "Alpine Peace Crossing" initiiert. Wie Löschner betont, soll das Projekt daran erinnern, "was damals war", es soll aber gleichzeitig auch die weltweit aktuelle Flüchtlingssituation 2007 thematisieren. Ein Höhepunkt des Projekts ist am Donnerstagabend in Krimml ein "Friedensgespräch" unter Leitung von Peter Huemer, an dem der israelische Botschafter Dan Ashbel, der Wiener Caritasdirektor Msgr. Michael Landau und der islamische Theologe und Soziologe Mouhanad Khorchide teilnehmen. Das Projekt "Alpine Peace Crossing" steht unter dem gemeinsamen Ehrenschutz von Bundespräsident Heinz Fischer und dem italienischen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano.
In den Sommermonaten des Jahres 1947 waren tausende jüdische "displaced persons" - in Gruppen von jeweils zirka 200 Personen - über den 2.634 Meter hohen Krimmler Tauern in das Südtiroler Ahrntal geflüchtet, um von dort weiter nach Genua zu gelangen. Österreich, und besonders Salzburg, waren nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zur Drehscheibe des Exodus für 200.000 Juden aus Zentral- und Osteuropa geworden. Die Grenze nach Italien war ihnen offiziell versperrt. Der bis zu zehnstündige Fußmarsch über die Hohen Tauern war die anstrengendste und spektakulärste Fluchtroute für 5.000 Männer, Frauen und auch Kinder.
Ernst Löschner startete zum 60-Jahr-Gedenken an die Flucht eine Initiative, um diese Menschen und jene, die ihnen bei der Flucht geholfen haben, mit einer Gedächtnisüberquerung zu ehren, Schritt für Schritt auf demselben Weg wie diese verängstigten, aber entschlossenen Menschen. Diese Gedächtnisüberquerung findet am 29. Juni statt, die Teilnehmer marschieren um 7 Uhr früh beim Krimmler Tauernhaus ab.
Im "Friedensaufruf" der Initiative "Alpine Peace Crossing" heißt es wörtlich: "Am 29. Juni 2007 findet eine Gedächtnisüberquerung des Krimmler Tauern (vom Krimmler Tauernhaus im Land Salzburg nach Kasern in Südtirol) statt. Dieser Fußmarsch erfolgt in Erinnerung an die Flucht jüdischer Menschen 1947, als 5.000 auf diesem beschwerlichen Treck den Weg in die Freiheit suchten. Es ist eine Überquerung, die ebenso allen heutigen Menschen auf der Flucht vor politischer, rassischer oder religiöser Verfolgung gewidmet ist, wo immer sich diese auf der Welt manifestiert.
Wir verknüpfen damit eine Botschaft des Friedens. Wir teilen den Grundgedanken dieses spirituellen Weges und appellieren an alle Menschen, jenen zu helfen, die auf der Flucht sind. Besonders appellieren wir an alle Politiker und andere Entscheidungsträger dieser Welt, allen Verfolgten zu einem neuen menschenwürdigen Dasein zu verhelfen und vor allem keine Anlässe zuzulassen, die Menschen zur Flucht zwingen".